Schule in Indien - Sir Toby!

Mein erster Schultag in Indien - als Lehrer. Deutschunterricht ist auf der Tagesordnung. Insgesamt 500 wissbegierige Deutschlernerinnen und -lerner sind an meiner Praktikumsschule. Eine beeindruckende Zahl dafür, dass man Luftlinie fast 7000 Kilometer von Deutschland entfernt ist - offensichtlich leistet das Goethe-Institut hier in Delhi über die PASCH-Schulen Initiative eine phantastische Arbeit. Und da stehe ich nun vor 50 interessierten Sechstklässlern. Ich werde von der Deutschlehrerin als Sir Toby vorgestellt und muss unmittelbar an Dinner for One denken, an Silvester und an nun ja... cheerio.

Für den Auftakt habe ich ein kleines Grammatikspiel mitgebracht. Zugegeben, dieses Wortpaar Grammatik und Spiel schließt sich im Grunde genommen aus, doch den kleinen Deutschlernern macht es Spaß. Quiz und Wettbewerbe gehören dazu. Bei den Lehrern in der Fortbildung und bei den Schülern in der Ausbildung. So bilden sie Sätze mit kleinen Domino-Kärtchen. "Ich fahre Fahrrad.", "Ihr spielt Fußball." und "Wir sehen nichts, wir hören nichts und wir sagen nichts." werden zusammengesetzt. Ich bin stolz auf die jungen Lerner. Während ich in England noch mit so manchem Zwölftklässler die deutsche Grammatik und Satzbildung durchgehen musste, bilden sie hier mühelos zumeist korrekte Sätze. Die Lehrerin bittet mich, die guten Ergebnisse zu belohnen. Ich solle Sticker verteilen mit "Super", "Toll" und "Klasse". Begeistert strecken mir die Schülerinnen und Schüler ihre Hefte entgegen, um die Qualitätssiegel darauf befestigen zu lassen. Es macht mir Spaß - trotz fehlender Klimaanlage, laut rauschender Deckenventilatoren, Autohupen und Smog von draußen und festinstallierten und zu engen Tischreihen. Gruppenarbeit, so denke ich mir, ist hier nahezu unmöglich. Frontal ist angesagt. Durchgeschwitzt aber dennoch glücklich notiere ich zum Schluss zusammen mit der Lehrerin die Sätze vorne an der Tafel - die Schüler übernehmen alles eifrig in ihre Hefte. Langsam spüre ich wieder die Kühle der Ventilatoren. Schön denke ich mir - Frontalunterricht kann manchmal echt erholsam sein. Zum Schluss der Stunde verabschieden sich die Schüler - jeder einzeln bei mir. "Auf Wiedersehen", "Tschüß" und "Bis bald" wechseln sich ab. 35 Minuten dauert eine Stunde nur - geschafft hat sie mich dennoch. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Gran Canario (Samstag, 16 Juli 2016 11:05)

    Ein netter Beitrag mit einer angenehmen Leselänge :-) Weiter so, Sir Toby!!