Sir Toby goes Bollywood

Preise und Wettbewerbe gehören zur indischen Kultur wie hinduistische Tempel, Autohupen und Naanbrot. Auf Schulebene sind vor allem Wettstreite "á la mode", bei denen zum Schluss ein strahlender Sieger auf der Bühne steht, einen Pokal in die Höhe halten darf und ABBA singt dazu im Hintergrund "The winner takes it all, the loser's standing small". Zufällig wurde am letzten Freitag in der Nähe der Springdales School ein deutscher Theaterwettbewerb veranstaltet, an welchem die Deutschlehrerin der Springdales School, Punita Kapoor, leidenschaftlich gerne teilnehmen wollte. Die Rahmenbedingungen waren, ein circa fünf- bis sechsminütiges Theaterstück auf der Basis einer Tierfabel zu schreiben, das Schauspiel sollte auf deutsch sein und von zwei Erzählern auf englisch und deutsch gerahmt werden.

Als ich mich daraufhin zum "Branstorming" mit Punita zusammensetzte, fiel uns zunächst jedoch keine passende Geschichte ein. Zwar erinnerten wir uns an die Bremer Stadtmusikanten, doch erschien die Geschichte einfach zu komplex für eine kurze Bühnenfassung auf dem Niveau der Schüler. Zum Glück aber bietet das Deutschzimmer der Schule eine unglaubliche Menge an Materialien, die Punita auf beeindruckende Weise, wie eine Buchhändlerin bei Flourish and Blotts (die Buchhandlung aus Harry Potter), überblickt. Fast wie von Zauberhand fand sie so die Geschichte Eine Höhle für die Elefanten, welche wir augenblicklich zu unserem Favoriten für den Wettbewerb kürten. Begeistert erklärte ich mich bereit, aus der Geschichte eine kleine Bühnenfassung zu schreiben. Die Geschichte des Stückes ist schnell erklärt. Ein Elefant, David, baut zunächst freudig mit seinen Elefantenfreunden kleine Türme aus Holz. Plötzlich wird er bockig und tritt die gebauten Türme kaputt. Daraufhin wird er von seinen Freunden vom Spielen ausgeschlossen. Auf einmal zieht ein Unwetter auf, aus dem David seine Freunde rettet und zu sich in die Höhle, in die er sich verkrochen hat, holt. Hier verspricht er zukünftig artig zu sein, alle umarmen sich und haben sich wieder lieb.

Die darauffolgenden Tage in der Schule waren dem Einstudieren des Schauspiels und der Gestaltung der Kostüme gewidmet. Zwar ging es sehr schnell, bis die Schüler den Text auswendig aufsagen konnten, jedoch haperte es hier und dort noch an der schauspielerischen Umsetzung. Hier engagierte sich Punita außerordentlich und konnte die kleine Rasselbande - bestehend aus  2 Sprechern, 6 Elefanten und 2 Bäumen - mit mir sehr bald bändigen. Innerhalb von 3 Tagen wurde das Stück mit Leben gefüllt, es kamen Soundeffekte hinzu und unserem kleinen Ensemble konnte man langsam aber sicher eine Bühnenreife attestieren. Die alles entscheidende Abrundung gewann das Stück durch die Moral der Geschichte: A friend in need is a friend indeed.

Am vergangenen Freitagmorgen ging es schließlich voller Spannung und Erwartungen mit dem Schulbus (nicht klimatisiert) zum Wettbewerb. Obwohl die Army Public School lediglich einige wenige Kilometer entfernt von meiner Praktikumsschule liegt (circa 14 km), dauerte die Fahrt etwas länger als eine Stunde - dem delhischen Verkehrssystem und dem Wetter nebst Luftqualität (34 Grad, Smog) sei an dieser Stelle ein großer Dank ausgesprochen. Was die Schüler dann allerdings beim Wettbewerb auf der Bühne zeigten, hätte selbst gestandene Bollywoodgrößen zum Staunen, Tanzen und Singen gebracht. Zwar waren die mit uns konkurrierenden Schulen - elf an der Zahl - allesamt gut vorbereitet, doch konnten wir uns letztlich mit unserem Stück durchsetzen. Und da standen sie nun, unsere kleinen großen Schauspieler mit ihrer Punita und ihrem Sir Toby bei der Preisverleihung auf der Bühne und wurden vom Applaus des Publikums in der Schulaula hochleben gelassen. Yes, we can Bollywood. Glückwunsch an alle Beteiligten!

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