Luftverschmutzung - Klassenfahrt nach Agra

Nach Diwali wurde der übliche hohe Smog in New Delhi noch mehr… durch das viele Feuerwerk (wobei weniger als 2015) , als auch die weiterhin vielen offenen Feuerstellen und vor allem am Rand von Delhi als auch auch allgemein auf den Dörfern wird auch immer wieder Müll und Blätter im großen Stil verbrannt und nicht zu Letzt begünstigt der Wetterumschwung (der Winter beginnt: nachts hat es nur noch knappe 20 °C) die hohe Luftverschmutzung….

Die ersten Tage (außer an Diwali selber) ist es mir persönlich nicht so aufgefallen (die Luft ist zu keinem Zeitpunkt wie in Deutschland) und ich glaube auch es wurde erst eine halbe Woche später richtig schlimm – zumindest begann dann das Fernsehen darüber zu berichten… das Wochenende fuhr ich dann mit den Schülern aus Klasse 4 und 5 auf Klassenfahrt nach Agra für 2 Tage und da merkte man wirklich die Verschmutzung und Taj Mahal welches eines der 7 Wunder auf Erden sein soll (und das Wahrzeichen von Indien) hatte nicht mehr ganz so seinen „Wow“-Effekt – trotzdem waren es tolle Tage mit den Schülern und den Lehrern (näheres folgt weiter unten). Als wir von der Schulfahrt zurück kamen begannen die internationalen Medien verstärkt von der Luftverschmutzung zu berichten und auch die Regierung in New Delhi wurde durch Demonstrationen und da der hohe Smog so lange anhielt zum Handeln gezwungen. Daraufhin wurde 3 Tage Schulferien für alle Schulen in Delhi verhängt (das gab es noch nie aufgrund des Smogs), Baustellen vorübergehend geschlossen, Elektrizitätswerke heruntergefahren, die Straßen mit Wasser besprenkelt und die Menschen wurden dazu aufgefordert nicht so viel vor die Tür zu gehen. Diese Maßnahmen sind alle sinnvoll – die Frage ist nur wieso hat man eine Woche für diese Maßnahmen gewartet? Wurde der Druck von der Bevölkerung und international zu hoch? Die gebildete Bevölkerung in Indien fordert schon seit Jahren ein Verbot für Feuerwerke. Allerdings hätte der Staat und die oft korrupte Polizei auch Probleme dies zu kontrollieren. Auch ist ein sehr großes Problem, dass viele Leute in Slums, am Stadtrand und auf den Dörfern Plastik verbrennen – vielleicht sollte man auch dort ansetzen…. Nun eine Woche nach Diwali wo die ganzen Maßnahmen verhängt wurden und das international in den Medien war, wurde ich von allen Seiten darauf hingewiesen das Haus möglichst nicht zu verlassen und das Goethe-Institut (Organisator des SCHULWÄRTS!-Stipendium) legten mir auch nahe zumindest für ein paar Tage die Stadt zu verlassen, um gute und frische Luft zu atmen – ich hoffe dies hilft als Ausgleich zu letzter Woche. Gleichwohl wurde ein Tag nach diesen ganzen Maßnahmen auch die Luft wieder eindeutig besser. Nachdem mir alle Seiten dazu raten fliege ich jetzt ein paar Tage in den Süden von Indien. Anmerken mag ich allerdings, dass ich die ganze Zeit nie so dreckig erlebt habe wie auf den Bildern in den deutschen Medien (z.B. Spiegel online) gezeigt wurden, dass in Agra der Smog schlimmer ist als in New Delhi und ich allgemein normalerweise nie viel Zeit draußen verbringe.

Zurück zu der Klassenfahrt am Wochenende nach Agra. Klassenfahrten laufen hier irgendwie schon ziemlich anders ab. Dies fängt schon bei der Organisation an. Während in Deutschland normalerweise die Lehrkräfte alles selbst managen müssen wurde hier ein Reisedienstleister beauftragt, der alles organisiert und auch mitfährt. Auch fuhren aus Sicherheitsgründen und damit die Betreuung optimal gewährleistet werden kann, mit mir 8 Lehrkräfte und 3 Personen des Reisedienstleister mit (vor Ort auch noch 3 Reiseführer) und das für 72 Schüler (in Deutschland wären das insgesamt höchstens 5 Lehrer). Auch fand die ganze Fahrt komplett am Wochenende statt und es war eine bunt gemixte Gruppe von 4. und 5. Klässlern. Es ging los am Samstag um 5 Uhr in der Früh mit dem Bus (Hinfahrt ca. 4 Stunden) und zurück kam man am Sonntag Abend nach einem ewigen Stau in Delhi (Rückfahrt dauerte ca. 6 Stunden). Es ging zum Taj Mahal – wirklich sehenswert, wenn sicherlich noch viel besser bei weniger Smog. Interessant vielleicht: Seit mehreren Jahren sind Fahrzeuge (außer Elektrofahrzeuge) im Umkreis von 2km des Taj Mahals verboten (und wird auch eingehalten) um die Schönheit dieses Gebäudes zu erhalten. Das Taj Mahal (Mausoleum aus weißem Marmor) ließ Mogul Shah Jahan für seine verstorbene Frau erbauen und ist das Wahrzeichen von Indien. Daneben besuchten wir noch das Agra Fort (Unesco Weltkulturerbe), Fatehpur Sikri (ehemalige Hauptstadt des Mogulreichs – Unesco Weltkulturerbe) und das größte Bären-Rescue-Center. Das Bären-Rescue-Center war für mich persönlich nicht so interessant – war wie ein Zoo im Wald mit lauter Bären in den verschiedenen Gehegen. Anschließend wurde in einem „Haus“, das aus Holzstämmen gebaut wurde ein Film über die „Tanzbären“ und wie diese gerettet werden angeschaut und Mittag gegessen. Dabei kamen immer wieder aus der freien Wildbahn Affen in das „Haus“ durch Löcher in der Wand und die Angestellten hatten viel damit zu tun, diese davonzujagen… dennoch klaute ein Affe zwei Bananen. Die Schüler waren dabei sehr ängstlich und ich muss sagen so ein Affe hüpft schon immer sehr überraschend und mit einem großen Tempo herbei…. Während des ganzen Aufenthalts waren die anderen Lehrer hauptsächlich damit beschäftigt Bilder von den Schülern zu machen und per What's App den Eltern zu schicken (Schüler war es verboten ein Handy mitzunehmen) weil diese alle genau immer aktuell auf dem laufenden gehalten werden wollen. Das fand ich echt krass und die Klassenfahrt dauerte nicht mal 2 Tage. Auch riefen viele Eltern immer wieder an, obwohl es eigentlich abends eine feste Stunde gab, an der sie anrufen sollten… Mir schien es fast so als ob die Eltern den ganzen Tag nichts anderes zu tun hatten als den Ausflug des Kindes zu verfolgen. Vorab wurde auch allen Eltern in einem Brief mitgeteilt, dass sie auf keinem Fall an den Sehenswürdigkeiten auftauchen sollten, da das eine Schulfahrt ist. Ich habe damals nicht verstanden wieso man die Eltern darauf hinweisen muss, aber jetzt im Nachhinein betrachtet war dies wohl sehr sinnvoll und es kam anscheinend wirklich schon öfters vor, dass Eltern an dem Hotel oder an den Sehenswürdigkeiten aufgetaucht sind. Insgesamt war es ein toller Trip und man lernte die Schüler und Lehrer noch einmal viel besser kennen.

Liebste Grüße aus Indien! Hannah 

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