Kerala - Jaipur - regionale (Deutsch)Lehrerkonferenz - Währungszwangsumtausch

Heute schaffe ich es endlich mal wieder einen neuen Blogeintrag zu verfassen. Ich war die letzten Wochen viel außerhalb von New Delhi unterwegs: Kerala, Jaipur, regionale (Deutsch)Lehrerkonferenz für Südasien, Projekte und Workshops an verschiedenen Schulen.... aber nun der Reihe nach...

 

Kerala

Die Tage in Kerala (Südindien) waren sehr schön und nach mehreren Wochen in New Delhi auch auffallend grün, ruhig und relaxed. Die Region um Munnar mit den ganzen Teeplantagen und vielem grün und die Backwaters sind sehr erholsam und schön aber auch ziemlich touristisch - aber auf jedenfall eine Reise wert. In der nächsten Stadt Kochi, wo auch der Flughafen ist gibt es viele Kirchen (aber kein Vergleich zu Europäischen). In dieser Region leben viele Christen (etwa 20 Prozent der Bevölkerung) und ist durch die Kolonialherrschaften sehr proguiesisch, aber auch britisch und holländisch geprägt. Was einem aber sofort auffällt wenn man in Kerala ist (neben dem vielen grün) ist, dass es offensichtlich sicherer ist. Während im Norden von Indien (speziell in Delhi) die meisten Menschen in sogenannten Kolonien (Zusammenschluss einer Strasse oder Wohngebiet mit hohen Zaun, Toren und Security) leben, haben hier auch Villen oft nur eine niedrige Mauer und keine Security.

 

Jaipur

Die Tage dannach war ich dann in Jaipur (Westindien) hier ist es nochmal sehr anders - mehr arabisch angehaucht und ich habe mir jetzt im Nachhinein sagen lassen umso weiter man nach Westen in dem Bundesstaat Rajasthan fährt umso mehr Dünen und arabischer wird es. Das Hawa Mahal (Windpalast) aus dem 18. Jahrhundert hat viele kleine schön verzierte vergitterte Fenster, mit denen man die Luft zirkulieren kann und es somit drinnen immer kühl ist. Sehr intelligente Bauweise! Diese Region ist auch bekannt für ihre ausgefallenen Stoffe und Schmuck. Deswegen ist dies auch ein beliebtes Ziel bei vielen Leuten in New Delhi (Fahrzeit ca. 4 Stunden). Zwar gibt es in Delhi viele Märkt aber für dies Stoffe in Jaipur eine grössere Auswahl und günstigere Preise.

 

regionale Lehrerkonferenz für Südasien

Das Wochenende dannach fand die jährliche regionale (Deutsch)Lehrerkonferenz in Faridabad in der Nähe von New Delhi statt. Wir Schulwärts!-Stipendaten waren auch eingeladen. Dabei kamen ca. 100 Deutschlehrer aus Pakistan, Iran, Sri Lanka, Bangladesch, Afganistan und ganz Indien. Am Sonntag zusätzlich noch ca. 80 weitere aus Nordindien. Das ganze fand in einem 5 Sterne Hotel "Taj" - der Luxushotelkette in Indien. Es war sehr praktisch, dass ich am Freitag schon früh dort war um den Pool, Sauna und Dampfbad zu nutzen, bevor die nächsten Tage mit vollem Programm wenig Zeit dafür blieb. Die Konferenz (organisiert vom Goethe Institut) bestand aus vielen verschiedenen Vorträgen und Workshops zur deutschen Sprache und es gab wie immer in Indien sehr viel zu Essen. Besonders spannend fand ich allerdings mit den einzelnen Lehrern aus den verschiedenen Ländern ins Gespräch zu kommen. Beispielsweise war es für die Pakistaner bis einen Tag vor der Konferenz nicht sicher, ob sie ein Visum bekommen - aufgrund des angespannten Verhältnisses von Indien und Pakistan. Auch mussten sie zu Fuss (mit stundenlangen Warten) die Grenze überqueren, bevor sie dann nach einer halbstündigen Busfahrt in den Flieger nach New Delhi steigen konnten. Es gibt nämlich nur einmal die Woche einen Direktflug von Pakistan nach Indien und dieser wird auch noch sehr oft von der Regierung gestrichen. Auch müssen sich männliche Pakistaner jeden Tag bei der Polizei melden und Angaben über ihren Aufenhaltort machen (umgekehrt auch Inder in Pakistan). Allerdings dauerte dies am Samstag von 11 bis 19 Uhr - die Pakistaner meinten man mag ihnen zeigen, dass sie in diesem Land nicht willkommen sind. (Das erklärt auch wieso man als Europäer bei dem Visumantrag so viele Angaben zu seinen Reisen, Verwandten und Abstammungen in Pakistan machen muss). Auch lebten mehrere dieser Pakistaner auch schon längere Zeit in Deutschland und haben sich dann bewusst oder auch nicht dafür entschieden wieder zurück in ihre Heimat zu gehen. Beispielsweise ein Pakistaner mit deutschem Pass lebte mit seiner pakistanischen Frau mehrere Jahre in Deutschland und hat sich dann entschieden zurück nach Pakistan zu gehen. Er sieht sein Heimatland in vielen Dingen zwar sehr kritsch und ist sehr froh einen deutschen Pass zu besitzen. Seine Vision ist die Schüler(innen) nach europäischen Stil zu unterrichten, zur Offenheit erziehen und somit etwas dazu beitragen, dass Pakistan in Zukunft ein weltoffeneres Land wird. Ein anderer Pakistaner wiederum studierte in Deutschland und als er fast fertig mit dem Studium war, lief sein Visum aus und er sollte für formale Zwecke kurz nach Pakistan zurückfliegen, aber er bekam kein Visum mehr und die Leistungen von der deutschen Universität werden ihm in Pakistan nicht anerkannt. Jetzt ist er ziemlich unzufrieden mit seinem Leben und unterrichtet Deutsch. Seine ganze Verwandtschaft lebt ausserhalb von Pakistan und seine Eltern haben ihm vorgeschlagen seine Cousine in Dubai (mit VAE-Pass) zu heiraten. Eine andere Pakistanerin mit Kopftuch ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und hat mit ca. 20 Jahren in Pakistan geheiratet. Sie sagt sie war "jung und naiv" aber bereut dies nicht. Allerdings schaut sie sehr, dass sie und ihre Kinder den deutschen Pass behalten - aufgrund der Reisefreiheit. Ich habe viele verschiedene weitere Menschen kennengelernt, die alle ihre eigene interessante Lebensgeschichte haben. Beispielsweise sind die meisten Iranerinnen von ihrer Schule verpflichtet gewesen ein Kopftuch zu tragen - deswegen war es auf Fotos auf jedenfall Pflicht. Die iranischen Mitarbeiterinnen vom Goethe Institut trugen dagegen teilweise einen Minirock.

 

Währungszwangsumtausch

Ein weiteres Thema, dass die letzten Wochen in Indien zentral ist, ist der überraschende Währungszwangsumtausch. Als der indische Premierminister Narendra Modi am Dienstagabend den 8. November überraschend verkündet, dass ab Mitternacht alle 500 und 1000 Rupienscheine keine Gültigkeit besitzen und diese nur noch vorübergehend um in begrenzten Umfang getauscht, in Tankstellen oder Regierungseinrichtungen eingetauscht werden können. Somit haben seitdem nur noch der 100 Rupien Schein (ca. 1,30 Euro) und kleinere Scheine ihre Gültigkeit und der neue 2000 Rupien Schein und in kürze!!! der neue 500 Rupien Schein. Allerdings so gut wie alle Bankautomaten sind nicht auf die neuen Scheine ausgelegt, das heißt es gibt nur 100 Rupien Scheine. Grund für diese Vorgehen ist der hohe Anteil von Schwarzgeld und Korruption in Indien. Ich bekam diesen Zwangsumtausch auch gleich zu spüren, als ich um 5 Uhr in der Früh des 9. November zum Flughafen fuhr, um nach Kerala zu fliegen - beim Wasserkauf am Flughafen wollten sie die alten 500 Rupien Scheine nicht mehr nehmen. Auch blieben die Banken erstmal überall im ganzen Land für ein bis zwei Tage ganz geschlossen. Zum Glück nahmen viele Verkäufer in Touristenshops in den ersten Tagen noch die alten Scheine und Taxifahrer und ich hatte auch noch meine Visakarte. Aufgrund der Situation ist es öfters möglich doch mit Karte zu zahlen, wenn das auch heisst, dass mehrere Geschäftsbesitzer sich gegenseitig aushelfen. Jetzt nach über 2 Wochen hat das Chaos vor den Banken und den Automaten zwar ein klein wenig nachgelassen - aber sind immer noch überall lange Schlangen oder kein Bargeld in den Automaten. Auch durfe man die erste Zeit nur 2000 Rupien (ca. 25-30 Euro) und inzwischen 2500 Rupien täglich abgehoben werden. Ich bin sehr froh, dass ich auf dem Rückflug von Kerala im Securitybereich des Flughafens (nur 20 Leute vor mir) am Automaten Geld abgehoben habe, allgemein unter Woche wenig Ausgaben hier habe und immer versuche irgendwie mit Karte zu zahlen. Allerdings muss ich mich dieses Wochenende mal auf die Suche nach einer nicht zu langen Schlange am Geldautomaten machen (neben dem Warten, ist das Bargeld in den Automaten aufgrund dem höchsten Schein Rs. 100 auch schnell leer ) oder eine Möglichkeit finden Euro zu tauschen. Man muss allerdings sagen, dass man alltägliche Dinge sehr günstig kaufen kann. Beispielsweise eine kleine Kekspackung für Rs. 10 (ca. 15 Cent). Ich wurde auch schon öfters gefragt, was man in Deutschland für umgerechnet Rs. 10 bekommt - mir ist nichts eingefallen....

Demnächst berichte ich näheres von den verschiedenen Workshops und Projekten zu Deutschland, die ich an meiner Praktikumsschule und anderen Schulen durchführe.

Vor Kurzem war auch ein kleiner Artikel über meinem Praktikumsaufenthalt in der Hindustan Times, New Delhi.

Bis demnächst! Hannah

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