Namaste - How are you - M'am?

„Namaste!“ oder (zumindest in Pune wesentlich authentischer!) „How are you M’am/ Sir?“ aus Pune! Die ersten beiden Wochen meines SCHULWÄRTS! Praktikums sind vergangen und ich habe es bisher nicht geschafft, auch nur eine Silbe zu Papier zu bringen, denn die vielen neuen Eindrücke, Gerüche, Klänge und Begegnungen haben es mir unmöglich gemacht, mehr Zeit als unbedingt notwendig am Laptop zu verbringen. Da ich meine neugefundene Liebe für dieses Land natürlich mit euch teilen möchte, soll das nun geändert werden J

Mein Einstieg in den Indienaufenthalt wurde mir mehr als leicht gemacht – denn meiner Meinung nach kann man sich in diesem Land mit all seiner Herzlichkeit und seinen vielfältigen Facetten einfach nur wohl fühlen. Wenn man sich erstmal an die Rundumbeschallung gewöhnt hat, die 24/7 von den hupenenden Autos/ Rikschas/ Mofas/ … und lautem Hundebellen ausgelöst wird, das erste ‚Palak Paneer‘ mit Liebe verspeist hat und einen Hauch von dem Optimismus, der Gelassenheit und der überaus großen Gastfreundlichkeit gespürt hat, die wirklich absolut jeder Inder ausstrahlt, muss man Indien einfach nur lieben.

 

So, nun aber genug mit der Schwärmerei – hier erstmal ein paar Bilder!

 

Meine Schule – S.P. College Pune!

Hinter den Wänden dieses wunderschönen, mehr als 100 Jahre alten Gebäudes verbringe ich unter der Woche einen Großteil meiner Zeit. Momentan hospitiere ich noch in dem Deutschunterricht meiner drei Mentorinnen Vaishali, Aboli und Anu am Junior College (11. Und 12. Klasse) und bin jeden Tag aufs Neue mehr und mehr begeistert von deren Sprachkompetenzen und deren Interesse an der deutschen Sprache, welche sogar den gelangweiltesten Schüler in ihren Bann ziehen. In zwei Wochen startet dann auch mein eigenverantwortlicher Unterricht – es bleibt spannend, wie ich den bei Großgruppen von etwa 110 Schülern bewältige (wenn dann mal alle da sind ;-)).

Zusätzlich zu dem Praktikum am S.P. Junior College besuche ich für jeweils einen Tag pro Woche auch noch andere PASCH-Schulen hier in Pune und erforsche durch Interviews und Beobachtungen den Umgang der Lehrpersonen mit Mehrsprachigkeit. Denn ich kam – im Gegensatz zu den meisten Anderen – nach Indien, um hier als SCHULWÄRTS!-Stipendiaten ein Forschungssemester für meine Masterarbeit zu machen (Ja! Auch das ist möglich!!). Da Mehrsprachigkeit in Indien natürlich DAS Thema ist (die meisten Personen sprechen mindestens 3 Sprachen!), stoße ich hier auf ein wahnsinniges Interesse und die Lehrerinnen sind selbst total begeistert, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und mir von ihren Erfahrungen zu berichten. Mehr als spannend!

 

PASCH-Lehrerkonferenz in Faridabad

 

Doch nicht nur die vielen Facetten Indiens, sondern ebenfalls verschiedene Konferenzen in Pune und Neu Delhi haben mich in den letzten Tagen vom Schreiben abgehalten und dafür gesorgt, dass wirklich jeden Tag etwas Neues anstand. Am 19./20. November fand in Faridabad (Nähe Neu Delhi) eine regionale Lehrerkonferenz statt, zu der nicht nur ca. 100 PASCH-Lehrer aus Indien, Nepal, Afghanistan, Sri Lanka, Bangladesch, Pakistan und dem Iran, Lehrkräfte aus Nordindien, sondern ebenfalls wir vier glücklichen SCHULWÄRTS!-Stipendiatinnen (Hannah, Eva, Ann-Kathrin und ich) eingeladen wurden. Nachdem ich freitags mit der ganzen Pune-Truppe (insgesamt 17 Lehrerinnen) den Flug angetreten und die 2-stündige Busfahrt bis zu dem Hotel in Faridabad hinter mich gebracht hatte, waren wir erstmal völlig überwältigt von unserer Unterkunft für das Wochenende: das Vivanta by Taj in Faridabad! Spätestens nach der Erkundungstour durch das Hotel samt Pool- und SPA-Bereichs-Besichtigung stand fest, dass  wir absolute Glückspilze waren! Insgesamt war das Wochenende voll gepackt mit vielen interessanten Vorträgen und Workshops, unzähligen Begegnungen und Gesprächen mit Lehrern aus anderen Ländern und natürlich dem absoluten Highlight: Tanz- und musikalischen Einlagen bei dem PASCH-sucht-den-Superstar Abend. Für mich war es total interessant, die verschiedenen Musikrichtungen, Gesänge und Tänze aus den verschiedenen Ländern zu sehen. Rundum war das gesamte Wochenende ein unvergessliches Erlebnis mit vielen neuen Eindrücken.

Erste Eindrücke von Pune + Surroundings!

Ich selbst wohne während meiner Praktikumszeit in Koregaon Park – ein sehr moderner Stadtteil, in dem viele Cafés, Restaurants, Parks und natürlich der international bekannte Osho Ashram zu finden sind. Das Leben hier ist etwas ruhiger und westlicher als in der Altstadt Punes und man hat hier die Möglichkeit, auch mal einen guten italienischen Cappucchino zu schlürfen wenn einem danach ist, in eine Shisha-Bar zu gehen oder jeden Sonntag die Live-Musik im angesagte „High Spirits“ zu genießen. Zur Schule, die im Altstadtherzen Punes liegt brauche ich je nach Verkehr zwischen 25-40 Minuten – eine tägliche Reise, die mit der Rikscha manchmal ganz schön nervenaufreibend sein kann.

 

Einen wunderbaren Überblick über die 5-Millionen Stadt kann man sich von ‚Parvati Hill‘ verschaffen. Wenn man erstmal die knapp über 100 Stufen bestiegen hat, kann man nicht nur den Parvati Temple besichtigen, sondern ebenfalls eine wunderbare Aussicht über die gesamte Stadt genießen. 

Sehenswert ist außerdem Saras Baug: eine Parkanlage, in der zu jeder Tageszeit viele indische Familien und Pärchen zusammensitzen und mitgebrachte indische Speisen schlemmen, Federball spielen oder den Ganesh Tempel besichtigen, der inmitten des Parks steht. Wer nach Pune kommt, sollte das nicht verpassen! 

Wer Lust auf hektische Märkte und Altstadttrubel hat, sollte auf jeden Fall in die Nähe der Laxmi Road gehen und sich von den Massen treiben lassen. Mir wird es meist schon nach einer Stunde zu viel und ich fühle mich leicht überfordert mit all den Menschen, Ständen, Farben, Gerüchen und lautem Stimmengewirr. Um das Gefühl zu beschreiben, von welchem man dort befallen wird, wurde wahrscheinlich das Wort „Reizüberflutung“ eingeführt. Ein Besuch dort ist natürlich trotzdem ein tolles Erlebnis und auch der nahe gelegene Vegetable-Markt ist sehenswert und man kann sich mit allen möglichen frischen Leckereien eindecken (aber: peel it, cook it or leave it ;-)).

Wenn man sich danach nach etwas Ruhe sehnt, sollte man die 200 Rupien Eintritt investieren und der historischen Festung ‚Shaniwarwada‘ einen Besuch abstatten. Ein kleines Päuschen in den schönen Gartenanlagen der Touristenattraktion ist immer eine gute Idee J

Doch nicht nur in Pune selbst, sondern auch in der Umgebung der Stadt gibt es viel zu sehen und die Wochenenden vergehen wie im Flug. Nachdem mir letzte Woche die teilweise doch recht smoggige Stadtluft ein wenig zum Hals raushing, entschied ich mich für einen Tagesausflug nach Mahabaleshwar – eine Hill Station ca. 120 km entfernt von Pune, von wo aus man grandiose Ausblicke auf Berggipfel und bewaldete Ebenen erhaschen kann. Mahabaleshwar an sich ist wohl recht unbekannt (wenn man ganz Indien oder auch nur Südindien betrachtet) und ich war völlig überrascht von der absoluten Schönheit dieses Gebiets. 

Wenn man noch etwas weiter raus fährt, erreicht man nach ca. 240km Aurangabad, eine Stadt mit ca. 1 Mio. Einwohnern, die selbst viele kleinere Sehenswürdigkeiten bietet und als Zwischenstopp dient, um in die berühmten Höhlen von Ellora und Ajanta weiter zu fahren. Da ich in der Woche vor meinem Trip nach Aurangadbad sehr krank war (Blutabnahmen in indischen Krankenhäusern zum Test auf Dengue-Fieber und Malaria lassen den Puls ganz schön schnell schlagen!), zum Glück aber mit einer ‚normalen‘ Grippe davon kam, war ich noch immer nicht richtig fit und entschied mich dazu, nach einer ausgiebigen Besichtigung von Aurangabad lediglich weiter nach Ellora zu fahren.

 

In Aurangabad selbst kann man buddhistische Felshöhlen besichtigen, die jedoch nicht ganz so spektakulär wie die Höhlen Elloras sind. Um mich noch etwas auszukurieren, fuhr ich daher zunächst zum ‚Bibi-ka-Maqbara‘ – eine Nachahmung des ‚Taj Mahal‘ an, die 1678 erbaut wurde und in den herrlichen Gartenanlagen zur Entspannung einlädt und erkundete danach noch Gassen und Restaurants Aurangabads. 

Am nächsten Tag ging es dann weiter in Richtung Ellora, wo ich die buddhistischen, hinduistischen und Jain-Höhlen besichtigte. Spätestens vor Ort wurde mir klar, warum das die meistbesuchteste Sehenswürdigkeit Maharashtras ist, denn die Höhlen sind wirklich unglaublich beeindruckend und meist erstaunlich gut erhalten. 

Leider kam dann in Aurangabad noch ein weiteres Problem hinzu, dass mich zu einer früheren Abreise zurück nach Pune zwang: die Währungsreform, die es leider beinahe unmöglich machte, an Bargeld zu kommen. Wie mittlerweile ja auch in deutschen Medien berichtet wurde, verkündete der indische Premierminister Modi am 8. November überraschend, dass ab dem Folgetag alle 500 und 2000 Rupien-Scheine keine Gültigkeit mehr besitzen würden. Bezahlt werden konnte dann nur noch mit maximal 100 Rupien Scheinen (ca. 1,30 €) – alle größeren Scheine konnten bei Banken gegen Vorlage einer Passkopie umgetauscht werden (jedoch nur bis zu einem Maximalbetrag von 4000 Rupien pro Person). Da die Bankautomaten erst auf die Auszahlung von 100 Rupien-Scheinen umgestellt werden mussten, war es jedoch erstmal nicht möglich, neues Bargeld abzuheben und auch bis heute ist das nur zeitweise möglich und mit langen Wartezeiten in noch viel längeren Schlangen verbunden. Da ich in Aurangabad weder Euros, noch wertlose Rupien-Scheine bei mir hatte, die ich hätte tauschen können, stand ich somit vor einem großen Problem, das nur mit der Heimreise nach Pune gelöst werden konnte.

Während eine solche Maßnahme in Deutschland mit einem unvorstellbaren Chaos verbunden wäre und sofort größte Empörung auslösen würde, bleiben die Inder jedoch meist völlig gelassen, vertreiben sich die Zeit in den Warteschlangen mit Plaudereien und finden die Maßnahme generell gut, da so der hohe Anteil an Schwarzgeld und die Korruption gesenkt werden soll. Mittlerweile gibt es mehr und mehr ATMs, die geöffnet haben und die Schlangen werden zunehmend kürzer, sodass das Abheben des Maximalbetrags von 2000 Rupien (gerade mal rund 28 Euro) langsam mit erheblich weniger Zeitaufwand verbunden ist. Außerdem kann mittlerweile in vielen Geschäften mit Karte bezahlt werden, sodass man auch etwas größere Einkäufe tätigen kann. Insgesamt ein sehr krasses Erlebnis, das teilweise wirklich sehr einschränkend ist/war und Sorgen bereitet (hat), die man zuvor überhaupt nicht kannte, wie z.B. wie zahle ich heute mein Essen, wenn ich nicht an Geld kommen kann? Eine sehr prägende Erfahrung!

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