Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen

Es sind -10 Grad. Ich stampfe nach der Schule vollbepackt mit Laptop, IPad, Büchern und sonstigen Materialien, durch den Schnee. Mir ist ein bisschen kalt, aber nicht mehr so sehr wie in den ersten Wochen, in denen ich naiver Weise annahm, mein Wintermantel vom großen schwedischen Modekonzern, würde genügen um den Winter in der Ostukraine zu überstehen. Meine Kapuze, die ich – wie von Tatiana Chepurna beauftragt - über meine Mütze ziehe, wärmt mich zwar, hat aber eine eingeschränkte Sichtweite zur Folge. Hier in Charkiw gibt es einen Winter, wie er im Buche steht. Man sieht Schlitten, Schneeballschlachten und Menschen, die laufen wie Pinguine, aus Angst, bei der Glätte doch einmal mehr auf dem Hosenboden zu landen. Und auch ich muss nicht nur darauf achten, dass ich nicht hinfalle, sondern gleichzeitig darauf, dass der Schnee nicht allzu stark in meine Tasche rieselt. Ich gehe ganz zielstrebig auf ein kleines gelbes Schild mit zwei Pfefferkuchenmännern (die Schüler freuten sich sehr über ein neues ‚kurzes‘ deutsches Wort) zu, das mittig der Sumska auf eines meiner Lieblingscafés aufmerksam macht. Auf der Treppe vor dem Café schüttele ich den Schnee so gut es geht von meinen Schuhen und betrete das Gingerbread. Es riecht nach Kakao, Lebkuchen, Café und Tee. Wäre Gemütlichkeit ein Geruch, dann wäre es dieser. In der 3.Klasse sollte ich einmal aufschreiben, was ich am Winter am meisten mag, und schon damals hatte es mir dieses Gefühl von Gemütlichkeit, was man meiner Meinung so nur im Winter hat, angetan. Und zum gemütlichen Verweilen bietet Charkiw mehr als nur eine Möglichkeit. Neben dem Gingerbread, indem es - wenn man mich fragt - nicht nur den besten Kuchen sondern auch den besten Raff der Stadt gibt, wartet beispielsweise das Restaurant Paris mit seinen verschieden dekorierten Speisesälen und einer Vielfalt an prima Essen, auf einen. Zudem gibt es ausgezeichnetes Sushi sowie spitzen Pizza und Pasta. In der großen Markthalle hat man eine riesige Auswahl an georgischen Spezialitäten, französischen Macarons, türkischen Baklava und Co. Es wäre jedoch falsch anzunehmen, dass die Ukraine nicht auch genügend andere, landestypische Spezialitäten zu bieten hätte. Wareniki, Kiewer Kotelett, Olivier oder das einfache Butterbroad; es schmeckt ganz einfach vorzüglich. Besonders schwärme ich für Wareniki in allen möglichen Variationen. Ob mit Käse, Fleisch, Kohl oder als Dessert mit Kirschen. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an Anja und Dasha, die mir akribisch dabei halfen, auch das letzte Gericht auf meiner von den Schülern erstellten Liste, streichen zu können. In diesem Sinne: Priyatnogo Appetita.

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