Die Zhuzhou Shifeng Fremdsprachenschule und was genau ich eigentlich hier mache

Ein gewöhnlicher Schultag für die 7. Klassenstufe:

 

06.50: Sport

07.10: Frühstück

Bis 07.55: Morgenlesen (Schüler lesen chinesische und englische Texte, um sie auswendig zu lernen  

                   und die Aussprache zu verbessern)

Ab 08.00: Unterricht (eine Unterrichtsstunde dauert 40 Minuten)

Nach der zweiten Stunde gibt es noch einmal 30 Minuten Sport, Zwischendrin außerdem kleine Pausen sowie eine Einheit für Augengymnastik.

Ab 11.30: Mittagessen und Mittagspause

Ab 14.25 bis 17.40: Unterricht und AG’s, noch einmal Augengymnastik

Bis 19.00: Pause

19.00 bis 21.00: Hausaufgabenbetreuung

Sonntagnachmittag: Verpflichtende Nachhilfe  

 

Reportagen über die „strengsten Schulen der Welt“ in China kennt man ja. Meine Erwartungen sahen also so aus: Die Schüler sitzen still und aufrecht in ihren Bänken, konzentriert bis furchtsam, führen jeden Arbeitsauftrag gründlich und ohne zu Fragen aus und begegnen den Lehrern mit an Angst grenzendem Respekt.

 

Die Realität ist aber eine andere! Lärmend schäkern die Schüler miteinander und gerne auch mal mit den Lehrern, zu keiner Sekunde ist es im Klassenzimmer vollkommen still. Und ich muss sagen: Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal so über chaotische Schulklassen freuen würde! Denn trotz des anstrengenden Alltags, der knappen Freizeit und der Prüfungen, die über die akademische und berufliche Zukunft der 14-jährigen entscheiden werden, schaffen es diese Schüler irgendwie, sich ihren Spieltrieb zu bewahren und einfach die Quatschnasen zu sein, die Kinder und Teenager eben sind.

 

Gemeinsam mit Hui, der Deutschlehrerin, unterrichte ich Deutsch in der siebten Klassenstufe. Zusätzlich habe ich vorübergehend auch die dritte Klassenstufe in Englisch übernommen. Die Klassen sind mit 50 bis 60 Schülern zunächst einmal viel größer als in Deutschland, aber auch sonst verläuft der Unterricht ganz anders: Meistens spricht der Lehrer, und die Schüler wiederholen gemeinsam oder antworten im Kollektiv. Satzbrocken und Vokabeln werden also auswendig gelernt, aber fast nie in neuem Kontext frei angewendet. Aufzeigen oder Fragen stellen ist eher die Ausnahme. Wenn doch mal ein einzelner Schüler redet, wendet er sich ausschließlich an den Lehrer, nicht aber an die Mitschüler, die dies auch nicht zu erwarten scheinen. Wie sieht es also aus mit interessanten und tiefergehenden Erkenntnissen, die aus dem Unterricht gewonnen werden? Um das beurteilen zu können, werde ich noch eine ganze Weile länger bleiben und beobachten müssen.

 

Eine große Freude war, dass eine Gruppenarbeit, die ich ausprobieren wollte, tatsächlich funktioniert hat. Die Schüler haben also schon Lust auf unterschiedliche Unterrichtsmethoden, nur nicht so oft Gelegenheit dazu, und ich hoffe, dass während meiner zwei Monate hier ein kleines bisschen zu ändern!

 

Soweit meine Eindrücke der ersten Woche. Wer weiß, vielleicht mache ich ja noch ganz andere Erfahrungen?

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    U.Luis (Freitag, 17 März 2017 16:57)

    So ein langer Schul-und Arbeitstag!!
    Das kann man sich gar nicht vorstellen, dass da nicht nur angespannte Stimmung herrscht.
    Um so erfreulicher, dass es nicht so ist. Vielleicht dank der Augengymnastik?
    Tolles Schulgelände!