Mein Alltag in einer norwegischen „Großstadt“: Über Bücher und Bier

Nach sechs Wochen stellt sich auch im aufregenden Auslandspraktikum langsam der Alltag ein. Doch auch den kann ich in der norwegischen „Großstadt“ sehr genießen. Meine neue Heimat, die Stadt Bodø, gilt mit ihren 50.000 Einwohnern für norwegische Verhältnisse schon als sehr große Stadt. Tatsächlich erinnert in Bodø aber vieles an eine dörfliche Idylle. So finden sich statt Hochhäuser kleine und bunte Holzhäuser, viele mit Blick auf das Meer und die umliegenden Berge. Der Ozean spielt hier eine wichtige Rolle, liegt die Stadt doch auf einer Halbinsel, eingeschlossen vom Saltfjord und Sørfjord. Spaziert man durch die Stadt, ist der Geruch nach Fisch oft allgegenwärtig. Und der Hafen ist mit seiner Mole ein wichtiger sonntäglicher Treffpunkt für Jung und Alt.

Schnee über Schnee

Der Winter hat die Stadt noch immer fest im Griff, es schneit fast jeden Morgen. Dann werden die (meisten) Straßen zwar geräumt, aber nicht gestreut, was oft zu einer lustigen Rutschpartie führt. Auf den Gehwegen ist man mit besonderen Herausforderungen konfrontiert: Sie werden oft nicht geräumt und die sich abwechselnden Schichten aus Schnee und Eis bilden eine ganz besonders glatte Buckelpiste. Den Norwegern scheint dies keine Probleme zu bereiten, ich hingegen muss mich stets ums Gleichgewicht bemühen. Da kommt es mir gerade recht, dass in Norwegen der Fußgänger im Straßenverkehr gegenüber den Autos immer Vorfahrt hat.

 

Der größte Vorteil des dauernden Schneefalls ist das Skifahren: Fast jedes Wochenende gehe ich zum Langlaufen auf eine der unzähligen Loipen, die oft unmittelbar am „Stadtrand“ beginnen. So auch dieses Wochenende, an dem ich gemeinsam mit zwei Freundinnen eine lange Route in Angriff nahm. Um uns vor dem letzten Stück nochmals zu stärken, beschlossen wir einen Abstecher in die Skihütte zu machen und uns ein „øl“ (= Bier) zu gönnen. Drinnen angekommen merkten wir, dass man hier zwar Kaffee, die für Norwegen typischen, kalten (!) Waffeln und komischerweise auch Rosinen kaufen konnte, allerdings kein Bier. Da war die Enttäuschung bei uns bayerischen Studentinnen natürlich groß, sind wir doch an Bier in jeder Ski- oder Wanderhütte gewohnt. So musste also der grandiose Ausblick als Entschädigung herhalten.

 

Die vielleicht schönste Bibliothek der Welt...

Hab’ ich genug vom winterlichen Abenteuer auf den Straßen Bodøs oder der Loipe, so flüchte ich zum Beispiel in die moderne Stadtbibliothek Stormen, die mit ihrem grandiosen Blick auf den Hafen zu den Top Ten der schönsten Bibliotheken weltweit zählt! Spätestens hier merkt man, dass in Norwegen die Uhren anders ticken als daheim: Hier hat man die Möglichkeit, völlig kostenlos Bücher und Filme auszuleihen, wobei für mich natürlich die große Auswahl an deutschen Büchern besonders interessant ist. Dieser kostenlose Service relativiert sich jedoch, sobald man beschließt, anschließend ein Bier in einem der zahlreichen Pubs oder Cafés zu trinken: Ein Bier kostet gerne mal 100 Kronen, also umgerechnet ca. 11 Euro! Die Norweger messen dem Zugang zu Büchern bzw. Bier scheinbar ein anderes Gewicht bei als wir Deutsche...

Mittlerweile zählt auch ein besonderes Naturphänomen zu meinem Alltag: Die Nordlichter, die man hier bei gutem Wetter noch bis ca. Mitte April bewundern kann. Stellen sie für mich immer noch ein Highlight dar, so sind sie für die meisten Norweger so alltäglich wie das tägliche Hupen der Hurtigruten-Schiffe, die den Hafen anlaufen, sprich: sehr uninteressant! Für uns Mitteleuropäer aber ein paar Impressionen zum Bestaunen:

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Kommentare: 2
  • #1

    Sarah (Samstag, 30 Dezember 2017 16:13)

    Hallo Theresa,
    Danke für deine ausführlichen und spannenden Berichte! Da ich auch Interesse hätte an einem Praktikum an deiner Schule in Bodo, würde ich mich freuen, wenn wir uns mal unterhalten könnten . Liebe Grüße aus dem Süden Deutschlands

  • #2

    Tobias (Admin) (Dienstag, 09 Januar 2018 09:18)

    Liebe Sarah,
    vielen Dank für deinen Kommentar. Ich würde dir sehr gerne die Kontaktdaten von Theresa weiterleiten. Allerdings finde ich keinerlei E-Mail Adresse, an die ich die Daten senden könnte. Bitte schreibe mir eine E-Mail an tobias.trutz[at]goethe.de

    Viele Grüße aus München!