Hristos a înviat!

Was für eine wechselhafte Woche: Ein paar Tage den Sound der Millionenstadt Bukarest genossen, dann über die Ostertage die gemütliche Stille der großen Kleinstadt Craiova. Am Montag Sommer gehabt, heute Winter. Wenn ich jetzt die Tür zum Balkon öffne, werde ich nass.

Dabei liegt doch Bukarest auf der Höhe von Bologna und Bordeaux – spricht das nicht für ewigwährenden Sommer? Hab ich mich wohl verhört. Hier jedenfalls liegt Craiova, im Herzen der Region Oltenia, der sprichwörtlichen (kleinen) Walachei.

Hier in Craiova habe ich orthodox Ostern gefeiert. Das begann schon beim Frühstück. Hristos a înviat, sagt eine Person. Die andere bestätigt: Adevarat ca a înviat! Also: Christus ist auferstanden – und: Ja, ist er tatsächlich!

Dann stoßen beide mit ihrem Ei an und schauen, welches zerbricht. Wie beim normalen Anstoßen, stößt man mit jeder Person am Tisch an und so habe ich dann zur frequentierte Stoßzeiten schon mal vier, fünf Eier verzehrt. Immerhin: Gut fürs Bizepswachstum!

Neben einer Eierkur wurde ich von meinen Gastgeber*innen mit Lamm, Huhn, Schafskäse, Hack in Kohl, selbstgebranntem Brandy und köstlichem Wein verwöhnt. Bis zum Platzen.

Zurück in Bukarest, traue ich mich erst seit Kurzem wieder in den Fahrstuhl zu meiner Wohnung. In der Nähe von Craiova ist: nicht viel los – aus touristischer Sicht. Aber der bedeutendste rumänische Wirtschaftszweig, die Landwirtschaft, ist hier sehr stark vertreten. Es gibt Weinberge, ganz viele Tiere und ein Feld neben dem nächsten.

Sehen in Rumänien richtig toll aus: Parks. Hier in Kombi mit dem Blick über einen Teil von Craiova. Das gelbe Gebäude hinter dem Kirchturm ist Schule und Oper zugleich. Wie ihr seht, war hier das Wetter nach Ostern grässlich wie bei euch in Deutschland.
Sehen in Rumänien richtig toll aus: Parks. Hier in Kombi mit dem Blick über einen Teil von Craiova. Das gelbe Gebäude hinter dem Kirchturm ist Schule und Oper zugleich. Wie ihr seht, war hier das Wetter nach Ostern grässlich wie bei euch in Deutschland.

Von der Landwirtschaft ist in Bukarest, außer vielleicht nebenan auf dem Markt in Obor, nicht viel zu spüren. Meine Kartoffelchips wachsen in der Tüte und, das ist kein Scherz, sie wachsen nach. Jeder Chipstüte liegt ein Gutschein für eine weitere Tüte bei – ich weiß ja nicht, was diese Aktion bewirken soll. Schließlich habe ich jetzt schon locker 10 Tüten Chips zum Preis von einer verzehrt. Und die Aktion geht noch bis Ende April.

Dabei ist diese Chips-Firma nicht die einzige, die hier für meine Verpflegung sorgt. Neulich haben zwei Vertreter*innen einer Cola-Firma bei mir geklingelt und mir ne 2-l-Cola-Flasche in die Hand gedrückt. Ein anderes Mal dasselbe Vorgehen mit Orangensaft. Vielleicht sollte ich hier als Dankeschön mal einen Werbebanner einbetten?

Ich verstehe jetzt immer mehr Rumänisch. Mein Vokabular geht längst über Porumbel und noapte bună hinaus! Ein paar Freund*innen hier machen sich schon Sorgen, dass ich jetzt immer mitkriege, was sie so erzählen. Und einen Moment lang hatte ich letztens das Gefühl, schon ein echter kleiner Rumäne zu sein: Beim Shaorma-Bestellen habe ich mir extra die Worte so zurechtgelegt, dass eigentlich kein Zweifel mehr darin bestehen konnte, dass ich ein native speaker bin. Ich wurde sogar auf Rumänisch gefragt, ob ich ne Tüte haben will. Die Ernüchterung kam erst ganz zum Schluss. Wisst ihr, womit ich verabschiedet wurde? Mit thank you… naja, der Weg ist lang und steinig.

Nächste Woche bereiten wir – auch, wenn noch Osterferien sind – die Schüler*innen auf ihre anstehenden Deutschprüfungen vor. Hauptsächlich werden wir sprechen, sprechen und sprechen. Aber auch die Reihenfolge der Wörter in den Sätzen müssen thematisiert werden. Was ich bisher über die Prüfungen gehört hab, ist, dass sie ganz schön streng ablaufen werden.

Ich bin gespannt, was ihr so zu erzählen habt über Ostern und die letzten Tage! Wechselhafte Grüße nach Deutschland und in die weite Welt!

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