Namaskaram Kerala!

Als im am 12. August in Berlin in den Flieger stieg, hatte sich dort der Sommer erstmal verabschiedet. Nur gut, dass ich vorhatte, Richtung Sommer zu starten. Nach den Zwischenstopps Abu Dhabi und Colombo kam ich dann morgens gegen 9.30 Uhr in Trivandrum an und wurde direkt vom Flughafen abgeholt. Angekommen in der Priest Residence, meinem Zuhause für die nächsten 16 Wochen, wurde ich ganz herzlich von den Fathers begrüßt und direkt zu einem leichten Frühstück eingeladen. Kuchen und gekochte Bananen, was will man mehr? Später gab es Mittagessen, natürlich Reis und Curry mit Gemüse, "spicy but good".

Von meinem Zimmer war ich super positiv überrascht, ein eigenes Bad und eine Klimaanlage. Die braucht man hier allerdings auch, sonst hält man es wirklich nicht aus. Bei einem abendlichen Spaziergang erhielt ich direkt eine persönliche Tanz-Darbietung. Da durfte natürlich ein kleines Gruppenfoto nicht fehlen. Beim Abendessen lernte ich dann noch die anderen Fathers und die Jungs, die in der Priest Residence arbeiten, kennen. Außerdem leben in der Gemeinschaft noch zwei Senior Fathers, 86 und 96 Jahre alt. Die beiden werden liebevoll umsorgt.

Für den nächsten Morgen war ich um 8.00 Uhr mit Lisia, meiner Deutschlehrerin, verabredet, allerdings kam sie erst gegen 9.00Uhr - ich glaube da sind die Inder etwas entspannter. Zwei meiner Klassen durfte ich schon kennenlernen. Mit der 7. wiederholten wir das Thema Monate und spontan lehrte ich den Kindern Rolf Zukowskis "Jahresuhr". Lisia wünscht sich von mir auch ein Deutschland-Projekt - ich denke das wird etwas Musikalisches. Father Bino, der Schulleiter, hatte an diesem Tag Geburtstag und zu seinen Ehren gab es ein buntes Programm. Am Ende sollte ich auf die Bühne und wurde direkt allen Lehrern und Schülern (ich hoffe es ist okay,  wenn ich hier nicht gendere) vorgestellt.

Parade vor der Christ Nagar Higher Secondary School, Trivandrum
Parade vor der Christ Nagar Higher Secondary School, Trivandrum

Am 15. August feiert ganz Indien den Independence-Day. So hatte ich direkt einen Vorwand, mir einen Saree zu gönnen. Begleitet auf meiner kleinen Tour wurde ich von Djino und einer Lehrerin zur Beratung. Das Bekleidungsgeschäft war eine absolute Reizüberflutung, wahnsinnig viele Farben und viel zu viel Glitzer. Aber ich finde den Kleidungstil der indischen Frauen einfach unglaublich schön. Ich muss wirklich aufpassen, dass ich nicht zu viele Klamotten kaufe. So einen Saree anzuziehen, ist furchtbar kompliziert. Nachdem ich auch mit einem YouTube Tutorial gescheitert bin, bat ich am Morgen des Independence Days eine Dame, die ihre Tochter zur Schule gebracht hatte, um Hilfe. Saree zu tragen ist schick, aber super unpraktisch, deswegen tun es die meisten Frauen im Alltag eher selten. Später durfte ich dann im Tanzunterricht zuschauen und mir wurden ein paar Schritte gezeigt. Am Mittwoch lernte ich Raji, die zweite Deutschlehrerin kennen. Außerdem wurde ich der gesamten Lehrerschaft vorgestellt. Father Kurian war sehr überrascht, dass ich schon 23 bin. Später lernte ich im Goethe-Zentrum einige Mitarbeiter kennen oder besser einige Kollegen, denn das Goethe-Zentrum wird mein Arbeitsplatz für die nächsten zwei Wochen, da an den Schulen kein Unterricht ist.
Trotzdem werde ich zwischendurch an den Vorbereitungen für das Onan-Festival teilnehmen. Dem fiebern hier alle schon total entgegen. Angemessene Kleidung für die Schule habe ich dank Lisia jetzt auch. Eigentlich müssen die Lehrerinnen alle Saree tragen, zum Glück gilt das aber nicht für mich, denn wer könnte mir dann jeden Morgen beim Anziehen helfen? Am Abend feierten wir dann nachträglich Father Binos Geburtstag.
Donnerstag habe ich Raji in die International School begleitet. In dieser Schule wird besonders viel Wert auf Fremdsprachen gelegt und die meisten Kinder kommen aus besonders wohlhabenden Familien. Selbst die kleinen sprechen schon nahezu perfekt Englisch. Raji hatte mich schon vorgewarnt, dass die meisten Kinder ziemlich frech sind, was ich mir zunächst aber nicht vorstellen konnte. Allerdings wurde ich eines Besseren belehrt. Dass ich hier in Indien die strenge Frau Weißenborn spielen muss, hätte ich eigentlich nicht gedacht, aber letztendlich habe ich die Kinder aber bekommen. Nach zwei Stunden Englisch und drei Stunden Deutsch als Zweitbesetzung, wurde ich gebeten in einer dritten Klasse zu vertreten. Auch diese Klasse ähnelte einem Sack Flöhe. Ganz frei nach meinem Motto "Ich mache die Kinder fertig, bevor sie mich fertig machen" (bitte nicht wörtlich nehmen), gab es eine bewegte Musikstunde. Allerdings muss ich mich wirklich erst einmal an die nicht vorhandene Disziplin gewöhnen. Da muss ich mir wohl einiges von den indischen Lehrern abschauen, die wirklich viel entspannter sind. Das Schulsystem ist natürlich ganz anders als in Deutschland. Am besten finde das Unterrichtsfach Yoga.
Unterrichtsvertretung gibt es hier eher selten, daher habe ich mich angeboten, Klassen zu beaufsichtigen, wenn Lehrer fehlen. Aber wie vertritt man Englischunterricht in einer 11. Klasse, wenn das eigene Englisch nicht gerade perfekt ist? Das letzte Thema war ein britisches Gedicht, das mich mit Schrecken an eine Literaturvorlesung in meinem ersten Semester erinnerte. Nur gut, dass die Kinder genug Fragen hatten, sodass wir die Stunde einfach verquatschen konnten. Allerdings fehlen auch in den oberen Klassen für meinen Geschmack Disziplin und Respekt gegenüber der Lehrperson. But Caroline-M'am is strict ;). Der Deutschunterricht läuft aber wirklich gut, auch wenn ich noch zu wenig über den Leistungsstand der Kinder weiß. Lisia war von meiner Idee, ein Vokabelheft einzuführen, begeistert.

Mein Luxushotel in Kovalam Beach
Mein Luxushotel in Kovalam Beach

 

Schon Donnerstagabend entschied ich das Wochenende in Kovalam Beach zu verbringen. Ich berichtete Father Kurian von meinem Vorhaben, mir für das Wochenende ein Hotel zu buchen. Allerdings bestand er darauf, alles für mich zu organisieren. Jedenfalls hat er mich Freitagnachmittag im Manaltheeram Ayurvedic Spa & Resort abgesetzt. Ich soll mir um den Preis keine Sorgen machen, da das Hotel Eltern eines Schülers gehört. Ich wurde direkt mit einer Trink-Kokosnuss und einem Blumenkranz begrüßt. Natürlich hat das Hotel auch einen Privatstrand, nur ein paar Meter davon entfernt bin ich erstmals heiligen indischen Kühen begegnet. Das Wochenende habe ich dann zwischen reichen, europäischen Touristen verbracht. Schon komisch, aber ich will mich natürlich nicht beklagen. Auf jeden Fall bin ich super entspannt und motiviert für die nächste Woche. In diesem Sinne: Namaskaram!

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0