Von Grenzerfahrungen und grenzenloser Freundlichkeit – meine ersten zwei Wochen in Jordanien

Während ich diese Zeilen tippe, sitze ich auf der Rückbank eines Mietwagens und fahre nach Petra. Petra, die historische Felsenstadt, Weltkulturerbe. Gerade sind wir eine Gebirgsstraße entlanggefahren, die an einem ausgetrockneten Flussbett – dem Wadi Mujib – liegt. Es ist ein unglaublicher und nahezu unbeschreiblicher Anblick.
Obwohl ich erst eine sehr kurze Zeit hier in Jordanien bin, kann ich die bisherigen Erlebnisse in einer ganz kurzen Aussage zusammenfassen: Es ist einfach unglaublich! Jordanien ist sowohl kulturell als auch historisch ein unglaublich spannendes Land. Ich kann gar nicht alle Eindrücke und Erfahrungen dessen was ich bereits erlebt habe in Worte fassen, versuche aber dennoch euch meine Erfahrungen so eindrücklich wie möglich zu vermitteln.
Die ersten zwei Wochen meiner dreimonatigen Zeit in Jordanien sind bereits rum. Eine Zeit voller neuer Eindrücke, großartigem Essen, politischen Gegensätzen, Chaos und endlos viel Wüste liegt bereits hinter mir. Doch das Beste bei all diesen Erlebnissen sind die unglaublich offenen und freundlichen Menschen. Selten bin ich so vielen besonderen Leuten in so kurzer Zeit begegnet. Ich bin Benjamin Günther und einer der diesjährigen SCHULWÄRTS!-Stipendiaten in Amman, Jordanien. In den kommenden drei Monaten werde ich einen Blog über meine Erfahrungen während dieses Praktikums verfassen und euch über meine Aktivitäten auf dem Laufenden halten.

Die Eindrücke der ersten Tage
Direkt nach der Ankunft ging es spannend los. Die ersten Tage waren durch das Ankommen in Jordaniens alter Hauptstadt Amman geprägt. Zunächst ging es um die Bewältigung des alltäglichen Verkehrs dieser Metropole. Für mich als Berliner gehört die Benutzung von Fahrrad und Fußwegen absolut zum Alltag, also musste ich mich erstmal daran gewöhnen, dass es weder Fahrräder noch irgendwelche Fußwege gibt. Das hielt mich natürlich nicht davon ab, weite Teile der „Innenstadt“ zu Fuß zu erkunden. So habe ich mir die Viertel Jabal Amman und Al Weibde quasi vollkommen zu Fuß erschlossen und bin dabei sehr schnell mit den unglaublich freundlichen Einwohnern Ammans in Kontakt gekommen. Schon am dritten Abend war ich bei einem der legendären Comedy-Abende der englischen Community Ammans. Der Abend war sehr lustig und die Show genial, doch was mich noch viel mehr beeindruckt hat, war die Leichtigkeit, so schnell neue Freunde zu finden. Nach dem Ende der Veranstaltung wurde ich sofort von einigen Jordaniern auf ein Bier eingeladen und ehe ich mich versah, befand ich mich schon auf einer Rooftop-Party einer französischen NGO und wurde zu einer Pool-Party am Toten Meer für den folgenden Tag eingeladen. Es war eine unglaublich witzige Erfahrung und ich habe so sehr schnell die ersten längerfristigen Kontakte knüpfen können. Der Umgang zwischen den Leuten hier ist um einiges lockerer und offener als in Europa. Selten habe ich Menschen erlebt, die sich so sehr darüber freuen, dass man ihnen auf der Straße zuwinkt, sie grüßt oder sie einfach nach dem Weg fragt. Die ersten Tage am Goethe-Institut waren sehr entspannt, sodass ich die Stadt in Ruhe erkunden und mich am Ende des Tages mit meinen neuen Freunden treffen konnte. Nach einer Woche trat ich der sogenannten Shams-Community bei, einer Art wöchentlichem Dinner mit Jordaniern und europäischen Expats verschiedener NGOs. Hier trifft man sich, verbringt den Abend miteinander und spricht über verschiedenste aktuelle Themen. Diese Erfahrung war erneut sehr spannend und hier wurden mir erstmals die tiefen politischen Gegensätze in diesem Land bewusst. Am Ende des Abends wurde ich von einem Jordanier namens Tariq zu einem Abendessen in sein Haus für den kommenden Abend eingeladen und seitdem sind wir Freunde. Er stellte mich seiner gesamten Familie vor und zeigte mir verschiedene tolle Locations in Amman

Die Gegensätze im Nahen Osten
Nach zwei Wochen in Amman und ersten Erfahrungen am Goethe-Institut rund um das Fach DaF bekam ich ein paar weitere Tage frei, da die Schülerinnen und Schüler in Jordanien noch immer Sommerferien haben. Da zwei meiner besten Freunde aus Deutschland sich dazu entschlossen hatten, mich in Jordanien zu besuchen, machte ich mich am vergangenen Donnerstag auf den Weg, sie vom Flughafen abzuholen. Dies war jedoch schwieriger als es sich zunächst anhört. Meine Freunde flogen nämlich nicht direkt nach Jordanien, sondern nach Tel Aviv. Daher musste ich mich einen Tag vor ihrer Ankunft auf zur Grenze zwischen den beiden Ländern machen und über die Landbrücke von Jordanien nach Israel reisen. Dies war eine absolut neuartige Erfahrung für mich. Als Europäer bin ich es gewohnt ohne Grenzen und Kontrollen zwischen Ländern zu reisen. Im Nahen Osten ist dies jedoch nicht möglich. Auch wenn Jordanien und Israel seit ca. 20 Jahren in Frieden miteinander leben, so ist es doch ein kalter Frieden. Der Nahostkonflikt ist hier zwar nicht allgegenwärtig spürbar, jedoch kann man ihn an der Grenze erahnen. Zwischen den beiden Grenzposten kann man nur mit einem Bus fahren und man durchquert eine Landfläche, die man wohl als No-Man’s Land bezeichnen könnte. Ich war bereits mehrfach in Israel, doch noch nie kam mir dieses Land im Vergleich zu Jordanien so europäisch vor. Hier gibt es Straßenbahnen, reguläre Busse, Fahrräder und vor allem Fußwege. Ich freute mich wirklich sehr darauf, endlich mal wieder in Israel zu sein und ein paar Tage in Tel Aviv und der für mich so furchtbar faszinierenden Stadt Jerusalem verbringen zu können. Es war eine wirklich unglaubliche Zeit. In Kürze werde ich mehr über das Abholen meiner Freunde in Tel Aviv und unsere gemeinsame Reise nach Jerusalem und weiter nach Jordanien berichten, doch nun muss ich mich erstmal auf unsere gemeinsame Ankunft in Petra vorbereiten. Denn heute werden wir dort bei einem Beduinen übernachten und ich freue mich schon sehr auf das besondere Essen, das er für uns heute zubereiten wird. Bis dahin sage ich Tschüss und verbleibe mit einem Salam!

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