Mein Weg zur Metro: ein Abenteuer

Warum ich zu Fuß gehe …

Meine Schule liegt nicht weit entfernt von der nahegelegenen Metrostation Sector 18. Zu Fuß sind es ca. 10 Minuten mit der Rikscha ungefähr 3 Minuten. Da ich den ganzen Tag in der Schule sitze und die indischen Rikschafahrer  immer versuchen mich über den Tisch zu ziehen und ich die ewigen Diskussionen, ich möchte nicht über das doppelte des Preises zahlen als Einheimische leid bin, habe ich mich in letzter Zeit des Öfteren entschieden zu Fuß zu gehen. Das ist ein Spaß kann ich euch sagen!! Da erlebt man Indien wie es leibt und lebt.

Verkehr
Der Verkehr ist hier so schlimm, dass ich an dieser Stelle meine Freundin Clara Schaksmeier zitieren möchte: „Ich nenne es Verkehr ja, aber Linksverkehr?“ Über diese Aussage musste ich häufiger nachdenken, denn es herrscht pures Chaos auf den Straßen, jeder fährt so wie es ihm gerade passt und achtet eigentlich nur auf sich. Erstaunlicherweise habe ich jedoch noch keinen Unfall gesehen. Wenn man sich auf den Straßen aufhält, bekommt man ein Hupkonzert vom Feinsten geboten, die Inder sind hier nicht so zögerlich diese zu verwenden. Ich bin so heil froh, dass es hier ein gutes öffentliches Verkehrsnetz gibt und ich  nicht Autofahren muss, wenn ich bereits die Straße überqueren muss, bekomme ich zu manchen Tageszeiten schon Angstzustände (Das muss ich aber Gott sei Dank nicht so häufig). Auch wildlebende Kühe gehören hier zum alltäglichen Bild. Sie werden von den Autofahrern respektvoll umfahren, bei mir wäre das nicht der Fall, wenn ich nicht aufpassen würde. Tja, eine Kuh ist mehr wert als ich…. Willkommen in Indien!

Chaos und Kuhfladen
Auch gibt es nicht immer einen durchgängigen Fußgängerweg, was bedeutet, ich muss manchmal auf der Straße laufen. Mein Weg zur Metro führt mich an vielen Dingen vorbei, die man in Deutschland nicht auf dem Bürgersteig vorfindet.  Müllhalden zum Beispiel, die Inder lieben Haufen, auf die sie alles schmeißen können. Auch wünsche ich mir an bestimmten Abschnitten meines Weges kein Riechorgan mehr zu besitzen. Es ist der Parkplatz der Rikschafahrer, die dort auf Kundschaft warten und die Mauern des anliegenden Grundstücks als WC verwenden. Amüsant ist auch, dass ich manchmal den Fußgängerweg verlassen muss, weil ich sonst in getrocknete Kuhfladen laufen würde. Mitten in der Großstadt findet man Kuhfladen, die von den Bewohnern mitten auf der Straße getrocknet werden. Ich fand das mega lustig. Diese Kuhfladen werden später übrigens zu riesigen ameisenhaufenähnlichen Pyramiden aufgestapelt und dann als Dünger verwendet.

Orangensaft, hmmm
Auf meinem Weg zur Metro gönne ich mir des Öfteren auch mal einen frisch gepressten Orangensaft. Anfangs war ich hier etwas kritisch was Streetfood angeht, aber zwischenzeitlich scheint sich mein ganzer Organismus an Indien gewöhnt zu haben. Und ich kann euch sagen, das Essen auf der Straße ist der Hammer! Letzten Mittwoch war ich auch schon ganz heiß auf den Frischgepressten O-Saft. Ich habe ihn artig bestellt mit Händen und Füßen und ein paar englischen Worten. Bekommen habe ich ein bräunliches Gebräu, das zähflüssig im Becher herum schwappte. Voller Freude schaute mich die Frau hinter dem Fruchtsaftladen an und machte mir weiß, ich solle ihre Arbeit probieren. Etwas kritisch tat ich das auch. Am liebsten hätte ich den Saft sofort wieder ausgespuckt! Der Saft war völlig versalzen. Wer macht sowas?! Lächelnd habe ich mich von der Dame verabschiedet und es tat mir wirklich um die verwendeten Orangen leid, aber ich konnte diesen Saft nicht fertig trinken …
Siddarth erklärte mir später, dass das typisch für indische Fruchtsäfte sei, dass man diese salzt. Mein Geschmack war es jedenfalls nicht und ich werde in Zukunft darauf achten, meinen Orangensaft ohne Salz zu bekommen.

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