Oh du schönes Reykjavik

Willkommen liebe Leser*innen!

Nun bin ich bereits mehr als einen Monat in Island, es ist also höchste Zeit, meine Erfahrungen in einem ersten Blogbeitrag festzuhalten.

 

Das Land

Island ist schlichtweg atemberaubend. Schon auf dem Schulweg sehe ich auf den Berg Esja herüber, der bei jedem Wetter anders aussieht, mal im satten Grün strahlt, mal schroff und grau erscheint. Und auch bei Ausflügen in der Gegend (z.B. ins wunderschöne Landmannalaugar im isländischen Hochland) gerate ich jedes Mal wieder ins Staunen. Die ganzen heißen Quellen (und sogar heiße Flüsse) sind dann noch das i-Tüpfelchen. Fotos versuche ich regelmäßig hier hochzuladen.

 

Wohnen

Ich wohne in einer 2er-WG im Bezirk "Laugardalur", etwa auf halbem Weg zwischen Schule und Innenstadt in einer schönen und gut ausgestatteten Wohnung mit meinem sehr netten Mitbewohner Dino, einem ehemaligen EFD-Freiwilligen, der Island nicht mehr verlassen wollte, und mit dem ich oft abends zusammen Karten- und Brettspiele spiele oder Serien gucke. Und überhaupt bin ich ja froh, auf dem isländischen Mietmarkt (der sich hautpsächlich in Facebook-Gruppen organisiert) eine halbwegs bezahlbare Wohnung in eigentlich guter Lage gefunden zu haben. Dank AirBnB und Tourismus ist im Land nämlich eine ziemliche Immobilienblase entstanden. Dann nimmt man auch in Kauf, dass aus der Dusche nur heißes Wasser kommt - das wegen seines geothermischen Ursprungs auch stark nach Schwefel riecht.

Reykjavik

Reykjavik ist nicht direkt als schöne Stadt zu bezeichnen - zwar gibt es einige schöne Straßen mit bunten Häusern aus typisch isländischen Wellblech, ansonsten wirkt die Stadt aber architektonisch nicht allzu schön - außnahme ist die berühmte Hallgrimskirche und das Opernhaus - direkt daneben stehen aber jeweils hässliche Betonklötze. Trotzdem habe ich auch zunehmend den Charme dieser Stadt entdeckt, der sich nicht nur in den Graffiti und Wandbemalungen überall äußert sondern auch in den vielen liebevoll und individuell gestalteten Bars und Cafes und einer sehr aktiven Kunst- und Kulturszene.

 

CeaseTone habe ich jetzt z.B. schon zweimal Live gesehen bei jeweils ausgesprochen schönen Konzerten

 

Die Schule

Meine Schule, die Borgarholtsskóla im etwas außerhalb liegenden Stadtteil Grafarvogur ist eine recht große Oberschule mit Berufsschulzweigen u.a. für Designer*innen und KFZ-Mechaniker*innen. Als erstes fällt einem dort auf, dass Schüler*innen und Lehrer*innen dort nur auf Socken herumlaufen, was die ganze Schule schon deutlich gemütlicher wirken lässt. Das Gebäude ist recht modern und technisch sehr gut ausgestattet. Die Schule ist in einem Kurssystem organisiert, das den Schüler*innen große Freiheiten lässt - sie können z.B. für ein Semester pausieren und arbeiten und dann wieder an die Schule zurückkommen und ihre Schulzeit fortsetzen (was im Sprachunterricht allerdings nicht optimal ist).

Der Unterricht

Eigentlich gibt es an meiner Schule zwei Deutschlehrende, Bernd und Sigurborg, die mich dort auch herzlich willkommen geheißen haben. Leider ist Bernd dann aber kurz nach Schuljahresanfang krank geworden und fällt noch eine Weile aus, weshalb Sigurborg dann mich und Laura, eine Praktikantin aus Münster, gefragt hat, ob wir nicht einige seiner Klassen unterrichten könnten. Also unterrichten wir jetzt insgesamt drei Klassen auf den Niveaus A1 bzw. A2 mit jeweils vier Wochenstunden, was zwar ein großer Vorbereitungsaufwand ist, aber auch wirklich Spaß macht und eine gute Erfahrung ist. Ich hoffe, dass ich es schaffe über das Unterrichten noch einen eigenen Post zu verfassen. Bis dahin hier noch ein paar...

Weitere Beobachtungen

• Zwar ist das Busnetz in Reykjavik nicht schlecht ausgebaut, nach 23.30 fahren aber auch am Wochenende keine Busse mehr, sodass man dann entweder aus der Innenstadt heimlaufen muss (in meinem Fall ca. 30 Minuten) oder ein völlig überteuertes Taxi nehmen muss

• Die Preise sind wohl im Schnitt doppelt so hoch wie in Deutschland, bei einigen Dingen (besonders bei denen, die an Touristen verkauft werden) aber noch um einiges teurer; am Freitag habe ich in einer Bar 0,2L Bier für ca. 8€ getrunken - das war aber dafür auch wirklich gut

• Die Isländische Sprache widersetzt sich all meinen Bemühungen, sie zu lernen. Alleine die Aussprache ist schon schwierig, nicht nur weil das r-gerollt wird (was ich nicht kann), sondern weil nahezu alle Vokale anders ausgesprochen werden als im Deutschen und es unzählige Ausnahmeregelungen gibt. Interessierten sei der entsprechende Wikipediaartikel ans Herzen gelegt. Ich übe, indem ich im Bus immer versuche zu verstehen, wie das Wort auf der Anzeigetafel und die Ansage desselben zusammenpassen.

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