Politik und Paradies

Bundestagswahl... tja was soll man schon dazu sagen 

Ich glaube, ich war erst ein paar Tage in Trivandrum als mich Dr. Syed fragte, ob ich eventuell Ende Oktober bei einer Veranstaltung über die Bundestagswahl die Ansichten einer jungen deutschen Studentin vorstellen könnte.  Meine anfängliche Motivation war riesig, deshalb sagte ich zu. Irgendwie war mir damals aber nicht bewusst, dass das Ganze auf Englisch stattfinden wird. Das erschwerte die Sache natürlich ein wenig, aber dank Louisa war die fertige Rede sprachlich ziemlich passabel. Den Inhalt hatten zuvor zum einen eine Freundin, die sich sehr gut auskennt und zum anderen mein Opa, der ebenfalls politisch aktiv ist,  abgesegnet. Das Seminar wurde von Kerala International, YMCA Trivandrum und dem Goethe-Zentrum Trivandrum ausgerichtet und fand im Hotel Hycinth in Trivandrum statt. Nach der Begrüßung durch den Moderator, kamen nach die Redner zu Wort. Zwei Inder und drei Deutsche. Mr. CMA Nayar sprach über das Wahlsystem und die Koalitionen, der deutsche Journalist Michael Gleich schilderte den Einfluss der Medien und Prof. Josekutty sprach über die Situation in Europa nach der Wahl. Der stellvertretende Leiter des Goethe-Instituts Bangalore sollte die Sicht eines deutschen Bürgers auf die Wahl darstellen und ich die Ansichten einer jungen deutschen Studentin. Trotz des erschreckenden Wahlergebnisses, wollte ich mit meiner Rede Zuversicht vermitteln und positive Stimmung verbreiten. Anscheinend ist mir das ganz gut gelungen, jedenfalls wurde ich im Anschluss in eine Talkshow eingeladen. Die nachfolgende Diskussion war aus Zeitgründen sehr kurz gehalten. Trotzdem habe ich es mir mal wieder nicht nehmen lassen meine Heimat  (Sachsen-Anhalt) zu verteidigen. Die Aussage, dass vorallem in den neuen Bundesländern AFD gewählt wird, weil die Leute dort ihr neues Recht, verschiedene Parteien zu wählen (können sie das nicht schon seit 27 Jahren?) missbrauchen und ihren Protest dagegen ausdrücken indem sie AfD wählen, konnte ich nicht so stehen lassen. Das ist so ziemlich der größte Unsinn, den ich seit längerem gehört habe. Wenn jemand meine Rede lesen möchte, schreibt mir einfach. Nach dem Seminar gab es Abendessen und wie immer viele Selfies.

 

Raggabund sorgt für Stimmung

Die deutsche Band Raggabund ist zur Zeit in Südasien im Auftrag des Goethe-Instituts  auf Tour, um Workshops und natürlich Konzerte zu geben. Da die Christ Nagar eine Pasch-Schule ist, fand der einzige Workshop in  Trivandrum dort statt. 40 meiner deutschlernenden Schüler durften teilnehmen. Die Euphorie vorher hielt sich in Grenzen aber spätestens als die vier Musiker ihren Song "beauthiful day" als Einstieg performten, war die Kids total begeistert. Die Gruppe wurde geteilt. Eine Hälfte sollte gemeinsam einen eigenen Song auf Deutsch schreiben, die andere erhielt einen Crashkurs im beatboxing und sollte damit "beautiful day" performen. Eigentlich hatte die Band den Workshop für Kinder mit etwas mehr Deutschkenntnissen konzipiert, aber nichtsdestotrotz sind beide Gruppen zu super Ergebnissen gekommen. Die Kids (und ich natürlich auch) hatten einen spannenden Nachmittag. Am Abend gab die Band noch ein Konzert, zu dem auch viele meiner Schüler kamen. Die Stimmung war super und die Zuhörer total begeistert. Es ist wirklich schade, dass ich das Konzert verpasst habe. 

 

Vagamon - Wer braucht Neuseeland, wenn es Kerala gibt?

Louisa, Raphael und ich (oder auch Goethes Erben), hatten uns schon vor einiger Zeit vorgenommen am letzten Wochenende im Oktober wegzufahren. Wir mussten alle drei mal raus aus Trivandrum. Den ursprünglichen Plan, nach Madurai zu fahren, verwarfen wir, nachdem uns ein Freund das Resort "Little Flower Farms" in Vagamon empfohlen hatte. Vagamon liegt etwa 1600m über dem Meeresspiegel, unweit der Grenze zu Karnataka. Das Teeanbaugebiet ist bei Touristen noch relativ unbekannt. Thomas, der Besitzer, ist eigentlich Bankkaufmann. 2001 hat er einfach nur einen Hügel bei Vagamon gekauft, diesen bepflanzt und nach und nach das kleine Resort aufgebaut, das er zusammen mit seiner Mama betreibt. Dank ihr wurden wir die 2,5 Tage mit bester südindischer Küche verwöhnt. Die Entfernung zwischen Trivandrum und Vagamon liegt eigentlich nur bei 130km, aber das ist Indien eine halbe Weltreise. Drei Stunden Zugfahrt nach Kottayam und zwei Stunden weiter mit dem Bus. Auf dem Rückweg kam der Zug 2,5 Stunden zu spät, aber das ist für indische Verhältnisse noch wenig. Der weite Weg hatte sich aber wirklich gelohnt. Das Klima ist viel angenehmer, als in Trivandrum und die Landschaft einfach nur wunderschön. Wir haben beide Tage für Wanderungen genutzt, am Samstag wurden wir nur leider vom Regen überrascht und mussten vorzeitig abbrechen. Am Sonntag spielte das Wetter mit und wir konnten durchziehen. Berge, wie in Mittelerde oder Westeros (für alle Freaks unter euch) Teefelder und eine Schlucht mit Wasserfällen. Auch wenn es nicht so heiß war, war der Fluss in der Schlucht eine willkommene Abkühlung. Ich glaube so viel, wie an diesem Tag, habe ich mich nicht bewegt, seit ich in Indien bin. Trotzdem war das Wochenende super erholsam, die beste Vorbereitung für meinen letzten Monat.

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