Brot, Rosen und Thüringer Klöße

Musikalisches "German Assembly"

Sogenannte Assemblys, Schulversammlungen, gibt es an der Christ Nagar fast jede zweite Woche. Nur gehören jedes Mal eine Zeremonie und eine Show dazu. Schon im letzten Jahr gab es ein German Assembly, auch German Day genannt. Dies sollte sich wiederholen. Lisia und ich waren natürlich die Auserwählten, das Ganze zu organisieren. Schon kurz nach meiner Ankunft in Trivandrum informierte sie mich darüber, damit wir rechtzeitig mit der Planung beginnen konnten. Zu einer Assembly gehören Lieder, Tänze und ein Sketch. Irgendwie kam mir die Idee, das Ganze um die heilige Elisabeth und das Land Thüringen aufzubauen. Vermutlich deshalb,  weil ich in meiner SCHULWÄRTS!-Bewerbung damals die Sage vom Rosenwunder verwendet habe und ich auf dem Elisabeth Gymnasium, einer katholischen Schule, gewesen bin.  Christ Nagar ist schließlich auch eine katholische Schule. Lisia war mit dem Motto einverstanden, also stand das schon einmal fest. Den Sketch schrieb ich selbst, Elisabeths Leben in 5 Szenen. Passend dazu wählte ich den Prayersong "Wenn das Brot, das wir teilen". Außerdem sollte es im Programm ein weiteres Lied, einen Action Song und einen Tanz geben und alles sollte irgendwie zusammenpassen. Und welches Lied ist das "thüringischte" überhaupt? "Thüringer Klöße" natürlich. Letztes Jahr war der Action-Song "Das Fliegerlied", darum entschied ich mich für "Das rote Pferd" in diesem Jahr. Der Tanz sollte typisch deutsch sein, aber was ist typisch deutsch? Eigentlich schon Schlager, deshalb war "Hulapalu", eine gute Wahl, wie sich später herausgestellt hat. Die Siebtklässler wünschten sich den "cup song", bekamen sie, aber etwas verändert ;). Das Programm stand also relativ schnell fest. Mit den Proben konnten wir aber erst nach der Halloween-Performance anfangen. Eigentlich haben die indischen Kinder wenig Freizeit, da die meisten Nachhilfestunden nehmen. Durch Proben nach dem Unterricht, nahmen wir ihnen noch zusätzliche Freizeit aber die Motivation war trotzdem riesig. Für die meisten ist es von großer Bedeutung, Teil einer Assembly zu sein. Normalerweise werden z.B. die Tänzer gecastet aber bei mir sollten alle Kinder mittanzen, die wollten. Für die Proben war es ein großer Vorteil, dass Lisia und ich zu zweit waren. So konnte sie z.B. den Sketch proben, ich zeitgleich den Tanz.

 

Die Vorbereitung macht sich bezahlt

Noch aufwendiger als das eigentliche Programm war der zeremonielle Teil, Willkommensrede etc.. Dank Lisia und der Unterstützung einiger Lehrerinnen wurde aber auch dies rechtzeitig fertig. Ausgerechnet am Vorabend musste unser besonderer Gast, Natasha Divekar vom Goethe-Institut Bangalore, absagen. Zum Glück konnte meine indische Tante, Sudha Pradeep, Head Language des Goethe-Zentrums kurzfristig einspringen. Den Tag vor dem großen Tag verbrachten Raphael und ich ganz entspannt bei Lisia zu Hause. Ihre Mama macht so ziemlich das beste Biriyani von ganz Trivandrum. Wir hatten die letzten Wochen viel Energie in die Organisation, Planung und Vorbereitung gesteckt, da durfte ja eigentlich nichts schief gehen.

 

Am Morgen des 27.11. trafen wir uns früher als gewohnt in der Schule. Die Dekoration der Bühne war rechtzeitig fertig und die roten Sarees saßen perfekt. Auch meine Rede, die Botschaft der Lehrerin, hatte Dank Louisa und Sudha den letzten Schliff bekommen. Ich hatte mich sehr gefreut (auch die Kinder), dass unter den Gästen Louisa, Raphael, Tessa und Josi, zwei Lehrerinnen des Goethe-Zentrums, waren.

 

Und dann ging es auch schon los: Die Eröffnung, Sudhas Rede, das Programm und zwischendurch meine Rede. Am Ende dann Father Kurians Worte. Alles flog an mir vorbei. Aber was soll ich sagen, unser German Day war ein großer Erfolg. Die Zuschauer, vor allem aber Father Kurian, waren begeistert und Lisia und ich sichtlich erleichtert. Das absolute Highlight war auf jeden Fall der Tanz der fünften Klassen zu "Hulapalu". (Video dazu gibt es bei Facebook) Aber es muss ja immer etwas schiefgehen, so auch am German Day. Nach dem Programm lud Father Kurian die Gäste, Lisia und mich in sein Büro ein, damit wir als erste den Kuchen probieren konnten, den wir für die gesamte Schule bestellt hatten. Der Probekuchen, den wir eine Woche zuvor bekommen hatten, war super lecker. Am German Day hatte die Bäckerei allerdings eine bedeutend andere (schlechter schmeckende) Version des Kuchens geliefert und dabei eindeutig an den Zutaten gespart. Aber was solls, insgesamt konnten wir wirklich zufrieden sein.

 

Ich kann nicht genau sagen, ob der German Day nun das Interesse der Schüler an der deutschen Sprache bedeutend fördert. Fakt ist aber, dass es für unsere Schüler von großer Bedeutung war, Teil dieses Programms gewesen zu sein.

 

Weihnachtsengel bei 30°C

Der Verein YMCA Trivandrum veranstaltet im Tagore Theater jährlich am ersten Advent ein Weihnachtskonzert. Der Hauptorganisator ist der Schulleiter der Sarvodaya Vidyalaya, Raphaels Praktikumsschule, weshalb auch Schüler von dort Teil des Programms sind. Die beiden Deutschklassen von Raphael sollten eigentlich unter Rajis Leitung als Engel gekleidet deutsche Weihnachtslieder singen. Da Raji aber einen Monat lang in Deutschland war, übernahmen wir das kleine Projekt. Ich hätte etwas Leichteres als "Stille Nacht" und "Leise rieselt der Schnee" ausgewählt, aber indische Kids sind praktischerweise musikalischer als deutsche. Die Lieder konnten sie ziemlich schnell sicher singen. Unser Auftritt war trotz Engelskostümen und meinem rote Saree sehr schlicht im Verhältnis zu allem anderen. Einfach nur eine Gitarre und ein Kinderchor. Das ist genau das, was ich zur Weihnachtszeit mag und beim Publikum ist es auch super angekommen  (einige Christ Nagar Lehrerinnen kamen am nächsten Tag ganz aufgeregt zu mir). Ein Video gibt es bei YouTube wenn ihr "YMCA Trivandrum " eingebt.

Alles andere als Schlicht war das Weihnachtsprogramm der Christ Nagar. Der Schulchor bestehend aus 300 Kindern und die Schule war noch mehr dekoriert als an Onam. Sehr beeindruckend war die Rede des besonderen Gastes: Rev. Tom Uzhunnali war 1,5 Jahre im Jemen vom IS gefangen gehalten und erst im September 2017 nach Indien zurück gekehrt. Er schilderte seine Erfahrungen und beantwortete auch Fragen. Zudem wurden im Rahmen des Programms Spenden für wohltätige Zwecke verteilt.

 

Abschied

Das Weihnachtsprogramm war gleichzeitig mein letzter Abend in Trivandrum. Mein letzter Schultag wäre eigentlich der 1. Dezember gewesen, aber der Zyklon "Ockhi" hatte für schulfrei gesorgt. In der Stadt hatten wir Glück, allerdings sind an der Küste zahlreiche Fischer nicht zurückgekommen. Ein sehr trauriger Tag für Trivandrum.

Am Montag darauf hatte ich also Gelegenheit mich zu verabschieden und wurde auch mit sehr lieben Worten durch die stellvertretende Schulleiterin verabschiedet. Zu meinen Schülern habe ich immer gesagt, dass wir uns ja alle zum Weihnachtsprogramm nochmal sehen und noch nicht verabschieden müssen. Besser so, es sind sowieso zu viele Tränen geflossen.

 

 

Am nächsten Morgen bin ich dann mit Louisa in den Zug gestiegen, um mit ihr zusammen einmal in Allepey zu unterrichten. Sie ist nach Trivandrum zurück gefahren, ich nicht aber das ist eine andere Geschichte. 

Weihnachtsengel bei 30°C
Weihnachtsengel bei 30°C

Abschied

Das Weihnachtsprogramm war gleichzeitig mein letzter Abend in Trivandrum. Mein letzter Schultag wäre eigentlich der 1. Dezember gewesen, aber der Zyklon "Ockhi" hatte für schulfrei gesorgt. In der Stadt hatten wir Glück, allerdings sind an der Küste zahlreiche Fischer nicht zurückgekommen. Ein sehr trauriger Tag für Trivandrum.

Am Montag darauf hatte ich also Gelegenheit mich zu verabschieden und wurde auch mit sehr lieben Worten durch die stellvertretende Schulleiterin verabschiedet. Zu meinen Schülern habe ich immer gesagt, dass wir uns ja alle zum Weihnachtsprogramm nochmal sehen und noch nicht verabschieden müssen. Besser so, es sind sowieso zu viele Tränen geflossen.

 

 

Am nächsten Morgen bin ich dann mit Louisa in den Zug gestiegen, um mit ihr zusammen einmal in Allepey zu unterrichten. Sie ist nach Trivandrum zurück gefahren, ich nicht aber das ist eine andere Geschichte. 

Mein letzter Tag an der Schule
Mein letzter Tag an der Schule

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