Unterwegs nach Norden

Als ich damals meine SCHULWÄRTS!-Zusage erhalten hatte, stand für mich fest, dass ich auch etwas von Indien außerhalb Keralas sehen wollte. Ich hatte einem ehemaligen Kollegen versprochen, ein Foto vom Taj Mahal zu posten, also sollte dort das Ziel sein. Bereits im September hatte ich einen Rückflug von Delhi nach Berlin gebucht, für den 20. Dezember. Jetzt musste ich nur noch dorthin kommen, nach Möglichkeit rechtzeitig. Nach langer Überlegung stand dann die Reiseroute fest. Von Trivandrum Richtung Norden nach Cochin, dann Goa, Mumbai, Jaipur und Delhi. Durch Indien reist man am besten mit dem Zug, dank Josi hatte ich die nötigen Tickets schon Mitte Oktober. Zwei Nachtzüge, ein normaler Zug und ein Flug. Von Mumbai nach Jaipur war leider kein Zug mehr zu haben. Der Dezember ist die Hauptreisezeit. 

 

Neue Bekanntschaften - Reisende sind nie allein

Natürlich habe ich mir anhören müssen, dass ich doch verrückt sein muss, alleine als Frau durch Indien zu reisen. Ist natürlich Quatsch, wenn man auf gewisse Dinge achtet und das sollte man als Frau überall auf der Welt, dann ist es überhaupt kein Problem. Außerdem war ich nie wirklich alleine. Ziemlich viele Leute von überall reisen alleine und man trifft sich in den Hostels. Ob Merna aus Ägypten, Maria aus Spanien, Malahina aus Dänemark, Michelle aus Australien oder Jessica aus Köln. Gemeinsam haben wir viel unternommen und erkundet.

 

Eindrücke, Eindrücke, Eindrücke

Nachdem Louisa und ich uns in Allepey verabschiedet hatten, habe ich den nächsten Zug nach Cochin, der größten Stadt in Kerala, genommen. Die zwei Tage dort habe ich überwiegend im Stadtteil Fort Cochin verbracht und plötzlich hatte ich das Gefühl, nicht mehr in Indien sondern in Portugal zu sein. Das Portugal-Feeling wurde in Goa's Hauptstadt Panjim noch verstärkt. Auf einmal war ich, wie immer indisch gekleidet, die Ausnahme. Goa ist eine ganz andere Welt im Vergleich zu Kerala. Es ist schon verrückt abends in einen Zug zu steigen und am Morgen in einer völlig anderen Welt aufzuwachen. Den zweiten Nachtzug habe ich von Goa nach Mumbai genommen. Nachtzüge sind in Indien wirklich bequem, beide Male habe ich super geschlafen. In Mumbai werden die gesellschaftlichen und sozialen Unterschiede Indiens besonders deutlich. Auf der einen Seite gibt es überall Bettler und Familien, die auf der Straße schlafen, auf der anderen steht das prächtige Taj Hotel für die Superreichen. Besonders schön waren der Ausflug zur Elephanta Island und das "Prince of Wales Museum". Von Mumbai nach Jaipur musste ich fliegen, da alle Züge ausgebucht waren. Zunächst wurde ich in Mumbai zum falschen Terminal gefahren und war mir ziemlich sicher, den Flug zu verpassen, da es bei dem starken Verkehr 45 Minuten zum anderen Terminal gedauert hat. Zum Glück hatte der Flug aber auch Verspätung. In Jaipur angekommen waren es 21°C, ein absoluter Traum nach 4 Monaten tropischer Hitze. Sobald die Sonne weg war, wurde es aber ziemlich kalt. Logisch, die Wüste speichert ja keine Wärme. Meine liebe Bettnachbarin Deviyani aus Delhi hat mir für den ersten Abend zum Glück einen warmen Pullover geliehen. Die indischen Frauen tragen natürlich trotzdem Saree und die Flip Flops, aber dann kombiniert mit Weihnachts-Norweger-Muster-Strickjacken und warmen Strümpfen. 

 

Jaipur und Taj Mahal

 Jaipur ist überhaupt die schönste Stadt, die ich in Indien gesehen habe. Alle, die sagen, dass Rajasthan der beeindruckendste indische Staat ist, untertreiben absolut nicht. Zusammen mit Jessica aus Köln habe ich die Stadt erkundet. Dank unseres etwas zu gesprächigen Rickshaw Fahrers Raj war die Sightseeing Tour super entspannt. Da es mir zu gut gefallen hat, habe ich spontan meine Pläne geändert und bin einen Tag länger geblieben. Am 19. Dezember bin ich dann von Jaipur nach Agra gefahren. Das Taj Mahal musste ich unbedingt noch sehen und natürlich ist auch das versprochene Foto auf Instagram gelandet (carolinelisabeth__). Auch wenn ich leider den Touristen Preis bezahlen musste (sonst bin ich immer Lehrerin aus Kerala und somit keine Touristin), hat es sich gelohnt! Allerdings war ich für einige Familien ein beliebteres Fotomotiv als das Gebäude selbst ;). Aber bei Familien mit Kindern sage ich meistens ja. Abgesehen vom Taj Mahal fand ich Agra allerdings absolut schrecklich, was ganz einfach an aufdringlichen Rickshaw-Fahrern, Ladenbesitzern etc. liegt. Das stört indische Touristen dort allerdings gleichermaßen. Wiedervereint mit Jessica aus Köln bin ich am späten Nachmittag nach Delhi gefahren.  Nach einem letzten Masala Dosa haben wir uns verabschiedet, sie fliegt erst am 24. zurück. Eigentlich wollte ich die Nacht in einem Hotel verbringen aber ausgerechnet am letzten Tag hat mich meine Kreditkarte im Stich gelassen. Ich hatte auch nicht mehr genug Bargeld, also musste ich die Nacht wohl oder übel am Flughafen verbringen. Aber wenigstens ging dort alles glatt. Verrückt nach so langer Zeit plötzlich wieder nach Deutschland zu müssen, aber die Pflicht ruft ;). Ich hätte es mir tatsächlich vorstellen können einfach weiter zu reisen. Jeder, der mich gut kennt, hält mich vermutlich nicht gerade für eine Travellerin. Ich hätte mich vorher auch nicht dafür gehalten aber jetzt schon! Gut, dass ich mir einen riesigen Backpack zugelegt habe, den werde ich sicher bald wieder brauchen. 

 

Ein lachendes und ein weinendes Auge...Auf Wiedersehen - Indien! 

Es gibt zwei Dinge, mit denen ich mich in Indien absolut nicht anfreunden konnte. Das ist zum einen das ständige Hupen von Autos und zum anderen die Anrede M'am. Ich weiß, dass letzteres Respekt ausdrückt aber trotzdem habe ich mich jedes Mal furchtbar alt gefühlt. Ehrlich gesagt könnte ich auch in Indien nicht für immer Lehrerin sein, es sei denn, ich darf das Bildungssystem reformieren. Trivandrum war vermutlich auch die beste Stadt für das Praktikum, weit weg vom Großstadt- und Tourismuswahnsinn. Im Moment kann ich das Ganze noch nicht wirklich reflektieren. Ich weiß nur, dass ich eine großartige Zeit hatte und irgendwann zurückkommen werde. Aber erstmal mache ich jetzt mein Referendariat und dann sehen wir weiter. Und so langsam sollte ich in mein Flugzeug steigen. Frohe Weihnachten ihr Lieben!

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