Der Tag der deutschen Einheit in Indien

Projekte über Projekte

Am 3. Oktober wurde an der Christ Nagar erstmals der Tag der deutschen Einheit gefeiert. In der ersten Pause hielten zwei meiner Schülerinnen eine kurze Rede über die deutsche Teilung und Wiedervereinigung. Die Rede hatten die beiden Mädchen selbst geschrieben. Anschließend sangen wir gemeinsam die deutsche Nationalhymne über den Schulfunk. Dank der Unterstützung des Goethe-Zentrums und der Genehmigung von Father Kurian, konnten Lisia und ich eine Fotoausstellung über die deutsch-deutsche Geschichte von 1949 bis 1990 realisieren. Die Ausstellung war zwei Tage lang für die ganze Schulgemeinschaft zugänglich. Das Thema Teilung und Wiedervereinigung, habe ich auch schon in mehreren Vertretungsstunden in höheren Klassen in Geschichte behandelt.

Außerdem steht für meine Sechtsklässler ein Halloweenprojekt an und meine Fünftklässler werden sich mit dem heiligen Martin beschäftigen. Zusätzlich ist es Raphaels und meine Aufgabe an unseren Schulen einen Workshop mit der deutschen Band Raggabund durchzuführen. Daran hängt auch ein ziemlich großer Wettbewerb. Die Aufgabe der Kinder ist es dabei, zu einem Lied der Band ein kreatives Video zu gestalten. Insgesamt bin ich fast mehr mit den Projekten als mit dem Deutschunterricht beschäftigt. Besonders hoch sind die Erwartungen an meinen Deutschlandtag, der am 29. November stattfinden wird. Letztes Jahr ist dieser ein Volltreffer gewesen. Ob mir das auch gelingt, wird sich zeigen. Auf jeden Fall stehen das Konzept und das Programm schon fest und wir werden bald mit den Proben beginnen. Außerdem gibt es für alle Zuschauer (3500 Personen) Apfelkuchen nach dem Rezept meiner Tante. Den Auftrag über 60!!!! Backbleche haben Lisia und ich bei der größten Bäckerei Trivandrums schon aufgegeben. Wenn der Kuchen den Meistern dort gelingt, dann dürfte das auf jeden Fall ein Pluspunkt werden ;).

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Schule in Indien

Ich muss durch den Monsun, hinter die Welt...

 

Das Wetter hat mich die letzten zwei Wochen ziemlich an mein Lieblingslied aus Teenietagen erinnert. Obwohl es scheinbar in Trivandrum verhältnismäßig wenig geregnet hat, habe ich solchen Regen noch nie erlebt. Am letzten Sonntag kam es uns tatsächlich so richtig herbstlich vor. Da bietet sich es natürlich an, ins Kino zu gehen und etwas mit Kürbis zu kochen. Die starken Unwetter haben in zahlreichen Regionen zu Überschwemmungen geführt und deshalb wurde auch entschieden, dass Montag, der 18. September, ein schulfreier Tag werden sollte. Der Unterricht wurde dafür am darauffolgenden Samstag nachgeholt. Weil das Wetter so wechselhaft ist, habe ich grundsätzlich Sonnenbrille und Regenschirm bei mir.

 

Alltag in Christ Nagar

Jetzt, nach den Onam-Ferien, ist hier der Schulalltag wieder eingekehrt. Dieser ist allerdings ziemlich abwechslungsreich. Anlässlich Father Kurians Geburtstag wurden riesige Banner aufgehängt und Tänze von den Schülern aufgeführt. Das war mal wieder eine super Darbietung. Überhaupt können die meisten Inder ziemlich gut singen und tanzen.  Dass am 6. September internationaler Lehrertag ist, wusste ich sogar, aber natürlich feiert das in Deutschland niemand. Hier schon. Der Unterricht wurde in den höheren Klassen von Schülern übernommen und auch Father Kurians Büro war den ganzen Tag über von Schülern besetzt. So etwas könnte man in Deutschland auch mal einführen ;) Zu diesem Anlass durften die Schülerinnen der 12. Klasse zum ersten Mal Saree tragen.

Vertretungsstunden habe ich vor allem in den kleinen Klassen. Ich habe unglaublich viel Respekt vor den Lehrerinnen hier. Ich finde für eine erste Klasse mit 20 Kindern in Deutschland braucht man schon mindestens fünf Hände. Mit über 40 Kindern in einer Klasse ist es für mich eine ziemliche Herausforderung, aber natürlich auch eine super Vorbereitung für später. Meistens lernen die Kinder Gedichte und kleine Lieder von mir.

Zusätzlich zu den regulären Deutschstunden, geben Lisia und ich nach der Schule noch einen Fit 1 Kurs. Dieser läuft gut, obwohl es für die Kinder ein sehr langer Schultag ist.

Diese Woche wurden außerdem sowohl "Stars" als auch Pokale für besondere Leistungen an die Schüler aller Jahrgangsstufen verliehen. Das ganze fand in Form einer Schulversammlung statt. Später haben mir viele Kinder stolz ihre Auszeichnungen präsentiert. Auch wenn solche Verleihungen kostenintensiv und zeitaufwändig für die Schule sind, ist es für die Kinder eine super Motivation. Fast alle Kinder nehmen hier Nachhilfestunden, auch wenn sie eigentlich gute Noten haben. In einem so großen Land möchte man eben zu den allerbesten gehören.

 

Damit der Alltag in Christ Nagar auch abwechslungsreich bleibt, wird es in nächster Zeit einige Projekte rund um Deutschland von Lisia und mir geben. Mehr dazu aber später.

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Happy Onam! Zwischen Sarees und Sadya

Es ist übrigens ein großer Vorteil, dass ich keine Langschläferin bin, denn ungefähr 5m Luftlinie von meinem Zimmer findet jeden Morgen 6.30 Uhr eine Andacht statt. In der Woche ist das super praktisch, denn ich muss mir keinen Wecker stellen. ;)

 

Der letzte Prüfungstag vor den Ferien

Am Mittwoch war an der Christ Nagar der letzte Prüfungstag vor den Ferien, deshalb fand eine Schulversammlung aller Schüler statt. Father Kurian hielt eine kleine Ansprache. Man spürt dann immer, wie sehr die Kinder ihn als Schulleiter lieben. Parallel liefen den ganzen Tag über die Vorbereitungen für die Onam-Feier. Erst am Abend war dann alles abgeschlossen und der große Tag konnte kommen. Natürlich bin ich mal wieder an meinem Saree gescheitert. An Onam tragen alle Frauen cremeweis, typisch für Kerala. Lisia war so lieb, mir einen passenden Saree auszuleihen. Das Programm am nächsten Tag begann mit traditionellen Tänzen und einer Rede eines Dichters, unter anderem über die Bedeutung des Festes, nur leider in Malalayam, sodass ich nicht folgen konnte. Anschließend führten die Schüler Tänze und Lieder auf. Einen Höhepunkt bildete der traditionelle Thiruvathira Tanz, von Schülerinnen und Lehrerinnen  (und mir) aufgeführt. Zum Glück habe ich mich nicht vertanzt ;). Auch den Onam-Song mit anderen Lehrern zu singen hat großen Spaß gemacht.  Darauf folgten verschiedene Spiele. Stuhltanzen und Tauziehen stehen ganz weit oben im Kurs. Mittelpunkt des bunten Treibens war die ganze Zeit über Father Kurian. Von seiner Präsenz und Herzlichkeit den Schülern gegenüber, bin ich wirklich beeindruckt. Louisa und Raphael waren als Gäste, ebenfalls traditionell gekleidet, beim Programm anwesend. Die beiden wurden dann auch mit zum anschließenden Festessen des Lehrerkollegiums eingeladen. Wir drei saßen mit Father Kurian auf den Ehrenplätzen sozusagen. Es gab mal wieder Sadya und natürlich kein Besteck. Im Gegensatz zu mir sind Louisa und Raphael deutlich versierter beim Essen mit Fingern. Ich habe mich zur allgemeinen Belustigung mal wieder ungeschickt angestellt. Trotzdem finde ich Sadya super lecker und es ist deutlich verträglicher als ein  typisches deutsches Festessen. Mit der Onam-Feier in der Schule begannen gleichzeitig die Ferien. Die ersten beiden Tage nutzen Louisa,  Raphael und ich für Ausflüge, zunächst nach Kovalam für einen entspannten Strandtag. Am nächsten Tag fuhren wir nach Neyyar Dam. Das ist eine Art Freizeit Park, etwas in die Jahre gekommen, mit angrenzendem Stausee und Nationalpark. Von der sogenannten Safari hatten wir uns allerdings etwas mehr erhofft. Zwei müde Löwinnen haben wir immerhin  zu Gesicht bekommen. An diesem Tag bin ich hier zum ersten Mal Bus gefahren, eigentlich ganz unkompliziert. Außerdem hatte ich mein erstes Dosai, eine Art Fladen aus Reismehl mit verschiedenen Dips. Das ist das Lieblingsessen der meisten Kinder hier.

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Kopfschütteln statt Nicken

Es hat übrigens eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass Kopfschütteln hier keineswegs "nein" bedeutet. Zunächst war ich verwirrt, wenn auf "you understand?" kein Nicken folgte. Lisia hat mich dann darüber aufgeklärt. Mittlerweile wundere ich mich fast garnicht mehr darüber. In jeder Vertretungsstunde bekomme ich die gleichen Fragen gestellt: Hast du Geschwister? Wie heißen deine Eltern? Bist du verheiratet? Gefällt es dir in Kerala? Sprichst du Malalayam? Unvorstellbar für die Kinder ist meistens die Tatsache, dass ich nicht verheiratet bin und trotzdem nicht mehr bei meiner Familie wohne. Mehrfach wurde ich auch schon gebeten "Shape of you" zu singen. Ed Sheran Fans sind also überall. "Despasito" wurde auch schon gewünscht, wobei ich glaube, dass das Lied hier keinesfalls öffentlich gespielt werden dürfte, wenn es irgendjemand verstehen würde. Allerdings ist es in Vertretungsstunden immer meine Rettung, dass die Kinder gerne singen. Für mich, aber wahrscheinlich für alle Lehrer, ist es nahezu unmöglich in eine Klasse mit 40 Kindern Ruhe zu bekommen. Wenn ich allerdings anfange zu singen, habe ich alle Augen und Ohren bei mir. Mit den jüngeren habe ich entweder "I like the flowers" oder "The lion sleeps tonight " jeweils als Kanon erarbeitet, mit den älteren "Swing low".

Teil des Onam-Programms
Teil des Onam-Programms
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Vorgeschichte

Vor ungefähr einem Jahr bekam ich eine Mail von der GEW Thüringen mit einer Einladung zu einer Veranstaltung zum Thema "Unterrichten im Ausland". Bei dieser Veranstaltung bin ich auf das Goethe-Institut und das Projekt SCHULWÄRTS! aufmerksam geworden. Als im Januar dann die Bewerbungsportale geöffnet waren, habe ich mich direkt beworben. Eigentlich nur auf gut Glück. Mit einer Einladung zum Ausreise-Seminar einen Monat später hätte ich nie gerechnet. Umso größer war natürlich meine Freude, dass ich auch mein Wunschland Indien bekomme. Nachdem ich Schule und Ort erfahren hatte, konnte ich dank des ausführlichen Blogs meiner Vorgängerin Ann-Kathrin einen umfangreichen Einblick gewinnen. Das Ausreise-Seminar Ende März in München war lehrreich, aber wir hatten auch jede Menge Spaß. Danach hieß für mich "nur" noch Masterarbeit über die Bühne bringen. Nach zahlreichen Impfungen und Ärger mit dem Visa-Antrag konnte es dann endlich losgehen, auch wenn dies Abschied von meinem geliebten Job bei KiKA in Erfurt bedeutete. Meine Vorfreude war natürlich riesig.

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