Wie ich wohne

Mit meiner Wohnsituation habe ich mal wieder so viel Glück gehabt, dass ich’s gar nicht richtig fassen kann. Ich wohne für Beiruter Verhältnisse sehr günstig (390 Dollar/Monat) in Geitawi, einer meiner Lieblingsgegenden. Es ist unglaublich angenehm ruhig um uns: wie bereits beschrieben kann man sich vor allem sonntags hier fühlen wie in einer Kleinstadt.

 

Man kennt sich hier: Alle quatschen mit allen, man wird hier und da kurz hereingebeten, um ein Käffchen zu trinken und ein bisschen zu tratschen. In diesem vorwiegend christlichen Viertel sprechen die meisten mit mir Französisch und sparen nicht mit Komplimenten („Comme elle est mignon, la petite nouvelle dans la maison du Sablinis!!“) und Liebenswürdigkeiten.

 

Wenn ich nur kurz Wasser kaufen gehen wollte, kann es also schon mal passieren, dass ich von zwei laut schnatternden Mittsechzigerinnen 30 Minuten lang in Schach gehalten werde. Zum Goethe-Institut brauche ich zu Fuß 15 Minuten, zu meinen Lieblingscafés noch weniger, in die busy Mar Michael mit all ihren Bars ist es auch nicht weiter.

Wie ich hier wohne - Laure
Wie ich hier wohne - Laure
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Was mich so richtig, richtig nervt!

Um nicht immer nur alles in den Himmel zu loben kommt hier ein Beitrag, in dem ich mal Dampf ablasse: Was im Libanon völlig unmöglich ist, ist der verdammte, beknackte, unsinnige, vermaledeite Verkehr!!!

 

Alle Straßen und Gassen sind fast immer völlig verstopft mit Autos. Für jede Strecke muss man absurd viel Zeit einplanen, weil man eigentlich davon ausgehen kann, mindestens einmal im Stau zu stehen. Es gibt hier viel zu viele Autos, die Straßen sind schlecht und viel zu eng. Fahrer machen aus zweispurigen Straßen kurzerhand dreispurige, um sich ein paar Meter weiter nach vorne zu schieben, was natürlich nie hilft, sondern nur den Durchgang für Fußgänger erschwert.

 

Vor allem an heißen Tagen ist die Luft hier entsetzlich: Es stinkt so sehr nach Abgasen, dass es einem den Atem verschlägt. Wenn  man im Stau steht, würde man am liebsten aufs Atmen verzichten, um seiner armen Lunge den Smog zu ersparen.

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Was es hier nicht gibt

Es gibt einige Dinge, deren Abwesenheit man sich da, wo ich herkomme, nicht einmal vorstellen kann. Hier einige Beispiele, um die Thematik zu umreißen:
 
Bürgersteige...

... gibt es zwar, aber eigentlich nicht so richtig. An den Häusern entlang schlängeln sich kleine Trottoire mit einer durchschnittlichen Breite von 40 cm. Alle paar Meter fehlen die Gehwegplatten, stattdessen liegen Steinhaufen im Weg. Oder – der Klassiker – der Durchgang ist komplett zugeparkt. Die Autos stehen so dicht an dicht, dass man sich nicht durch die Lücken quetschen kann (Autofahrenden-Devise: Schieben ist okay! Man darf halt nur nicht die Handbremse anziehen).

 

Manchmal hat es auch jemand gut gemeint und einen Baum gepflanzt, so dass man sich durch die schmalen Lücken rechts und links daneben zwängen muss, dafür kann man das aber im Schatten tun. Die Menschen hier weichen einfach auf die Straßen aus. Es ist völlig normal, dass sie zwischen den parkenden Autos am Rand und den fahrenden auf der Straße laufen, um nicht den Hindernisparcours auf dem Gehweg mitmachen zu müssen. Viele Frauen tragen unfassbar hohe Absätze, was sich logischerweise schlecht mit dem Straßenbild verträgt. Wie sie das schaffen ist für mich eins der größten Rätsel hier.

Was es hier nicht gibt - Der durchschnittliche Bürgersteig
Was es hier nicht gibt - Der durchschnittliche Bürgersteig
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Interesse an einem arabisch-deutschen Tandemexchange?

Arabisch Lernen macht Spaß
Arabisch Lernen macht Spaß

Ein bisschen Arabisch lernen und mal mit richtig netten Leuten aus dem Libanon quatschen, wie wärs?

 

Eine Gruppe von Deutschlernenden auf Niveau B2 sucht Kontakte zu Deutschsprachigen und möchte gern auch Arabisch unterrichten. Die Gelegenheit ist ideal: Man muss nicht mal das heimische Sofa verlassen, sondern kann durch so einen neumodischen Kram wie Skype den Nahen Osten praktisch ins eigene Wohnzimmer holen.

 

Unterhaltungen mit Menschen von hier sind immer und auf jeden Fall ein Gewinn! Auch, wenn man nicht Arabisch lernen möchte, macht eine Tandempartnerschaft also unbedingt Sinn. Weil Skype-Verabredungen auch sehr spontan getroffen werden können, übernimmt man nicht übermäßig viel Verantwortung und muss kein Abo kündigen, wenn man’s mal nicht schafft, sondern hat quasi die Deluxe-Version von gemütlichem, interkulturellem Austausch.

 

 

Interesse? Hier gehts zur Facebookgruppe. Wer kein Facebook hat kann mich gern auch persönlich kontaktieren!

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Sonntage in Ashrafieh - von Kaffee, Kitsch und Künstlern

Treppen in Ashrafieh
Treppen in Ashrafieh

Wenn man am Sonntagmittag aufwacht, fällt einem sofort etwas auf, das man nicht sofort benennen kann. Je klarer der Kopf wird, desto mehr merkt man: Es ist ruhiger als sonst in Ashrafieh, viel ruhiger. Weniger Verkehr, weniger Geschäftigkeit, weniger Menschen auf den Straßen, weniger Trubel.

 

Man hört tatsächlich Tassen klappern auf den Balkons statt unablässig das Rauschen des Verkehrs. Die allermeisten Geschäfte in diesem christlichen Viertel sind geschlossen und die Menschen gehen zu Fuß in die Kirche, von denen es hier in jeder zweiten Straße eine gibt, statt für jeden Meter das Auto zu nehmen.

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Das MACAM

Wer mal aus Beirut raus will und nicht so Lust hat, die Touristenpfade durchs Land weiter plattzutreten, der sollte dringend ins MACAM (Modern and Contemporary Art Museum) nach Alita fahren. 
 
Hier, weit oben in den Bergen mit hinreißender Aussicht auf Hänge, das Meer und die widerlich zahngelbe Wolke, in der Beirut liegt, haben Cesar Nammour und Gabriela Schaub eine grandiose Sammlung libanesischer Exponate aufgebaut. Sie stellen überwiegend Skulpturen und Installationen der modernen Kunst und Contemporary Art aus.

 

In unerwartet großen Hallen reihen sich Arbeiten aus verschiedensten Materialien aneinander. Die Kunst ist hier so unvermutet und unmittelbar zu erleben, dass es mir für eine Weile die Sprache verschlagen hat. Mit einem Besuch lässt sich die Vielfalt des Dargebotenen auf keinen Fall begreifen, aber das scheint auch nicht die Intention zu sein. Das MACAM wirkt eher wie eine Lern- und Lebensumgebung als ein bloßer Ausstellungsraum.

 

Archivierung libanesischer Kunst

Das Museum hat sich der Erinnerung verschrieben: Libanesische Kunst soll archiviert und vor dem Vergessen geschützt werden. Deshalb bieten die Eigentümer grandiose Workshops – vor allem für Kinder – an. Hier wird jungen Menschen auf rührend menschliche Weise unter anderem der politische und gesellschaftskritische Ansatz der Werke vermittelt und auch abstrakte Kunst für sie greifbar gemacht.

 

Die meisten Ausstellungsstücke sind dem MACAM gestiftet worden. Profit wollen die Kuratoren mit dem Museum nicht machen, ihnen geht es um die Kunstvermittlung. Diesen Selbstanspruch kann man nicht nur auf dem Museumsgelände förmlich atmen. Die Atmosphäre ist vollkommen ungezwungen, familiär und ruhig. Junge BesucherInnen müssen nicht fürchten, sie könnten Ärger bekommen, weil sie auf blanken Museumsfußböden zu laut mit den Turnschuhen quietschen: gleich am Eingang stehen alle erdenklichen Materialien bereit, um Kunst nicht nur zu rezipieren, sondern selbst zu produzieren. Kunst muss hier für Kinder nicht leblose Langeweile bedeuten, sondern sie können sie in ihrer bunten, aussagekräftigen Lebendigkeit erfahren, die ich für den Libanon so typisch finde.

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Die Stadt der Katzen

Ich habe das Gefühl, diese Stadt mit einer Parallelgesellschaft zu teilen: Überall sind Katzen, immer. Sie benutzen die spärlichen Bürgersteige wie gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer, sie liegen neben meiner Bank im Park, liegen auf Autos und neben meiner Haustür. Wenn ich sie ihnen aufgeschlossen habe, laufen sie gemächlich und selbstverständlich mit hoch erhobenen Schwänzen durch den Flur zum Hinterhof. Der ist ihr Place to be. Sie haben sich dort ein Eldorado aufgebaut und setzen ihre schlanken Pfötchen auf unsere Wassertanks, flirten auf Stromgeneratoren und sonnen sich auf dem Müll.

 

Beim Essen kann ich ihnen vom Balkon aus zusehen und habe das Gefühl, sie langsam – wie meine menschlichen Nachbarn – kennenzulernen. Es ist manchmal, als würde ich eine Soap gucken – ich weiß wer mit wem ist, welche Gang die stärkere ist, wer die coolsten Kids am Platz sind, wer sich um wen prügelt und wer von wem schwanger ist.

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Lest! Mehr! Vor!

#lasstmaleinenvorlesewettbewerborganisieren

Am 31.3. haben wir uns mit Lehrenden aus libanesischen Schulen und dem Goethe-Institut in Beirut zum Kick-off-Meeting zu einem meiner Lieblingsthemen getroffen: Vorlesen! Nur halt im schulischen Kontext. Nächstes Schuljahr sollen wieder Lernende an die Bücher gebeten werden. Also ran an die Fritten und nachgedacht: wie soll wann wer mitmachen können? Wie erreichen wir die Schülerchen? Und was bewirkt vorlesen überhaupt? Was war nochmal die literarische Sozialisation und wie unterscheiden sich die orientalischen Märchentradition und deutsche Hörbuchkultur?

 

Und kann man nicht Rufus Beck in den Libanon karren?

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Auf dem Weg zur Schule..

Wenn man sich morgens um halb 8 an seinen 6-fachen Espresso mit Kardamom klammert, aber hinter einem im Bus jemand schon knallwach ist und spielen will..

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Der Teachersday im Libanon

Gleich in der ersten Woche habe ich eines der Happenings des libanesischen Lehralltags mitbekommen: den Teachers’ Day. Der bedeutet im Klartext, dass die Lernenden ihren LehrerInnen Geschenke mitbringen und dafür einen Tag schulfrei bekommen, während sich das gesamte Kollegium irgendwo trifft und es ordentlich krachen lässt.

Wir haben in einem Luxusrestaurant mit Blick auf Meer und Palmen vier Stunden die totale Völlerei betrieben und zu arabischer Popmusik getanzt, Shisha geraucht und natürlich Selfies gemacht.

Hier wird dieser Tag größer gefeiert als in Deutschland ein 50. Geburtstag. Es sind nicht nur alle noch unterrichtenden Lehrkräfte da, sondern auch alle, die mal an der Schule unterrichtet haben. Wir haben also mit 80 Personen das Restaurantpersonal ordentlich auf Trapp gebracht und uns pausenlos die Bäuche vollgeschlagen.

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Leben und Lernen im Libanon

Seit Anfang März bin ich nun schon im Libanon. Angereist bin ich aus Deutschland, genauer: aus Jena, meiner Universitätsstadt. Dort studiere ich im 8. Semester Germanistik und Philosophie auf Lehramt. Nachdem ich mein letztes Semester im wunderschönen Budapest verbracht habe, habe ich nun die Möglichkeit bekommen, hier im Libanon das obligatorische Praxissemester zu absolvieren.

Das SCHULWÄRTS!-Projekt, meine Schule und erste Eindrücke
Unterstützt werde ich hierbei finanziell und vor allem organisatorisch und moralisch durch das Goethe-Institut. Im Rahmen des Projekts SCHULWÄRTS! werden LehramtsanwärterInnen und junge Lehrkräfte aus Deutschland an vom Goethe-Institut betreute Schulen im Ausland vermittelt.

Und so kommt es, dass ich von morgens bis nachmittags in Saida an der grandiosen  Dr. Hikmat Sabbagh Public Secondary School for Girls bin und dort im Unterricht hospitiere, selbst unterrichte und Projekte planen und durchführen darf. Nachmittags fahre ich zurück nach Beirut, die Stadt, die ich zurzeit mein zu Hause nenne. Dort darf ich teilnehmen am ersten Abschnitt des DLL-Programms vom Goethe-Institut, sodass meine Tage ziemlich vollgestopft sind mit Lehren und Lernen.

 

Der Aufwand und die kurzen Nächte sind es allemal wert: Jeden Tag komme ich nach Hause und mein Kopf ist zum Bersten gefüllt mit neuen Eindrücken, Geistesblitzen und Groschen, die gefallen sind.  Hier vier Monate leben und die libanesische Bildungslandschaft kennenlernen zu dürfen empfinde ich als unsagbar großen Gewinn. Ohne das Engagement des Praktikumsamtes in Jena, das möglichst vielen Studierenden ein Auslandspraxissemester ermöglichen will, wäre das undenkbar gewesen!

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