China von A bis Z

Ankommen

Zumeist mit dem Flugzeug. Dann anschließend weiter mit dem Schnellzug (siehe Zugfahren). Am Zielort von der Betreuerin der Schule in Empfang genommen werden. Viel zu viele Eindrücke, Jetlag, Analphabetismus, zu viele ähnlich wirkende Gesichter. Und natürlich aufgeregt sein.

Es dauert aber nur wenige Tage, bis man weiß, wo der Supermarkt ist, kleine Restaurants, die nächste Shopping-Mall, wie man die U-Bahn nimmt und bis man sich Gesichter merken kann.

Aberglaube

In China spielt Aberglaube eine unglaublich große Rolle. Das betrifft natürlich auch Mythen und Sagen. Aber eigentlich gibt es nichts im Leben, was nicht entweder gut oder schlecht für eine bestimmte Sache ist und das muss auch jedes Mal gesagt werden. Das gilt insbesondere für Essen. Jedes Gericht ist „gut für…“. Inzwischen müssen wir jedes Mal schmunzeln, wenn wir wieder erfahren, was wir uns gerade Gutes getan haben, durch den Konsum bestimmter Nahrungsmittel.

Baozi /Jiaozi

Wird neben Reis zum neuen Grundnahrungsmittel. Das erste sind Hefeklöße, gefüllt mit Fleisch oder anderen Dingen. Das zweite sind eigentlich Maultaschen, bloß anders geformt.

Beijing

Die Stadt sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Wir hatten die Chance, die Hauptstadt für ein paar Tage zu besichtigen, als das Goethe-Institut zu einem Zwischenseminar einlud. Das Seminar fand am Montag und Dienstag statt. Es war toll, sich nicht nur mit anderen SCHULWÄRTS!-Teilnehmern auszutauschen, sondern auch mit der Expertin für Unterricht und drei Chinesinnen, die alle schon längere Zeit in Deutschland waren (Zhiqi arbeitet beim Goethe-Institut im SCHULWÄRTS!-Team, die zweite Person war eine Vertreterin der Stiftung Mercator, die das Projekt finanziell unterstützt, und es wurde eine Person eingeladen, um mit uns ein interkulturelles Training zu halten, leider habe ich den Namen vergessen). In dem Seminar wurden, angeregt durch verschiedene Aktivitäten, unglaublich gute Gespräche geführt. Wir konnten Fragen stellen und darüber aus allen Perspektiven diskutieren, wir haben uns über Unterrichtsprobleme und -lösungen ausgetauscht und am Ende hatten wir auch die Möglichkeit, uns persönlich mit dem SCHULWÄRTS!-Team zu unterhalten, was für mich auch sehr gut war, da ich zu dem Zeitpunkt nicht ganz sicher war, wegen ein paar Dingen an der Schule. Wir hatten das Glück, dass das GI die Reisekosten getragen hat und wir konnten erbitten, dass wir erst am Sonntagvormittag zurückfliegen. Wir haben uns dann mit einer weiteren Praktikantin, die auch länger blieb, ein Hostel gesucht und tatsächlich auch schnell gefunden. Sie hatten für das Wochenende nichts mehr frei, wir blieben dort also nur zwei Nächte. Wir hatten Glück und haben gleich um die Ecke auch fürs Wochenende etwas buchen können. 

 

Am ersten Tag besuchten wir die chinesische Mauer. An der Rezeption des Hostels erfuhren wir, wie man mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin gelangt. Wir nahmen zuerst die U-Bahn und sollten dann in einen Bus umsteigen. Die Bushaltestelle ist die aller letzte, an der man von der U-Bahn aus vorbeikommt und wir hatten uns schon fast verirrt geglaubt, als wir auf einer Art Busparkplatz ankamen. Hier konnte man sich tatsächlich in eine Schlange mit sehr vielen Chinesen einreihen, und dann am Eingang zum Bus ein Ticket für umgerechnet ca. 1,30€ kaufen. Der Bus fuhr ab, sobald alle Plätze besetzt waren, also wenige Minuten später. Nach etwa vierzig Minuten Fahrt waren wir da. Wir kauften uns ein Eintrittsticket für etwa 4€. Wir waren auf dem aller bekanntesten Teil der chinesischen Mauer. Es war sehr voll und wir waren sehr froh, dass wir nicht in der Hauptsaison dort waren. Man konnte sich wenigstens an den meisten Stellen recht frei bewegen. Das Wetter war schön, man konnte gut fotografieren. An einem bestimmten Punkt kam man nicht mehr weiter, der Turm war nicht zu passieren. Dann ist man eben zurückgegangen, bis zu dem Punkt, wo eine Treppe hinabführte und man durch eine Art Bärenzoo (vier Betongehege mit Bären) zurück zum Bus-Shuttle kam. Das Besteigen der chinesischen Mauer ist ziemlich anstrengend. Man legt recht weite Strecken und vor allem Höhenmeter zurück. Auf der Rückfahrt sind wir alle eingeschlafen. Abends waren wir noch Peking-Ente essen. 

 

Am zweiten Tag besichtigten wir den verbotenen Palast. Auch unbedingt besuchenswert. Alles ist sehr besucherfreundlich und man sieht alles, was man so erwartet. Es sieht halt sehr chinesisch aus. Uns gefällt am besten ein Seitenteil, für den wir ein bisschen extra Eintritt zahlen. Dort gibt es zum Beispiel einen Innenhof mit der Bühne, auf dem chinesische Oper aufgeführt wurde, die ist ziemlich cool. In einer Miniatur wird auch abgebildet, wie die Bühne von hinten aussieht und wie die Etagen genutzt wurden. Auch das Besuchen der verbotenen Stadt fordert die Füße, es ist sehr weitläufig. Auf dem Weg zum verbotenen Palast durchquert man den Platz des himmlischen Friedens. Das geschieht mit gemischten Gefühlen. Zum einen wird man, bevor man den Platz erreicht, mehrfach durch Unterführungen geschickt und muss auch noch Security-Checks passieren. Erreicht man den Platz, ist man umgeben, von sozialistischen Protzbauten, überall sind Polizisten. Man fühlt sich also sicher, aber doch unwohl. 

 

Am nächsten Morgen fährt Lisa ab, Johann und ich wechseln das Hostel. Wir erkunden fortan die Stadt auf dem Rad und finden einige schöne Orte. Zuerst fahren wir zum Künstlerviertel 798. Obwohl wir am Anfang gleich zwei sehr charmante Galerien finden und uns genau am richtigen Ort glauben, stellt sich dann nach und nach große Enttäuschung ein. Der Ort ist inzwischen leider von Kommerz beherrscht. Große Unternehmen nutzen das künstlerische Flair, um sich ein kreatives Image zu geben. Wir fahren also zurück und möchten gerne noch einen ruhigen Ort finden um Johanns verstorbenem Großvater zu gedenken. Wir entscheiden uns zum Sommerpalast zu fahren. Und es ist herrlich. Als wir dort ankommen verlassen die meisten Besucher das Gelände schon wieder, es ist halb sechs. Der Park hat bis um acht offen und wir verbringen die ganze Zeit mit einem Rundgang, immer am See entlang. Wir genießen einen herrlichen Sonnenuntergang, die äußerst ruhige Atmosphäre im unglaublich idyllischen und gepflegten Ambiente und die klare Luft.

 

Beim Radfahren kommen wir immer an schönen Sehenswürdigkeiten, Parkanlagen und Seen vorbei. Am letzten Tag schlendern wir einfach so noch durch chinesische Stadtviertel, besuchen den Lama-Tempel und ich besuchte ein kleines Friseurgeschäft. Der Friseur war hoch erfreut, sprach sogar ein bisschen Englisch und ließ Johann sich auf seiner Wand verewigen, während ich den Haarschnitt bekam. Das war in einem sehr hübschen Stadtviertel mit kleinen, chinesisch aussehenden Häusern. Man hatte das Gefühl, hier Einblick in einen authentischen Lebensstil zu bekommen.

 

Wir verließen Beijing mit unglaublich vielen schönen Eindrücken und mit dem Gefühl, viel Glück gehabt zu haben, weil alles so wunderbar geklappt hat.

Bezahlen

Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, sollte man ein chinesisches Konto eröffnen und mit dem Handy bezahlen. Unglaublich schnell und praktisch. Außerdem tun es alle und viele Geschäfte sind dankbar, wenn man nicht in Bar zahlt. Die Programme heißen Alipay und WeChat. Außerdem kann man damit in Apps bezahlen, zum Beispiel um Fahrräder auszuleihen (siehe „Fahrrad fahren“)

Busreise

Einmal nahmen wir, zusammen mit dem Kunstlehrer und seiner Frau an einer chinesischen Busreise teil. Als es ums Buchen der Reise ging, wurde uns gesagt, dass wir mit einem Bus in die Natur fahren würden, Fahrt so zwei Stunden. Wir fuhren dann auf der ersten Etappe ca. sechs Stunden. Nach dem ersten Pinkelhalt begann das Entertainment im Bus. Zunächst machte einer der Guides mit Tüchern, die alle bekommen hatten, lustige Spielchen. Dann sollten sich alle nacheinander vorstellen. Wir verstanden natürlich nichts, aber alle waren sehr neugierig, uns kennen zu lernen. Es kommen wohl nicht oft (warum nur??) Ausländer auf solche Reisen mit. Wir wurden jedenfalls gebeten, ein Lied zu singen und taten es auch prompt (Am Brunnen vor dem Tore, zweistimmig), nicht wissend, dass anschließend auch noch Leute durch Zahlenspiele ausgelost wurden, die dann durch das Busmikrofon ein Lied ohne Playback zum Besten geben mussten. Johann war einer von ihnen uns sang dann noch „My Way“. Wir stiegen an einer Stelle aus, einem „scenic spot“, wo wir zwei Stunden Zeit hatten, um uns auf einem abgesteckten Gelände an einem Fluss aufzuhalten. Es lief laute, kitschige Musik, es gab ein paar Ausstellungsräume, man konnte einen Wasserfall entdecken und auf Steinen den Fluss überqueren. Aber alles eben sehr erschlossen und inszeniert. Dann führen wir noch über eine Stunde weiter zum eigentlichen Ziel, einem wohl über 700 Jahre altem Dorf. Das war wirklich charmant und sehr chinesisch, mitten in den Bergen gelegen mit einem Gebirgsbach, der mitten durch das Dorf rauschte. Als wir gerade angefangen hatten, auf Treppen einen der Berge zu besteigen, um das Abendlicht noch zu nutzen, bekamen wir einen Anruf, dass wir jetzt zum Essen kommen sollten, es sei jetzt bestellt. Während wir aßen (obwohl das auch sehr schön war, an einem runden Tisch mit vielen regionalen Köstlichkeiten), ging draußen die Sonne unter. Danach konnte man sich noch im durch Lampions beleuchteten Dort bewegen, aber von der Natur hatte man nicht mehr viel. Die Unterkunft war allerdings sehr charmant. Dass das Haus mit Holz gebaut war, erzeugte ein unfassbar gemütliches Raumklima, und wir hatten ein Fenster zu dem Gebirgsbach, der munter rauschte. Wir nahmen uns vor, am nächsten Morgen um fünf Uhr aufzustehen, um noch den Berg zu besteigen, was uns natürlich nicht gelang. Der Bus fuhr kurz nach halb acht. Nach weiteren zwei Stunden Busfahrt erreichten wir den letzten „scenic Spot“ der Reise. Ein großer Fels, der imposant und nackt emporragt. Dieser ist umrahmt von Gewässern. Auch hier folgten wir einem abgesteckten Pfad, hatten etwa zwei Stunden Zeit, viel zu viel. Wir aßen dann noch mit den anderen zu Mittag, bevor der Bus alle zurückbrachte. Von der Kilmaanlage habe ich, Johann, mir eine Erkältung zugezogen.

Chinesisch

Chinesisch stellt ganz andere Herausforderungen, als westliche Sprachen. Allein, dass man an der Schrift nicht erkennen kann, wie ein Wort klingt. Dazu kommt natürlich, dass man, auch wenn man Worte nach unserem Ermessen richtig gesagt hat, trotzdem nicht verstanden wird, weil man falsch gesungen hat. Trotzdem sollte man sich wenigstens ein paar Brocken verbal aneignen, da Englisch noch immer nur bei Akademikern zu erwarten ist.

Wo es am wichtigsten ist, sich verständigen zu können, ist in kleinen Restaurants. Zwar gibt es oft Bilder, auf die man zeigen kann, aber eben nicht immer. Worte, die man gut gebrauchen kann sind also:

- Zahlen von eins bis hundert (nicht schwer zu lernen). Man sollte sich auch unbedingt gleich zeigen lassen, wie man mit den Händen bis hundert zählt. Das unterscheidet sich ein bisschen von Region zu Region.

- möchte/möchte nicht (yao/bu yao)

- Gibt es/gibt es nicht (you/meiyou)

- Wie viel kostet das (in etwa so: duo schau tschjän)

- Weiß ich nicht/verstehe ich nicht (Bu zhidao)

- Zum Mitnehmen (dabao)

- Fleisch, Gemüse, Nudeln, Reis, kalte Nudeln (löng mien)

Viel mehr kann ich nach vier Monaten nicht, bin aber ganz gut damit zurechtgekommen.

Deutsch unterrichten

Meiner Erfahrung nach, wird hier unglaublich viel Grammatik unterrichtet, oft ziemlich frontal. Das kann bei den Schülern eine Hemmschwelle hervorrufen, zu reden. Zum einen sind interaktive Unterrichtsformen hier noch nicht so verbreitet, sodass Schüler nicht gewohnt sind, im Unterricht einen hohen Redeanteil zu haben. Zum anderen ist die Angst dann groß, etwas nicht richtig zu sagen.

Wenn man also Deutsch unterrichten möchte, sollte man sich unbedingt ein paar schriftliche Arbeiten der Klasse durchlesen, um zu wissen, wie viel sie verstehen können. Denn beim Sprechen zeigen die meisten Schüler nicht ihr volles Potential. 

Man kann dann, wenn der Raum das hergibt, durchaus Gruppenarbeiten machen, kleine Theateraufführungen umsetzen lassen etc. Man sollte aber alles sehr kleinschrittig planen und erklären. Die SuS werden, wenn sie etwas nicht verstanden haben, nicht nachfragen, sondern einfach nichts tun. Sie sind nicht gewohnt, Gruppen zu bilden, sich im Klassenraum zu bewegen, oder andere freie Unterrichtsformen umzusetzen und sind schnell verunsichert. Deshalb sind sehr penible Vorbereitung und Erklärung, am besten mit Abbildungen wichtig. Wenn es dann klappt, nehmen die Schüler solche Methoden auch dankbar an. Man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, dass es mitunter länger dauert, die Klasse zu aktivieren. Zumindest ist das die Erfahrung an unserer Schule. Das lässt sich natürlich nicht auf alle Klassen und Schulen pauschalisieren. Wie überall gibt es auch eine Heterogenität in den Klassen. Manche Schüler sind durchaus aktiver als andere. Die Aussagen, die wir getroffen haben, sind aber doch nützlich für die Planung eines Unterrichts, da man auf manche Eventualitäten besser gefasst ist.

Essen

Am komischsten ist das Frühstück. Man ist einfach nicht gewohnt, schon morgens gebratenen Reis, oder mit Fleisch gefüllte Teigtaschen (Baozi), oder Langos-artige Gebäcke zu essen. Mit Stäbchen. Aber ansonsten ist eigentlich alles sehr lecker und unbedingt probierenswert. Nach einer Zeit stellen sich klar Favoriten heraus. Für mich (Elsa) ist das am Vormittag gedünsteter Kürbis und Sojamilch. Am Mittag Reis mit Scheiß (Buffet im obersten Stockwerk der Schulkantine, nur für Lehrer, recht erschwinglich). Abends am liebsten gezogene Nudeln in Suppe (auf Chinesisch: Lamien, am besten in muslimischen Geschäften, in denen man beobachten kann, wie aus einem Klops Teig durch Ziehen, Schlagen, Wickeln, unglaublich leckere, lange Nudeln werden.)

Für mich (Johann) ist das Beste am Frühstück nur Jiaozi zu essen (Maultaschen), gedippt in Essig. Dazu einen Kaffee, den ich in Deutschland nie trinken würde. Viel zu süß mit wahrscheinlich nicht einer Kaffeebohne und Trockenmilch. Sonst habe ich sehr viel Freude, alles zu probieren. Besonders die interessant wirkenden Getränke in Wegwerfflaschen, die meist aber viel zu süß und im schlimmsten Fall auch ein bisschen eklig schmecken. Sonst genieße ich das Essen hier sehr, besonders, dass man spontan in irgendeinen kleinen Shop gehen kann, auf Schrift zeigt, die einem nichts sagt, und so bekommt man jedes Mal ein Überraschungsmenü. Natürlich habe ich auch einige Favoriten: Die Absolute Nummer eins ist Löngmien. Das sind kalte Nudeln mit Gemüse, Gewürzen und Essig.

Fahrrad fahren

Geht in China innerhalb der Städte super! Es gibt zwei Möglichkeiten, um Zugriff auf die wirklich sehr gut funktionierenden Fahrradleihsysteme zu bekommen. In vielen Städten gibt es ein städtisches Fahrradsystem. Man kann seine Nahverkehrskarte für das Radsystem freischalten lassen und muss dafür an einem Schalter ein Pfand einzahlen, das man zurückbekommt, wenn man die Karte wieder abgibt. Die städtischen Räder befinden sich in Radstationen, fast überall, die Vernetzung mit dem Bus- und U-Bahn System ist super. Wenn man sich nicht an die Radstationen binden will, kann man Fahrräder von zahlreichen privaten Anbietern benutzen. Das geht über Apps und ist nur dann möglich, wenn man ein chinesisches Konto hat. Man kann dann über die App die Geheimzahl des Zahlenschlosses bekommen, das Rad aufschließen, so lange fahren, wie man will und es wo man will wieder abstellen, für den nächsten, der es findet.

Das System hat den Vorteil, dass man sich nicht selbst um die Wartung von Rädern kümmern muss (also ölen, flicken, etc.) und dass es unglaublich günstig ist. Man zahlt meistens nichts. Wenn man mehr als eine Stunde unterwegs ist, 1 RMB (15 cent).

Es gibt überall breite Radwege, die man sich mit den Elektrorollern teilt. Motorroller sind in vielen Städten verboten, Elektroroller haben nicht so viel Power, man muss also keine Angst haben. Man muss nur die Augen offen halten und so fahren, wie die anderen. 

Also: unbedingt Fahrrad fahren. Man ist genauso schnell, wie mit der U-Bahn, hat aber viel mehr gesehen und erlebt. 

Empfehlung für größere Leute: In Ningbo geht der Sattel bei den städtischen Rädern mit den silbernen Pedalen am höchsten.

Gulou

Das ist die chinesische Bezeichnung für einen Glockenturm. Das ist ein chinesisches Gebäude, das wohl eine lange Geschichte hat. Es ist das alte Stadttor. In Ningbo ist Gulou eines der Stadtzentren. Hier kreuzen sich die U-Bahnen und es gibt eine charmante Fußgängerzone mit vielen Geschäften, historisch aussehenden wieder aufgebauten Häusern mit roten Lampions. Auch in Beijing ist Gulou im Stadtzentrum. Wenn es Gulou gibt, findet man dort die Altstadt, wenn es eine gibt.

Gaokao

Das Gaokao ist das chinesische Äquivalent zum Abitur. Nach zwölf Jahren schulischer Bildung wird dieser Test, der für ganz China zentral am gleichen Tag stattfindet, geschrieben. Er bestätigt die Hochschulreife und entscheidet gleichzeitig durch die Punktzahl, an welche Universität man kommen kann. Da im wachsenden Wohlstand immer mehr Chinesen das Studium an einer guten Universität anstreben, unterliegen inzwischen nicht nur die Universitäten Rankings, sondern immer mehr auch die Schulen. Dazu kommt, dass es einfacher ist, an eine bestimmte Schule oder Universität zu gelangen, wenn man in der Nähe wohnt. Das heißt, dass Familien mit Kindern im Schulalter zum Teil mehrfach umziehen, um in der Nähe der jeweiligen Wunschschule zu wohnen. Das treibt natürlich die Mietpreise in der Umgebung guter Schulen in die Höhe. Am Tag der Prüfung werden im Umkreis der Schulen sämtliche Datenverbindungen unterbunden. Damit die Schüler sich voll auf die Prüfungen konzentrieren können, werden außerdem Bauarbeiten eingestellt, Straßen gesperrt, damit die Prüflinge gut zur Prüfung kommen, und für manche Berufe ist sogar Feiertag. Bei den Prüfungen wird um jeden Punkt gerungen und das Gaokao gilt als eine der härtesten Zulassungsprüfungen der Welt. So wie ich es verstanden habe, lernt man nur, um an eine gewisse Universität zu kommen. Welchen Studiengang man dann belegt, ist einigermaßen egal. So haben zum Beispiel meine Kolleginnen in der Deutschabteilung nur angegeben, dass sie an Sprachen interessiert sind. Die Sprache Deutsch wurde einfach zugeteilt. Nach dem Gaokao findet wohl auch im Leben der jungen Menschen ein riesiger Bruch statt. Das Leben, das vorher wirklich nur aus Lernen bestanden hat, wird an der Uni wohl zu einem Spaßleben. Man schaut, dass man irgendwie die Prüfungen schafft, aber man ist endlich nicht mehr unter dem Druck der Eltern. Dass man zum Teil in 8-Bett-Zimmern schläft, scheint der studentischen Lebenslust keinen Abbruch zu tun. So wurde es uns jedenfalls geschildert. 

 

Obwohl an unserer Schule kein Gaokao geschrieben wird, konnten wir es doch ein bisschen miterleben, da unsere Schule Gastgeber für die Prüfungen war. Das bedeutete für uns, dass am Sonntag vorher unterrichteten, anstelle von Mittwoch. Ab Dienstag Mittag fand kein Unterricht mehr statt. Unsere Schüler mussten stattdessen die Klassenräume aufräumen und putzen und alle Bücher in die Lehrerzimmer bringen. Die gereinigten Klassenräume wurden mit einem Papierstreifen verplombt. Sie wurden erst am nächsten Tag von zuständigen Betreuern geöffnet. Ich fragte einen Lehrer, was passieren würde, wenn man einfach den Papierstreifen zerreiße. Er sagte, dass der Raum dann nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Mich beschlich kurz das Bedürfnis, alle Papierstreifen zu zerreißen, um zu sehen, was passieren würde. Außerdem konnten wir am Tag der Prüfung die zahlreichen Eltern sehen, die vor dem Tor mitfieberten. Und vor dem Gaokao konnten wir Schüler beobachten, die schon einmal überprüften, in welchem Raum sie schreiben würden, um ihn ja auch finden zu können.

Hotpot

Ist bei Chinesen unglaublich populär. Hotpot ist so wie Fondue. Man hat in der Mitte eine brodelnde, wohlschmeckende Flüssigkeit. Dann werden zahlreiche Zutaten zusammengestellt, Fleisch, Gemüse, Pilze, Eier, Teigdinger usw. Außerdem stellt sich jeder an einer Art Büffet einen Dip zusammen. Man kann zwischen verschiedenen Ölen, Essig, und anderen Soßen wählen, sich Gewürze und Kräuter und Nüsse zusammenmischen. Dann heißt es den gesamten Abend: eintauschen, rausfischen, ditschen, Essen. Am besten ist das in einer großen Runde, auch mit Alkoholkonsum.

Hangzhou

Hangzhou ist eine historische Stadt, an der Mündung des Gelben Flusses, zwischen Shanghai und Ningbo (wo unser Austausch war). Hangzhou ist berühmt für Tee und Seide, es liegt an der Seidenstraße und ist die politische und kulturelle Hauptstadt der Provinz Zhejiang. So gibt es in der Stadt die zweitbedeutendste Kunstuniversität Chinas. Vor allem aber ist die Stadt bei Chinesen sehr beliebt, wegen des idyllischen West-Lakes. Er ist vor allem deshalb so berühmt, da er in vielen (vor allem romantischen) Sagen und Geschichten eine bedeutende Rolle spielt. In Ningbo befindet sich zum Beispiel ein ähnlich großer See mit schöner Bergkulisse und den typischen chinesischen Türmchen, der aber eben nicht so sagenumwoben ist. 

 

Wir haben in Hangzhou als Helfer bei einem Theaterwettbewerb des Goethe-Instituts teilgenommen. Es war das Finale und insgesamt nahmen zwölf Teams an dem Workshop mit abschließender Aufführung teil. Zum Workshop war ein Schauspielteam „Die Mimosen“ eingeladen, die drei Tage lang sowohl mit der gesamten Gruppe theaterpädagogisch arbeiteten, als auch jeden Tag mit den einzelnen Gruppen versuchte, das Beste aus den jeweiligen Theaterstücken herauszuholen. Das Thema lautete „Träume der Talente“ und viele Gruppen hatten wirklich schöne, individuelle Ideen zu dem Thema entwickelt. Auffällig war der immense Unterschied in der Sprachbeherrschung. Manche Schüler hatten gerade erst ein halbes Jahr Deutsch mit zwei Stunden in der Woche gelernt. Andere kamen von Sprachgymnasien und konnten sehr gut Deutsch und Englisch. Sobald die SuS aber ihre Theaterstücke vortrugen, spielte das keine Rolle mehr. Alle hatten die gleichen Chancen. Es gewann ein Team aus Schülerinnen, die gerade erst mit Deutsch lernen angefangen hatten. Das Gewinnerteam bekam die Möglichkeit, an einem Sommersprachkurs in Deutschland teilzunehmen. Solltet ihr die Chance haben, an solchen Schülerbezogenen Programmen des Goethe-Instituts teilzunehmen, solltet ihr sie auf jeden Fall ergreifen. Neben dem Theaterwettbewerb gibt es noch andere Ausschreibungen.

Immigration

Die Regierung wünscht sich zwar mehr Internationalität. Aber in den chinesischen Städten außerhalb von Shanghai und Beijing sieht man nur sehr vereinzelt Ausländer. Außereuropäische Ausländer, wie Westafrikaner und Inder kommen oft zum Studieren nach China. Leute, die aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen aus ihren Ländern fliehen und versuchen in China Asyl zu bekommen, haben nach dem, was wir durch Gespräche erfahren haben, große Hürden zu überwinden. Lehrer, die wir als Freunde bezeichnen pauschalisierten Flüchtlinge als gefährlich, illegal, ausbeuterisch und befragten uns über die Problematik in Deutschland und Europa mit dem Hintergrunddenken, dass Europa eine Schwemme von kriminellen Einwanderern erfahre. 

Eine weitere Beobachtung ist, dass man als Ausländer nie gleichwertiger Teil der Gesellschaft ist. Mit Integration von Ausländern und Kulturaustausch oder Adaption gibt es hier nicht viel Erfahrung. Zwar besteht ein wirtschaftliches Interesse an der Zusammenarbeit mit Ausländern. Aber es ist für uns sehr schwer, Zugang zu dem komplexen Beziehungsgeflecht und den hier herrschenden Sozialstrukturen zu bekommen. Wir haben einen Sonderstatus und sind manchmal auch „außen vor“, auch wenn wir mit sehr viel Gastfreundschaft begrüßt werden.

Man muss hier außerdem das Thema der inländischen Immigration ansprechen. So kann man als chinesischer Bürger nicht ohne weiteres die Provinz wechseln. Da es vor allem in den westlichen Provinzen nicht genügend Arbeit gibt, kommen viele junge Menschen als Gastarbeiter in den Osten des Landes, auch nach Ningbo. Sie sind dann illegal vor Ort, haben keine Arbeitserlaubnis und müssen entsprechend niedrigste Löhne akzeptieren, sie haben keinen Zugang zu Sozial- und Gesundheitssystemen. Das wird vor allem dann problematisch, wenn diese Arbeiter versuchen, sich eine neue Existenz aufzubauen, aber ihre Kinder keinen Zugang zum Bildungssystem bekommen.

Wenn man allerdings eine gute Ausbildung hat oder in eine Provinz einheiratet, lässt sich der Provinzwechsel legal organisieren. So gibt es an unserer Schule Lehrer, die aus anderen Provinzen stammen und zum Arbeiten in Ningbo leben.

Integration

In China ist Integration das A und O. Das betrifft innerhalb des Praktikums vor allem das Schülerverhalten. Oft ist es so, dass die SuS, wenn sie aufgerufen werden, erst mit allen im Umkreis Rücksprache halten, bevor sie eine Antwort geben. Fragt man nach Hobbies, so kommen fast nur Standartantworten. Wenn man fragt, was die Lieblingsjahreszeit ist, wird geantwortet, dass es der Sommer sei, weil man da Wassermelone essen und die Klimaanlage benutzen kann. Wenn SuS ein Bild von einer Sonne malen sollen, sieht sie garantiert bei allen gleich aus.

 

Wer hier groß wird, lernt, sich anzupassen. Das hat, denke ich, etwas damit zu tun, dass hier die Auffassung vorherrscht, dass alles am besten ist, das zum Wohl der Gruppe geschieht. In Deutschland würde das bedeuten, dass jeder mit seinen individuellen Fähigkeiten und Stärken versucht, das Beste für alle zu erreichen. Hier bedeutet das, dass man das Individuum so gut wie möglich negiert. Alle individuellen Überzeugungen bleiben im Innern und werden wenn überhaupt nur in engsten Kreisen artikuliert. Am besten ist es, wenn man nicht auffällt und sich anpasst.

 

Für uns Praktikanten bedeutet das vor allem, dass man sich nicht zu viel wundern sollte. Ich denke, dass man sich nicht verbiegen muss. Wir sind ja Repräsentanten deutscher Kultur. Und als Teil unserer Kultur können wir die Schüler auch ermutigen, eigene Antworten zu geben. 

 

Wir können uns auch trauen, innerhalb der Schule Wünsche direkt anzusprechen. Gerade innerhalb unserer Praktikumsschule sind die Verwaltungsstrukturen sehr komplex. Wir wussten nie genau, wen man für welche Zuständigkeit ansprechen soll. Am Anfang hat das sehr verunsichert und wir dachten, dass wir Probleme etc. lieber nicht direkt artikulieren sollten, da das vielleicht auf Mitarbeiter zurückfallen könnte, die gar nichts damit zu tun haben oder nichts dafür können. Im Nachhinein denke ich, dass man hätte mutiger sein können. Die Schulen sind sehr an uns Praktikanten interessiert und wollen alles in ihrer Macht stehende tun, um unseren Aufenthalt angenehm zu gestalten, damit weitere Praktikanten an die Schule kommen. Wenn man also besondere Projekte umsetzen möchte, so ist unsere Erfahrung, sollte man das zwar zunächst mit den Betreuern absprechen, aber das auf jeden Fall mit den entsprechenden höhergestellten Zuständigen persönlich abklären, auch mit Hilfe der Betreuer, die übersetzen können. (Ich, Elsa, wollte zum Beispiel gerne in einem Klassenzimmer mit Klavier den Deutschunterricht abhalten, um mit den Schülern deutsche Songs zu erarbeiten. Das war unglaublich kompliziert, da die Klavierräume zu einer anderen Abteilung gehören. Da hat also meine Betreuerin ihren Abteilungsleiter gefragt und der meinte, es ginge nicht, weil es eine andere Abteilung sei. Erst als ich wiederholte Male mit expliziten Raumvorschlägen auf meine Betreuerin zuging, redete der Abteilungsleiter mit der Musikabteilung. Hätte ich persönlich mit dem Abteilungsleiter geredet, hätte ich mein Anliegen direkter vortragen und erwirken können, dass Kontakt mit der Musikabteilung aufgenommen wird.) Man sollte sich also nicht zu viele Sorgen machen und vor allem nicht versuchen, sich zu verbiegen, da man doch die chinesische Kommunikationskultur nie ganz verstehen wird und sich erst recht nicht konform darin verhalten kann. Wir haben den „Ausländerbonus“. Viele Lehrer gehen hier im Übrigen auch den Weg der Nichtkommunikation, nach dem Motto „was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, da man befürchten muss, dass der Vorgesetzte Vorschläge willkürlich nicht gestattet. Allerdings ist das bei Praktikanten eher nicht der Fall, da wir ein bisschen einen Sonderstatus haben. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, ist eine andere Frage.

Jahrgänge

Die Klassen an unserer Schule wurden nach den Jahren, in denen sie an dieser Schule angefangen haben, bezeichnet. So hieß die höchste Klasse 14 deutsch, die jüngste 16 deutsch. Es hat recht lange gedauert, bis wir dahinter kamen.

Kinder

Kinder sind das Zentrum des Universums. Wir denken, dass das durch die Einkind Politik kommt. Wenn jede Familie nur ein Kind bekommen kann, bedeutet das für die nächste Generation, dass es auch nur ein Enkelkind gibt. Ein kleines Kind ist also fast ununterbrochen umgeben von bis zu sechs Erwachsenen, die alles für dieses eine Kind tun! 

 

So gibt es in den Einkaufszentren eine ganze Etage, in der nur Geschäfte für Kinderbedarf sind, natürlich mit entsprechendem Entertainment. Wenn Kinder etwas begehren, bekommen sie es einfach.

 

Kinderentertainment ist hier Quietschbunt und erinnert sehr an die USA. 

 

Unsere Besuche in einem chinesischen Kindergarten haben auch gezeigt, dass der Umgang mit den Kindern nicht wirklich natürlich ist. Die Art und Weise, wie die Kindergartenlehrer mit den Kindern sprechen, ist sehr aufgesetzt, fast Comicartig. Wir wurden auch explizit aufgefordert, „happy“ zu sein im Umgang mit den Kindern. Gleichzeitig konnten die Kinder sich im Raum alles nehmen, was sie wollten, öffneten alle Schubladen, schlugen sich gegenseitig mit Klangstöcken, alles in Anwesenheit der Eltern, die das nicht weiter schlimm fanden. (Das konnten wir in einem Unterricht beobachten. In Gruppen, die schon besser an die Struktur „Kindergarten“ gewöhnt waren, artete es nicht so aus.)

 

Die Auffassungen von Erziehung und Kindeswohl sind recht weit von unseren Überzeugungen entfernt.

Kommunismus vs. Kommerz, Konsum

Es ist schon komisch, in einem kommunistischen Land zu sein, in dem sich alle Ideale des Kommunismus ins Gegenteil verkehren. Zwar wird nach außen hin alles für die Gruppe getan und der Grad der Anpassung ist sehr hoch. Aber auf individueller Ebene ist persönlicher Profit das einzige Ziel. Und Profit ist hier: Geld. Fragt man Schüler, was sie sich für ihre Zukunft vorstellen, so ist die Antwort in der Regel: möglichst viel Geld verdienen, oder sich gut (das heißt mit einer reichen Person) zu verheiraten. Zu Familienfesten schenkt man sich Geld in roten Umschlägen. Man versucht um jeden Preis ein großes Auto zu besitzen, auch wenn man sich dafür verschulden muss, um den Anschein zu erwecken, man habe viel Geld. Geld eröffnet einem hier alle Möglichkeiten. Das betrifft nicht nur Bildung, sondern alle Aspekte des Lebens, nicht zuletzt die Freizeitgestaltung. So ist Einkaufen hier die Beschäftigung Nummer eins, die Shopping-Mall die Wochenendbeschäftigung für die ganze Familie (siehe „Mall“).

 

Leider spielt das auch für uns Praktikanten eine gewisse Rolle. Gerade an unserer Schule haben wir gemerkt, dass die Vorgesetzten der Schule nicht etwa wegen des Austauschs von Sprache und Kultur an uns interessiert sind, sondern aus repräsentativen Gründen. Ausländer sind so etwas wie Prestige-Objekte. Wenn eine Schule viele ausländische Lehrer vorweisen kann, steigt der Ruf der Schule, was wiederum die Karrierechancen der hohen Leute innerhalb der Schule verbessert. 

 

An unserer Schule gibt es zum Beispiel eine Tafel, auf der Sprachen aufgelistet sind, die angeblich an der Schule unterrichtet werden, etwa Isländisch. Die meisten dieser Sprachen hat kein Schüler an dieser Schule je gelernt. Tatsächlich werden hier (immerhin) Englisch, Japanisch, Koreanisch, Französisch und Deutsch unterrichtet. Für die meisten dieser Sprachen gibt es sogar muttersprachliche Lehrer. Unsere Schule legt großen Wert auf Prestige und gute Außenwirkung.

 

In diese Karrierebasteleien spielen auch Beziehungen mit hinein, in die wir keinen Einblick bekommen. Wer gute Beziehungen hat, kann mehr erreichen. So wie ich es verstanden habe, kann man aber durch Geld auch gute Beziehungen bekommen.

Kunst

Unsere Schule hat einen Kunstzweig. Die Schüler der Kunstklassen spezialisieren sich zur Hälfte auf Tanz, die andere Hälfte auf Musik. Kunstunterricht, der dem in Deutschland näher kommt, wird in der Vorschullehrer Abteilung gegeben.

 

Das curriculare Wissen bezieht sich auf die Verteilung und Reduzierung des Lernstoffs, um dem Fach möglichst gut gerecht zu werden. 

 

In diesem Punkt widerspricht sich das staatliche Bildungssystem. Auf der einen Seite wird mit dem 13. Fünfjahresplan ein interaktiver Unterricht gefordert, in dem die SuS zu eigenständigen Denken animiert werden sollen, auf der anderen Seite schreibt die Regierung einen Lehrplan vor, der die Themen sehr eingrenzt und keine Anregung für den Lehrer gibt. Dazu kommt, dass das Lehrbuch, welches von der Provinzregierung ausgesucht und festgelegt wird, als Grundlage für die Erarbeitung des schulinternen Lehrplans ist, den die Kunst-LuL dann frei im Kollegium gestalten können. Dabei muss beachtet werden, dass es sich hier nicht wie in Deutschland um einen Kompetenzplan handelt. So kann man sich vorstellen, dass der Lehrplan, wenn er bei den Fach-LuL ankommt, schon durch zwei Instanzen gegangen ist, nicht mehr so viel Handlungsfreiraum bietet.

 

Eine Beobachtung, die ich gemacht habe, ist allerdings auch, dass die LuL nicht nach neuen, interessanten Themenfeldern suchen oder sie zusammen erarbeiten. So wird zum Beispiel das Themenfeld „Ausdruck von Farbe“ gewählt und die LuL können dann zusammen erarbeiten, welche die notwendigen zu behandelnden Punkte sind. In den Stunden, in denen ich hospitierte und in den Gesprächen mit den LuL, die dieses Thema behandelten, konnte ich keinen Versuch erkennen, die mögliche Freiheit zu nutzen. Die Stunden bestanden die ganze Zeit nur aus Malen von Bildern in verschiedenen Techniken und Stimmungen. Es ging nie über die Malerei hinaus, so dass die SuS es schwer haben, Anknüpfungspunkte zu ihrem restlichen Leben zu finden. 

 

Vielleicht liegt es daran, dass die LuL in ihrer Ausbildung auch nicht gelernt haben, den Tatbestand zu hinterfragen. So wird das, was die Gesellschaft für Kunst hält, auch weiter gelehrt. 

 

Bei einem Besuch der Universität für Bildende Kunst Hangzhou bekam ich einen kleinen Einblick in eine Klasse der traditionellen chinesischen Kunst und eine Klasse der experimentellen Malerei. In der traditionellen Klasse kopierten die Studenten gerade eine alte Malerei mit einem Pflanzenmotiv. Trotz der genauen Vorgabe der Aufgabe hatte man das Gefühl, dass die Studenten frei in ihrem Handeln waren. Es war wie ein Ritual. Sie atmeten tief ein und konzentrierten sich auf den nächsten Schritt. Ich konnte Beobachten, dass durch die Ordnung eine geistige Freiheit entsteht, die dem Künstler den Raum gibt, in seine eigene Gedankenwelt einzutauchen und dieser Malerei seine eigene Nuance zu geben. Es ist wie in der klassischen Musik, bei der Interpretation eines Stückes. 

 

In der Klasse der experimentellen Malerei dagegen konnte ich keine der Freiheiten entdecken. Es gab keine Rituale, wie der Künstler den Weg seiner freien Gedanken festigen konnte und es gab nicht die Freiheit für die Studenten, den Weg ihrer Gedanken selbst zu formulieren. Das Studium bestand aus dem Abmalen von Stillleben und Modellen mit Ölfarbe auf Leinwand, alle malten das gleiche Motiv, alle nach heutigen Maßstäben realistisch. Das Experimentelle wurde für mich nicht ersichtlich. Ich sah viele Bilder in dem Stil von Julian Freud. Malerei die in Europa in den 60er Jahren vielleicht als experimentell bezeichnet wurde.

 

Es hat den Anschein, als würde die Europäische Kunst als modern und fortschrittlich gesehen und dadurch auch in die Lehre der Universität aufgenommen. Allerdings geht es nicht über das Erscheinungsbild hinaus. Es wird nicht nach dem Warum gefragt, so bekommt die Kunst einen dekorativen Charakter. Es wird versucht, das Chinesische und das Europäische Kunstverständnis zu vereinen. So werden, wie in der traditionellen chinesischen Malerei, die alten Meister Kopiert. An den Kunsthochschulen in Deutschland ist dies eher verpönt. So bleibt die Verbindung der beiden Kunstverständnisse zumindest in der Uni sehr oberflächlich. 

 

Durch diesen kleinen Exkurs in die Ausbildung an Chinesische Kunsthochschulen (die Universität in Hangzhou ist nach Peking die bedeutendste Kunstuniversität in China), bekommt man einen Eindruck, welches Kunstverständnis in China vorherrscht, was sich natürlich auch auf die Planung des Kunstunterrichtes auswirkt. 

 

Es werden fast ausschließlich die handwerklichen Fähigkeiten der SuS gefördert. Auf die Hintergründe, welche Wege es gibt, um etwas Eigenes zu kreieren oder eigene Gedanken in die Arbeit einfließen zu lassen, wird im Unterricht nicht näher eingegangen. 

 

In der Abteilung, in der ich unterrichtete, wurden werdende Kleinkindpädagogen ausgebildet. Ihre Abschlussprüfung nach der zwölften Klasse ist, wie jedes Jahr, das Erstellen eines Cartoons. Der Grund für das Thema ist, dass der Cartoon als kindgerechte Kunst angesehen wird. Die Ergebnisse dienen als Dekoration im Kindergarten und sollen eine fröhliche Stimmung verbreiten. Diese Einstellung schränkt die Art der Abstraktion natürlich ein. Meiner Meinung nach hat diese Form nichts mit Kunst zu tun, sondern ist rein dekorativ. Es fehlt der Bezug zu dem Künstler. Auch ist die Verbindung zu der Kleinkindpädagogik nur oberflächlich.

Welchen tieferen Sinn hat es, dass Kindergärtner lustige, freundliche Cartoons zeichnen können? Ich konnte noch keinen finden, der über die Dekoration des Kindergartens hinausgeht. Es scheint so, als sollten die Kindergärtner die Kinder animieren und unterhalten, auf Teufel komm raus glücklich zu sein.

 

Aus der Sicht eines deutschen Kunststudenten fehlen im chinesischen Kunstunterricht ein paar Freiheiten und die Förderung des eigenständigen Handelns und Denkens. 

 

Für meine zukünftige Arbeit kann ich lernen, dass der handwerkliche Aspekt der Aufgaben auch sehr wichtig ist, um den SuS die Möglichkeit zu gewähren, auch aus diesem Aspekt die Kunst besser zu verstehen.

 

Dem Meister oder der Meisterin über die Schulter gucken und versuchen es selbst zu machen. Diese Professionalität begeistert Menschen in allen Fachgebieten und kann auch als eine gute Motivationsquelle der SuS genutzt werden. Natürlich nur, wenn man es nicht dazu nutzt, ihnen zu zeigen, dass sie es nicht können. 

Kunst und Wirtschaft:

Ich konnte beobachten, dass die Kunst sehr von der Wirtschaft bestimmt wurde. Vielleicht sind die Künstler so auch besser zu kontrollieren, zumindest beschränkt es die Freiheit der Kulturschaffenden.

In Peking entstand aus einem alten Fabrikgelände(798) eine Arbeitsfläche für Künstler. Heute gibt es noch ein paar kleine Galerien und Arbeitsräume, die meisten Künstler mussten aber weichen. Nun findet man dort vor allem große Konzerne die mit innovativen Ideen und gutem Design werben, große Galerien, 4-D Kinos und andere Kuriositäten, die das Konsumverhalten bestärken sollen. So findet man dort sehr gute, hochwertige Kunst neben schlechtem, inhaltslosem Kitsch. Dabei meine ich nicht, dass der Inhalt dem Rezipienten wie ein Knüppel auf den Kopf treffen soll. Auch in Schanghai beobachtete ich Konzepte aus Zusammenschlüssen von Kunstausstellung und Wirtschaft, die ich vorher noch nicht gesehen hatte.

Liebe

Wie es mit der Liebe in China ist, habe ich immer noch nicht richtig verstanden. Für uns kaum vorstellbar, werden hier die allermeisten Ehen durch Arrangements der Eltern geschlossen. Da werden also zwischen Eltern zweier Kinder irgendwelche Verhandlungen getroffen, die zukünftigen Brautleute werden einander vorgestellt und heiraten dann, wenn es einigermaßen passt. Eltern in China sind der Auffassung, dass man nur in einer Ehe glücklich werden kann. Und da die meisten Familien nur ein Kind haben, muss die Ehe am besten lukrativ für alle Seiten geschlossen werden. Kurz nach der Heirat werden die jungen Leute von den Eltern gedrängt, Kinder zu bekommen. Denn ab dreißig Jahren gelten Frauen in China als zu alt, es sei dann nicht mehr gesund. Frauen, die mit dreißig noch nicht verheiratet sind, werden als „übrig geblieben“ bezeichnet. Sie werden wahrscheinlich nicht mehr heiraten. 

 

Es ist außerdem verboten, in China uneheliche Kinder zur Welt zu bringen. Uneheliche Kinder sind illegal und bekommen keine ID, haben keinen Zugang zu Bildung. (Ebenso, wie Kinder, die entgegen der Zweikindpolitik zu viel geboren werden, also z.B. das dritte Kind und für die sich die Eltern die Strafgebühr nicht leisten können.)

Das junge Ehepaar hat dann also ein Kind. Um die Bildung des Kindes finanzieren zu können, gehen beide Eltern weiter arbeiten, die Mutter hat nur drei Monate Mutterschutz. Die Kinder werden von den Großeltern erzogen, die mit 55 schon in die staatliche Rente gehen können, wenn sie eine staatlich unterstützte Arbeit hatten. Obwohl uns das alles sehr arrangiert und vorbestimmt vorkommt, ist die Scheidungsrate sehr gering. Das liegt natürlich auch am gesellschaftlichen Druck. Aber die Ehepaare, die ich kennen gelernt habe und deren Ehe arrangiert ist, wirkten dennoch zufrieden und planten zum Teil gerade das zweite Kind, das ja seit zwei Jahren erlaubt ist.

 

Liebe zwischen Eltern und Kindern wird hier auch anders ausgedrückt, als in Deutschland. Sobald die Kinder im Schulalter sind (also mit drei Jahren, denn ab dann beginnt die Vorschule. Im Kindergarten wird nicht etwa gespielt, sondern natürlich gelernt, je früher umso besser.), sehen sich Eltern in der Pflicht, ihre Kinder in der Ausbildung möglichst gut zu unterstützen. Das wird durch Geschenke und finanziellen Aufwand gezeigt, eine gute Ausbildung bringt in China unwahrscheinliche Kosten mit sich (Siehe Gaukau). Bei einer Hochzeit zahlen die Eltern die Wohnung des Brautpaars und womöglich sogar das Auto (die Verheiratungschancen bei jungen Männern sind wesentlich höher, wenn sie beides aufweisen können). 

 

Ansonsten gibt es in Film und Fernsehen unglaublich viel Liebe. Dort wird Emotion so sehr inszeniert, dass es uns schon fast unangenehm ist.

 

Sehr verblüfft waren wir, wie offen aber bei den Abschlusszeremonien an der Schule Abschiedstrauer gezeigt wurde. Bei der Danksagung an die Klassenlehrer stürmten die Schüler zum Teil auf die Bühne und umarmten als riesiger Kloß die Lehrer, die danach mit vor Rührung gezeichneten Gesichtern auf der Bühne standen und Taschentücher zückten. Das ganze wurde von unglaublich pathetischer und schmalziger Musik untermalt, die sowieso bei allen Anlässen nicht fehlen darf.

Mall

Die Shopping-Mall hat in China großen Erfolg. Riesige Einkaufspaläste, voll mit westlichen Geschäften und allem was das Herz begehrt. So gibt es Bühnen, von denen aus ununterbrochen Entertainment stattfindet, das gerne angenommen wird. Es gibt auf jeder Etage Kinderbetreuung oder Kinderbespaßungsecken, es gibt Kinos, Restaurants, Karaoke und große Supermärkte. Man kann den ganzen Tag in diesen Einkaufshallen verbringen und das wird oft getan. Glücklicherweise regnet es in der Mall nicht und sie ist, was die Chinesen sehr lieben, klimatisiert.

Wir nutzten die Tatsache, dass man in Cafés (v.a. Starbucks) ewig sitzen kann, auch ohne etwas gekauft zu haben, um dort am Computer zu arbeiten, wenn wir uns zu Hause nicht mehr konzentrieren konnten. Fast alle Cafés sind mit Steckdosen ausgestattet. Nicht selten findet man in Restaurants auch Handy-Lade-Stationen, die man einfach benutzen kann.

Ningbo

Ningbo ist eine Mittelgroße Stadt mit 7 Millionen Einwohnern, davon leben ca. 3,5 Millionen in der Stadt, der Rest im Umland, das sehr groß ist. Wir erleben Ningbo als eine sehr saubere und begrünte Stadt. Es gibt unglaublich viele Flüsse in der Stadt und entsprechend viele Brücken. Nicht so idyllisch, wie in Venedig, da die Straßen viel größer sind, aber doch charmant. Natürlich gibt es Fabriken und Armutsviertel. Aber wenn man durch die Stadt fährt, überwiegt doch der Eindruck eines wohlhabenden Ortes. Es gibt unglaublich viele Neubauten, es gibt eine Metro mit zwei Linien und vier weiteren im Bau, die im letzten Jahr eingeweiht wurde. In dem Zuge werden auch komplette Straßenzüge erneuert. Es gibt viele Grünanlagen und Parks, schöne Wege entlang der begrünten Ufer und etliche Orte zum Flanieren und einkaufen, ganz zu schweigen von den unzähligen Shopping-Malls.

 

Was den Wohlstand betrifft, haben wir das Gefühl, dass er in dieser Gegend nicht viel geringer ist, als in Deutschland. Zumindest gibt es sehr viele Leute, die ein sehr luxuriöses Leben führen. Natürlich bekommen wir keinen Einblick in die Verhältnisse der armen Familien, die wahrscheinlich wesentlich schlechtere Lebensbedingungen haben, als arme Familien in Deutschland. Die Schere zwischen Arm und Reich ist immens. Aber der Mittel- und Oberschicht geht es finanziell gut, das ist unser Eindruck.

 

Man hat sieht aber auch manchmal, dass der Wohlstandsplan der Regierung in Bauvorhaben umgesetzt wird, bevor der Wohlstand sich weit genug durchgesetzt hat. So wird jede unbebaute Fläche von Kleinbauern bewirtschaftet (von Hand!), an den modernsten Uferpromenaden findet man Fischer mit Schleppnetzen. Das weckt den Eindruck, dass die Verteilung des Wohlstands nicht sehr gut gelingt. Außerdem scheint die Wohnungspolitik nicht genügend Regulierungen zu unterliegen. Neubauten werden gebaut, ohne dass Bedarf besteht, sodass es große Immobilienspekulationen gibt. Diese Wohnungen werden als Wertanlage gekauft. Das macht Wohnfläche viel teurer, als sie sein müsste und führt dazu, dass viele Familien noch immer in improvisierten Baracken wohnen müssen, weil sie zum Beispiel durch Landwirtschaft nicht genügend Geld verdienen können. Man sieht sogar, dass nur zwanzig Jahre alte Wohnkomplexe wieder abgerissen werden. Womöglich zugunsten neuer, größerer Komplexe.

 

Wir fühlen uns in der Stadt sehr sicher. Außer dass man als Ausländer offen angestarrt und auch oft lautstark mit „Hello!“ begrüßt wird, kann man sich sehr frei bewegen und muss nichts fürchten. 

 

Obwohl viele Konsumgüter preislich vergleichbar sind, gibt es hier doch ein paar Dinge, die für uns günstig sind. Das sind vor allem das Essen in kleinen Restaurants und der Nahverkehr (incl. Fahrradausleihe). 

 

Natürlich hat Ningbo auch viele chinesische Eigenheiten zu bieten: Die vielen Elektroroller, deren Fahrer um sich vor Fahrtwind zu schützen riesige Topflappen am Fahrzeug haben, mit den hässlichsten Mustern. An jeder Ecke fahrende Händler, die auf allen möglichen Fahrzeugen ihre Güter aufgeladen haben und diese dann verkaufen, meist Obst oder Gemüse, manchmal auch Schuhe, Hüte, Brillen etc., alte Leute, die unter Brücken Mahjong oder andere Spiele spielen.

Ningbo Foreign Affairs School und NITI

Das ist unsere Schule in China. Es ist eine Art Berufsschule. Die Schüler besuchen diese Schule anstelle einer Highschoool und können dann in einem speziellen Programm trotzdem noch Zugang zu einer Hochschulausbildung bekommen. Es gibt an der Schule vier Ausbildungszweige: Den Kunstzweig, in dem der Schwerpunkt vor allem Tanz und Musik liegt. Den Preschool-Education-Zweig, in dem zukünftige Kindergartenlehrerinnen und -lehrer ausgebildet werden, diese Ausbildung ist sehr kunstlastig und beinhaltet Tanz, Klavier, Gesang und Kunst. Im international Trade Zweig liegt der Schwerpunkt auf Sprachen und die Schüler lernen bis zu 14 Stunden in der Woche entweder Business English, Koreanisch, Japanisch, Französisch oder Deutsch. Die Abteilung, auf die die Schule besonders stolz ist und in die auch am meisten Geld fließt, ist die TAFE-Abteilung. Hier können die Schüler, deren Eltern sich die hohen Schulgebühren leisten können, die australische Hochschulreife erlangen. Das findet in Kooperation mit Australien statt und tatsächlich gibt es einige australische Lehrer, die in dieser Abteilung unterrichten. Die Schüler können zum Teil sehr gut Englisch.

 

Der Campus der Schule, die etwa zehn Jahre alt ist, ist immens groß. Die Gebäude sind im westlichen Stil gebaut und muten einladend und großzügig an. Die Bibliothek etwa sieht aus wie ein etwas kleineres Replikat des White House. Außer der Bibliothek gibt es zwei Lehrgebäude mit jeweils vier Etagen, ein Art-Training Building, in dem sich die Musik- und Tanzräume befinden, zwei weitere Training Buildings mit Fachräumen, ein siebengeschossiges Verwaltungsgebäude, eine zweigeschossige Sporthalle, ein Café, ein Kino, ein riesiges Theater, ein runder, gläserner Konferenzraum, sowie das dreietagige Lehrerwohnheim und die zwei fünfetagigen Schülerwohnheime. All das auf einer recht großzügigen Anlage, mit riesigem Sportplatz, mehreren Brunnen, einer kleinen Hügellandschaft mit Bänken, Tennis- und Basketballplätzen und einem unterirdischen Parkhaus.

 

Obwohl die Schulgebäude so jung sind, sind in fast allen Fassaden Risse, in den Gebäuden ist an vielen Stellen Schimmel, die Handgriffe der Treppengeländer ist klebrig und teilweise schon rostig. Das liegt sicherlich daran, dass die klimatischen Bedingungen hier zu einer schnelleren Korrosion beitragen. Außerdem wird hier nicht so viel Wert auf Wartung gelegt und beim Bau nicht auf Nachhaltigkeit, sondern auf Schnelligkeit und Wirkung. 

 

Es erscheint uns deshalb wichtig, die Dimensionen des Schulgeländes so detailliert zu beschreiben, weil das das Schulgeschehen doch sehr prägt und auch die Frage aufwirft, wie viel von diesem großartigen Schein tatsächlich auch angemessen ist zu dem, was an der Schule passiert. 

 

Wie schon beschrieben, ist Repräsentation und Wirkung hier viel wichtiger, als bei uns. Dass aber die Diskrepanz zwischen Außenwirkung und Realität so groß ist, ist fast schon enttäuschend. So werden viele Fachräume nur aufgeschlossen, wenn hohe Repräsentanten der Regierung anwesend sind, mit der Begründung, dass sie für den Schulalltag zu schade und zu teuer wären. Wenn Vertreter der Regierung kommen, müssen die Schüler außerdem Schuluniform tragen, worauf normalerweise (außer montags, weil dann Flagraising- Zeremonie ist) nicht viel Wert gelegt wird. Die Schüler haben zusätzlich zur einheitlichen Schuluniform auch noch Klassenuniformen, die sie im Internet aussuchen und bestellen, diese sieht man wesentlich häufiger. 

 

Obwohl die Schule als Elite-Berufsschule beschrieben wird, hat sie innerhalb der Stadt einen sehr schlechten Ruf. „Was, an der Schule unterrichtest du? Da sind alle übrig gebliebenen Schüler“. Tatsächlich verstehen wir nicht ganz, welches Klientel ihre Kinder zu der Schule schickt. Wir wissen von einigen der Problemschüler (über die wir uns erkundigt haben), dass ihre Eltern eigene Unternehmen haben, die die Kinder später, unabhängig vom Abschluss, übernehmen werden. Andere Schüler haben wohl keine Chance, das Gaokao befriedigend zu absolvieren. Ihre Eltern erhoffen sich, dass die Schüler aufgrund der Fremdsprachenqualifikationen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Obwohl es eine Art Aufnahmetest für die Schüler gibt, die an diese Schule kommen möchten, scheinen die Hürden nicht sehr groß zu sein. Jedenfalls haben wir viele der Schüler nicht als sehr fleißig, engagiert oder interessiert wahrgenommen. Viele wirken eben, wie von den Eltern geschickt, ohne eigene Überzeugung.

 

Wie für die Schüler der Alltag an dieser Schule ist, steht im Abschnitt „Schulalltag“.

 

Wie schon gesagt, hat unsere Schule eine Art Sonderstatus, da die Absolventen auch ohne Gaokao Zugang zum College bekommen können. Um diese Möglichkeiten noch zu verbessern, ist ein zweiter, noch viel größerer Campus noch im Bau, auf dem dann hauptsächlich College-Betrieb sein wird. Der neue Campus heißt NITI (Etwa Ningbo International Trade Insitute). Einige Vorzeigeklassen aus dem Highschool-Bereich werden auch dort unterrichtet und können dann gleich auf dem gleichen Campus bleiben. Außerdem soll hier die Zusammenarbeit mit dem TAFE-Institut noch verstärkt werden. Wir haben selbst zwei Tage in der Woche auf diesem neuen Campus verbracht. Er befindet sich in einem neuen, noch im Bau befindlichen Stadtteil Ningbos, 70 km von der „alten“ Schule entfernt. Zwischen den Schulen pendelt täglich ein Schulbus, der die Lehrer hin- und herfährt. Dieser neue Stadtteil soll eine Freihandelszone werden und den Handel zwischen Shanghai und Ningbo verbessern, anlässlich der erst vor kurzer Zeit fertiggestellten längsten Meerbrücke der Welt (ich glaube 40 km lang), die die Distanz zwischen den beiden Städten auf ca. 150 km verkürzt. In dem Lehrgebäude, in dem wir unterrichteten, gab es nur eine fertige Etage und nur eine Klasse. Das Gebäude ist aber riesig! Ab nächstem Schuljahr werden dort auch mehr Klassen unterrichtet werden. Alles ist noch ausladender, und natürlich moderner, als auf dem „alten“ Campus. Das Problem ist, dass der Campus eben so weit außerhalb liegt. Der neue Stadtteil ist noch nicht gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Es gibt eine Mall, die fußläufig erreichbar ist, in der aber viele Geschäfte noch leer stehen. Man kommt an einem Vergnügungspark vorbei, der noch still steht, aber die riesige Freizeitschwimmhalle daneben scheint schon in Betrieb zu sein. Ansonsten gibt es gegenüber des Haupteingangs noch ein weiteres College. Obwohl bis jetzt nur die erste von drei Bauphasen abgeschlossen ist, also ein Drittel der geplanten Strukturen tatsächlich steht, sind die Fußwege, die man auf dem Gelände zurück legt schon länger, als auf dem anderen Campus. 

 

Ein ambitioniertes Bauvorhaben, das nicht nur im Sinne der Regierung, sondern auch im Sinne der Immobilienmakler ist, für die das Vorhandensein von Bildungseinrichtungen in der Nähe den Wert der Wohnungen hebt.

 

Ein paar Besonderheiten auf dem anderen Campus waren für uns die gut ausgestattete Lehrersporthalle, mit Tischtennis, Federball, Laufmaschinen, Gewichten, sowie verschiedenen Trainingsgeräten und sogar einem Pooltisch und einem Tischkicker. Außerdem ist die Luft aufgrund der Nähe zum Meer besser, es ist etwas kühler, als in der Stadt, was besonders im Sommer angenehm ist. Es gibt unglaublich viele Frösche und Insekten. Es gibt sowohl im Lehrgebäude als auch in der Mensa einen Fahrstuhl für Lehrer.

Papiertücher (Tissues)

Eines der ersten Dinge, die man lernt, ist Papiertaschentücher dabei zu haben. Diese gibt es in vielen unterschiedlichen Formen. Man braucht sie für (fast) alle öffentlichen Toiletten, zum Mund abwischen beim Essen, um mal schnell was zu putzen, um sich von ein paar Regentropfen zu befreien, um die Brille zu putzen. Hat man selbst keines dabei, kriegt man bei jeder Gelegenheit welchen angeboten (das kommt einem manchmal schon albern vor). Inzwischen können wir uns kaum noch vorstellen, etwas zu essen und dabei nicht ständig den Mund abzuwischen, oder die Hände oder die Nase oder den Tisch.

Quatsch

Unsere Freunde waren, vor allem am Anfang, sehr überfordert von unserem Humor. Sie neigen dazu, alles was wir sagen, beim Wort zu nehmen. Wir mussten also sehr aufpassen, die anderen nicht zu gemein auf die Schippe zu nehmen und Späße rechtzeitig aufzuklären. Ironie scheint hier nicht zur Gesprächskultur zu gehören.

 

Der Lieblingsquatsch von Chinesen besteht darin, lustige Fotos zu machen, mit Hilfe einer App, die alle auf dem Handy haben. Diese App erkennt Gesichter und man kann in verschiedenen Modi einstellen, ob alle Gesichter auf dem Bild Katzen- oder Hundefeatures bekommen sollen, oder ob man knallrote Wangen bekommt etc. Dieses Spiel scheint nie langweilig zu werden und selbst Erwachsene kommen aus dem Kichern nicht raus, beim Selfies schießen mit Freunden.

Regenzeit und Regenschirme

Seit unserer Ankunft im März war immer wieder die Rede von einer Regenzeit. Jeder, mit dem wir darüber redeten, gab uns andere Auskünfte. Inzwischen haben wir selbst erfahren, wann die Regenzeit ist. Sie beginnt Ende Juni, meistens kurz nach dem Gaokao. Regenzeit äußert sich tatsächlich durch fast ununterbrochenes Regnen, jedenfalls durch Abwesenheit von direkter Sonne. Teilweise ist der Regen so dicht, dass man auf dem wasserbedeckten Boden kaum die einzelnen Tropfen sieht. Für uns ist der Regen willkommen. Er bedeutet für uns, dass wir ohne Klimaanlage schlafen können (was sich vorher aufgrund der schieren Schwüle nicht vermeiden ließ) und da unser Praktikum schon vorbei ist und wir noch Berichte schreiben, hat man das Gefühl, nichts zu verpassen, wenn man die Wohnung nicht so oft verlässt und kann sich besser konzentrieren.

Mehr denn je lernt man in der Regenzeit den in China sowieso unentbehrlichen Regenschirm zu schätzen. Besonders Chinesinnen sieht man fast nie ohne Schirm. Bei gutem Wetter, um sich vor der Sonne zu schützen und bei dem geringsten Niederschlag, um sich vor dem Regen zu schützen. Einer der ersten Ratschläge uns gegenüber war, einen Regenschirm zu benutzen, weil der Regen der Haut schaden könne. Tatsächlich ist der Regen in China vielleicht nicht so klar, wie der eines unbefleckten Dschungels. Aber Chinesen haben, was Gesundheit betrifft, einen sehr starken und verbreiteten Aberglauben. (Siehe auch „Aberglaube“).

Schulalltag

Um das Leben der Schüler besser kennen zu lernen, möchten wir einen kurzen Einblick in den Schulalltag geben. Die Schüler stehen spätestens um sieben auf, frühstücken dann bis halb acht. Eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn finden sich alle im Klassenraum ein, um gemeinsam Inhalte laut aufzusagen. Die erste Stunde beginnt um fünf nach acht. Die Stunden dauern vierzig Minuten, dazwischen sind immer zehn Minuten Pause. Nach der zweiten Stunde, also etwa um halb zehn findet eine halbe Stunde körperlicher Ertüchtigung statt. Im Winter bedeutet das an unserer Schule drei Runden um den Sportplatz zu laufen. Wenn es wärmer wird, erarbeitet die gesamte Schule im großen Rondell einen Tanz. (In diesem Jahr war das zur einen Hälfte ein vereinfachter Stepptanz, für den ein großer Teil der Schüler extra die entsprechenden Schuhe einkaufen musste, und dann ein Wiener Walzer). Als Außenstehende Person war das schon beeindruckend, wenn über 1000 Leute sich gleichzeitig bewegen und selbst leichte Schritte dadurch deutlich hörbar werden. Und in dem Rondell der Schule sieht das auch besonders hübsch aus. Danach finden nochmal zwei Schulstunden statt. Um 11:45 gibt es in der Schulkantine Essen. (Für die Lehrer schon ab elf Uhr, falls man in der vierten Schulstunde frei hat.) Dann ist eine lange Mittagspause, die die Lehrer nutzen, um sich in Lehrerunterkünften auszuruhen. Der Unterricht, geht mit der fünften Stunde um 13:25 weiter, den gesamten Nachmittag durch, insgesamt acht Schulstunden. Um 17 Uhr ist Abendessen. Danach kommen alle Schüler nochmal im Klassenraum zusammen, zum betreuten Lernen. Schule ist erst gegen zwanzig Uhr zu Ende. Die Pausen nutzen die Schüler, um mit dem Handy zu spielen, oder mit dem Kopf auf dem Tisch zu schlafen. Im Internat sind wohl nur vier bis sechs Schüler pro Raum untergebracht, was für chinesische Verhältnisse wohl nicht viel ist. Allerdings scheinen die Waschräume nicht sehr gut zu sein.

 

Was ich nicht herausgefunden habe ist, wann die Schüler, die zu Hause wohnen, die Schule verlassen, also ob sie auch am abendlichen Lernen teilnehmen. 

 

Außer den Schülern müssen im Übrigen auch die Lehrer den gesamten Tag an der Schule verbringen. Egal, ob sie etwas zu tun haben oder nicht, müssen sie die Arbeitszeit von acht bis siebzehn Uhr auf dem Schulgelände, bevorzugt im Büro verbringen. Obwohl die Schule zahlreiche schöne, zum Arbeiten geeignete Orte anbietet, zum Beispiel in der Bibliothek einen extra „teachers reading room“ oder die obere Etage des Schulcafés, ist es nicht erwünscht, dass die chinesischen Lehrer sich dort aufhalten. Ein befreundeter Lehrer erzählte uns, dass er, als er neu an der Schule war, versuchte die Gelegenheiten (die ihm vor der Einstellung gezeigt worden waren) zu nutzen, um zu arbeiten. Er erhielt dann von seinem Abteilungsleiter einen Anruf, wo er wohl wäre. Er solle sich besser im Büro einfinden. Wenn er nicht genug zu tun hätte, könne er (der Abteilungsleiter) ihm gerne Arbeit geben.

Spielplätze

Wir haben bis jetzt, außer in Shoppingmalls keine öffentlichen Spielplätze gesehen. Allerdings gibt es an vielen öffentlichen Orten Geräte, die für uns Spielplatzoptik haben. Diese Geräte sind für körperliche Ertüchtigung gedacht und werden vorwiegend von Senioren benutzt.

Taxi

Es gibt die offiziellen Taxis, die man nach zwei Tagen auf jeden Fall erkennt. In Ningbo sind sie blau. In vielen Städten sind es alte VWs. Die Autos haben eine Leuchtmaschine. Wenn die grüne Schrift leuchtet, sind sie frei, man kann sie einfach heranwinken. 

 

Am besten ist es, wenn man die Adresse auf Chinesisch dabei hat. Ansonsten kann man dem Fahrer auf dem Handy mit einer Karte zeigen, wo man hin will. Er wird dann das Taxometer einschalten. Mit dem Handy kann man dann auch mitverfolgen, dass sie eigentlich immer die schnellste Route fahren (nicht immer die kürzeste). Da es aber auch kein Vermögen kostet, muss man nicht zu penibel sein. Man kann in Bar oder mit dem Handy bezahlen, die Kosten sind am Taxometer ablesbar. Zahlung mit dem Handy hat den Vorteil, dass einem kein Falschgeld untergejubelt wird. (Das ist einer Praktikantin passiert, die dem Fahrer mehrere 100Y Scheine zeigte und danach nur noch gefälschte Scheine hatte.)

 

Es gibt auch noch private Taxianbieter, die werden hier Didi genannt und sind per App buchbar. Da wir kein Chinesisch können, haben wir diese Option nie genutzt, da man sich dann per Telefon zusammenfindet. 

 

Wer in Autos schnell Angst bekommt, sollte allerdings davon absehen, hier Taxi zu fahren. Die Fahrten, die wir erlebten, waren rasant. Die Fahrer nutzten jede Lücke im Verkehr und hatten offensichtlich das höchste Ziel im Blick, uns schnell zum Wunschort zu fahren. Meine Mutter würde sagen: Sie fahren „wie eine gesengte Sau“.

Telefon

Das Handy ist hier schon viel mehr zum Lebensmittelpunkt geworden, als in Deutschland. Wenn man nicht gerade auf dem Handy Essen aussucht, bezahlt, chattet, Fotos macht und verschickt, spielt man. Alle spielen. Wir konnten auch beobachten, dass viele bei der Arbeit auf dem Handy Filme oder Serien schauen, also Security-Personal, Betreiber von kleinen Restaurants während dem Kochen, bei U-Bahn und Busfahrten etc. 

 

An Schulen sind Mobiltelefone eigentlich verboten. An unserer Schule wurde das so umgesetzt, dass die SuS jeden Morgen ein Telefon in eine Box legen mussten. In dieser Box waren immer auffällig viele Telefone mit zerbrochenen Displays. Das meiste davon Zweittelefone, das aktuelle Gerät irgendwo im Schultisch versteckt. 

 

In unserem Unterricht handhabten wir das mit der Regelung: „Keine Handys in meinem Unterricht“. Wenn ich doch welche sah, sammelte ich sie ein, gab sie aber am Ende des Unterrichts wieder zurück, verpetzte es weder Klassenlehrern noch dem Schulleiter. Die Schüler akzeptierten diese Regelung und ich sah im Laufe der Zeit immer weniger Telefone. 

 

Einmal fragte mich eine Schülerin, wie alt mein Telefon sei. Als ich erwiderte, dass es etwa drei Jahre alt sei, staunte sie: „Wow, German phones are amazing!“ Noch mehr erstaunt war sie, als ich ihr erklärte, dass es in China hergestellt werde und dass wir die gleichen Telefone benutzen wie Chinesen auch. 

 

In einer mündlichen Prüfung (ich weiß nicht mehr zu welchem Thema), erzählte eine Schülerin auch fröhlich, dass USA so toll sei, weil sie eine starke Wirtschaft hätten und weil so tolle Geräte, wie Handys und Computer von dort kämen. Als ich ihr sagte, dass das alles in China produziert wird, war auch sie sehr überrascht.

Vergnügungsparks

Wir waren selbst nicht in einem wirklichen Vergnügungspark. Vom neuen Schulcampus konnten wir einen Vergnügungspark sehen, der zwar auch die obligatorischen Fahrgestelle hatte, am auffälligsten sind aber die Betonpaläste, die zur Inszenierung darum gebaut wurden. Und Anlagen mit dieser Art Betongestaltung haben wir mehrfach gesehen. Zum Beispiel in einer Freizeitanlage, wo wir mit den Deutschlehrerinnen und ihren Familien gegrillt haben. Da man hier nicht einfach so grillen darf, muss man zu solchen, dafür vorgesehenen Plätzen gehen. Die Anlage scheint nicht mehr ganz neu zu sein erinnerte an manchen Stellen ein bisschen an eine Filmkulisse (siehe Foto mit dem Clown, dessen Kopf auf dem Boden liegt). A propos Film: wir hatten auch das Vergnügen, im Zuge des Frühlingsausflugs der Schule in einen sehr bekannten Filmpark zu gehen, in dem wohl die größten chinesischen Kinohits gedreht werden. Wir konnten dort Dreharbeiten beobachten und in den Kulissen rumwandeln, oft fanden wir auch hier zerbröselnden Beton. Ein weiteres Freizeitpark Erlebnis hatten wir in Hangzhou, wo wir eine unglaublich inszenierte und aufgeprozte Ancient City besuchten. Wirklich mehr Disneyland, als Realität. In einem Keller konnte man durch eine Geisterbahn laufen (leider nicht sehr gruselig). Höhepunkt des Besuchs war eine 4D Theateraufführung, mit Filmelementen, unglaublich lauter Musik, noch unglaublicheren Massen-Tanz-Darbietungen und unfassbar knalligen, pseudo-historischen Kostümen. In der Darbietung wurden wohl verschiedene Geschichtsetappen Hangzhous gezeigt. Während der Darbietung wurde das Publikum immer wieder mit einbezogen, in dem kostümierte Leute durch den Zuschauerraum auf die Bühne gingen, riesige Lampions von der Decke gelassen wurden und einmal sogar ein bisschen Wasserspray herabrieselte, als es auf der Bühne regnete. Für uns war das zu sehr auf Effekte abzielend, uns hätte wahrscheinlich eine etwas ruhigere Darbietung mit weniger Action mehr gefallen. Aber die chinesischen Besucher waren hin und weg, entzückt. Die Geschmäcker sind halt unterschiedlich :D

Wettbewerbe (Competition)

Wohl auch dadurch, dass man so hart ringen muss, um gute Ausbildungsplätze zu bekommen, ist alles, was an der Schule stattfindet, sehr wettkampforientiert. Es gibt in jedem Fach, zu jedem Anlass Wettbewerbe, innerhalb der Schulen, aber auch Schulübergreifend. Auch innerhalb des Unterrichts ist Wettbewerb die Hauptmotivation, vor allem beim Ringen um Notenpunkte. Man kann sich das im Unterricht gut bei Spielen zu Nutze machen. Wir haben allerdings auch versucht, Spiele umzusetzen, die ohne Wettbewerb auskommen, bei denen die Motivation in anderen Aspekten liegt. 

 

Wir waren an einigen Wettbewerben beteiligt. So hat zum Beispiel die Klasse, die wir auf dem neuen Campus unterrichteten, einen Englisch-Vokabel-Wettbewerb ausgetragen. Der Termin wurde extra so gelegt, dass wir beide da sein konnten. Es wurden dann verschiedene Spiele durchgeführt, um einen Gewinner zu ermitteln. Das war eigentlich ein sehr schöner Abend. Man hatte das Gefühl, dass es weniger um den Wettkampf ging, als um den Spaß am Spiel. Auch auf dem neuen Campus war ich, Elsa, eingeladen als Jurymitglied bei einem Gesangswettbewerb mitzuwirken. Das war eine Art Karaokewettbewerb. Schüler haben also Popsongs zu Playbacks vorgetragen. Zwölf von zwanzig Beiträgen haben sich fürs Finale qualifiziert, bei dem wir leider nicht die Möglichkeit hatten, teilzunehmen, wegen Lehrtätigkeiten auf dem „alten“ Campus. Es gab außerdem einen Gesangswettbewerb innerhalb der Deutschklassen, das hatte eine Klassenlehrerin organisiert. Auch hier sollten wir als Jury wirken. Mit einer Schülerin präsentierte ich, Elsa, sogar einen Song, den wir gemeinsam komponiert haben (sie hat den Text aus dem Chinesischen ins Deutsche übertragen und wir haben uns zusammen die Musik ausgedacht). Auch bei zwei Schulübergreifenden Wettbewerben haben wir mitgewirkt. Zum einen gab es einen nationalen Englischwettbewerb, an dem zwei Schüler als Team teilnahmen. Sie waren seit März von sämtlichem Unterricht befreit, um sich Tag und Nacht nur auf diesen Wettbewerb zu konzentrieren. Ein Teil des Wettbewerbs bestand aus der Darbietung eines Theaterstücks. Dafür sollte Johann einem der Jungs Saxophon spielen beibringen. Ich sollte mir für den Beginn des Theaters einen Tanz ausdenken, während dem ein Zauberstück stattfinden sollte und die Zuschauer Einblicke ins Innenleben des Hauptdarstellers bekommen sollten, gleichzeitig sollte eine auflockernde Atmosphäre erzeugt werden und das in genau 13 Sekunden. Ich habe versucht, Vorschläge zu machen, aber auch versucht zu erklären, dass das nicht so realistisch ist. An einem Tag übte ich mit einem der Jungs auch ein bisschen Aussprache, da sein Englisch sehr Chinesisch klang. Danach wurden wir nie wieder gebeten, bei der Vorbereitung zu helfen. Die beiden Lehrerinnen, die die Jungs immer betreuten, hatten einen sehr strikten Plan für die Jungs und wollten, denke ich, einfach keine Zeit verlieren. Und irgendwie schien der Plan gut funktioniert zu haben, denn sie haben tatsächlich den ersten Preis gewonnen. (Man muss sagen: zum Glück, nachdem so viel Arbeit hinein gesteckt wurde. Aber wir empfinden diese ganze Sache als etwas verkehrt, da die beiden Schüler immer nur getan haben, was die beiden Lehrerinnen verlangten. Am Ende war es also der Wettbewerb der Lehrerinnen, die sich zum Beispiel auch das Theaterstück ausgedacht hatten, auch wenn die Schüler ihn ausgetragen haben. Das finden wir sehr schade. Dabei ist sowas doch für Schüler eine einmalige Gelegenheit und eine gute Erinnerung, wenn man es schafft, so einen Wettbewerb mit eigenen Ideen und Anstrengungen zu bestreiten.) In der Zeit der Vorbereitung der zwei Schüler auf den Englischwettbewerb, gab es auch einen regionalen Wettbewerb, in dem von allen Schülern in Ningbo Mr. und Mrs. Sunshine gekürt werden sollten. Dafür mussten verschiedene Schüler der Schule Videos einreichen. Sie wurden vom Unterricht freigestellt, um zwei Tage lang genügend Videoszenen zu sammeln, die sie qualifizieren würden. Also wurden wir sowohl mit den zwei Englischschülern gefilmt (das war unglaublich inszeniert, die Englischlehrerinnen hatten sich das ausgedacht), als auch von einer Deutschschülerin, das war sympathischer. Wir haben uns einfach unterhalten und eine Freundin hat gefilmt.

 

Am langen Text kann man also erkennen, dass Wettbewerbe an unserer Schule eine große Rolle spielten. Außerdem haben wir ja, wie im Abschnitt „Hangzhou“ geschildert auch als Betreuer bei einem Wettbewerb des Goethe-Instituts mitgewirkt.

Wetter

In Ningbo ist es insgesamt ein bisschen Wärmer, als in Weimar. Ich würde schätzen, dass die Temperatur im Durchschnitt 5 Grad höher ist. Das führt dazu, dass der Frühling früher beginnt und der Sommer sich früher durchsetzt und länger dauert. Im Winter wird es zwar kalt, aber es schneit nie. Und der Unterschied ist groß genug, dass man eine Klimaanlage hier mehr benötigt, als eine Heizung, da die Kälte weniger beißt, als die Hitze. In Ningbo ist die Luftfeuchtigkeit außerdem relativ hoch. Bevor der Sommer mit voller Gewalt durchschlägt, gibt es eine etwa dreiwöchige Regenzeit (siehe „Regenzeit“). Insgesamt gibt es häufiger als in Deutschland plötzliche Schauer, man gewöhnt sich daran, mit dem Regenschirm aus dem Haus zu gehen. Man gewöhnt sich auch daran, ein Jäckchen oder so mitzunehmen, auch wenn es draußen äußerst warm ist, da man, sobald man klimatisierte Räume betritt quasi einen Kälteschock erfährt. Im Gegensatz zu Deutschland ist der Unterschied in der Länge der Tage hier nicht so groß, wie in Deutschland. Als wir im März ankamen, ging die Sonne um sechs unter, jetzt, Ende Juni geht sie kurz nach sieben unter. Eine Zeitumstellung gibt es nicht. Der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt im Sommer sechs Stunden, im Winter sieben.

Yi dian dian

Das ist der beste Getränkeladen in China. Es gibt viele Filialen. Es gibt alles außer Kaffe. Und sitzen kann man nicht. Es gibt nur „zum Mitnehmen“. Obwohl man manchmal ein bisschen auf sein Getränk warten muss, geht man immer gerne. Der große Vorteil an dem Shop ist, dass es die gesamte Auswahl auch auf Englisch gibt, was die Bestellung wesentlich vereinfacht. Außerdem kann man sich aussuchen, wie warm oder kalt das Getränk sein soll und wie viel Zucker drin sein soll. Letzteres ist in China sehr wichtig, denn in der Regel bekommt man für unseren Geschmack völlig übersüßte Getränke. 

Nicht zuletzt sind die Getränke auch noch erschwinglich.

Zugfahren

Wenn man in China Tickets kaufen möchte, muss man auf jeden Fall seinen Reisepass mitnehmen. Man kann Tickets auch online kaufen, muss sie dann aber als Ausländer vor der Zugfahrt am Schalter abholen, was teilweise stressig werden kann. Wir haben immer bevorzugt, direkt zum Schalter zu gehen, ein bis zwei Wochen vor der Zugfahrt, um dann am Reisetag nicht den Stress zu haben.

Zugfahren funktioniert dann eigentlich so wie fliegen. Um in die Wartehalle am Bahnhof zu kommen, muss man erst das Ticket und den Reisepass zeigen und dann durch die Sicherheitskontrolle. Dann betritt man die Wartehalle. Man kann sich einen Sitzplatz in der Nähe vom entsprechenden Gleis suchen oder sich noch den unzähligen Einkaufsmöglichkeiten widmen.

 

Ca. 5-15 Minuten vor Abfahrt des Zuges wird das Gleis geöffnet. Das erkennt man an einer plötzlich riesigen Schlange vor den Kontrollautomaten. Meistens ändert sich die Anzeige auch von rot auf grün. Dann steckt man sein Ticket wie bei der U-Bahn durch den Automaten und kommt auf das Gleis, auf dem man sich dann wieder einreiht, bei der entsprechenden Abteilnummer.

 

Wenn man ein Ticket kauft, kauft man automatisch einen Sitzplatz. Wählen kann man nicht. Die Züge, mit denen wir gefahren sind, waren auf den letzten Sitzplatz ausverkauft. Einige Leute standen zwischen den Abteilen. Wie viele Stehtickets verkauft werden, wissen wir nicht.

 

Wie überall in China kommen an jeder Haltestelle Durchsagen mit Sicherheitshinweisen. Der Fahrkomfort ist gut, es gibt genug Beinfreiheit, es gibt Steckdosen und Damen mit Trolleys, die Snacks und Getränke anbieten. So leise wie in Deutschland ist es allerdings nicht.

 

Da die Schnellzüge auf Gleisen fahren, die nur für diese Züge vorgesehen sind, können sie unglaublich schnell und störungsfrei fahren. 

 

Die Schnellzüge sind entweder der G-Zug (wie ICE) oder der D-Zug (wie IC). Letzterer natürlich ein bisschen günstiger, alles aber bezahlbar.

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