Ich liebe dich auch, Babe

Vous aurez du mécanique dans du vivant, vous aurez du comique: Komik entsteht auf der Fallhöhe zwischen dem Lebendigen und Mechanischen. Ist eine Theorie, die ein weiser, inzwischen toter Philosoph namens Henri Bergson zu Beginn des letzten Jahrhunderts formuliert hat und auf die sämtliche komikbehaftete Werke in Literatur, Film und Theater Bezug nehmen. So sind Geschichten aufgebaut, Theaterstücke und - kaum verwunderlich - auch besonders aufregende Momente im Leben. Statuswechsel bringen Spannung ins Spiel.

 

Vom Mechanischen ins Lebendige: Letzte Woche habe ich einen solchen Statuswechsel in der entgegengesetzten Richtung beobachten dürfen. Die Elftklässler*innen sind wieder da! Während zu Beginn meiner Einsatzzeit in Bukarest noch so manche Stunde eher zäh verlief und wenig Anreiz zum Mundaufmachen da war (ich berichtete), sind jetzt - ausgerechnet jetzt, kurz vor Ende des Schuljahres - einige Schüler*innen richtig aufgetaut. Noch vor zwei Wochen habe ich mir Sorgen gemacht, dass ihr Puls irgendwann aufhört zu schlagen! Es hat ihnen teilweise die Motivation und Energie gefehlt, die Bildschirmsperre auf ihren Smartphones zu überwinden! Und jetzt: Lachen, Spielen, Herumspringen - in einem fast ausverkauften Klassenzimmer!

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Interview: Wie lernen die in Rumänien eigentlich Deutsch?

In dieser Woche habe ich mit einem Schüler begonnen, das neue Schulmagazin ins Internet zu verfrachten. Im Prüfungs- und Lernstress braucht das natürlich seine Zeit. Hier findet ihr schon mal ein Interview, das ein paar Schülerinnen mit mir geführt haben:

In Aktion
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Wenn das Kind in der Polenta kocht

Aha, so sieht das da also aus
Aha, so sieht das da also aus

Jetzt herrscht Krieg. Allen pazifistischen Grundsätzen zum Trotz: Die nächste Taube, die auf meinen Balkon scheißt, schieße ich mit meiner Sarmale-Kanone ab. Nicht nur, dass diese Viecher nicht vor Hausfriedensbruch zurückschrecken; Seit der Frühling offiziell ausgebrochen ist, haben ein paar besonders extrovertierte Exemplare neben meinem Balkon (da, wo ich nicht rankomme), ein Liebesnest gebaut und vögeln und ächzen was das Zeug hält. 24/7. Da kann ich gar nicht mehr richtig das Hupen, den Straßen- und Baulärm und den rappelnden Aufzug im Treppenhaus genießen!

A pro pos Frühling: Wir haben hier immer noch April (trotz Mai). Es ... es ... ja, ich kanns gar nicht beschreiben. Es ist jedes Mal anders, wenn ich aus dem Fenster schaue.

Ein berühmtes, überschätztes Mantra der Feedbackgestaltung lautet, man solle erst etwas Positives sagen, bevor man mit dem Schlechten loslegt - ich hab das dieses Mal umgekehrt gemacht, um jetzt nur noch tolle, aufregende und positive Dinge erzählen zu können, die hier in den letzten 2 Wochen passiert sind.

 

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„Wo sind die Vampire? Ich will sofort mein Geld wiederhaben!“

Ein herzliches Bună Ziua aus dem Land, in dem die Menschen Kuhmagen-Suppe essen, das R rrrollen können ohne sich zu verschlucken, in dem Chipstüten eine nachwachsende Ressource darstellen und heute die Schule wieder begonnen hat!

 

Letzten Donnerstag – wir hatten hier noch Osterferien – bin ich recht spontan nach Brașov getrampt, das auf deutsch Kronstadt heißt. Die Stadt liegt mitten in Transsylvanien, oder auch Siebenbürgen. Mit den herrschenden Königen, Landsherren und Mehrheiten haben viele rumänische Städte auch ihre Namen immer wieder mal gewechselt. So hieß Brașov auch mal Corona, Stephanopolis oder – gar nicht sooo lange her – Stalin-Stadt. Wo heute ein majestätischer hollywood-mäßiger Schriftzug auf dem Tâmpa-Berg auf die Stadt hinweist, hatte man damals den Schriftzug STALIN in den Berg „tätowiert“, also durch geschickte Baumbepflanzung sichtbar gemacht. Gar nicht so leicht, das wieder unsichtbar wachsen zu lassen, denn bloßes Bäumefällen hätte ja an der Erscheinung nicht viel verändert, wie mir ein alter Brașover mit langem, grauen Bart und Schafsfell-Weste auf dem Marktplatz erklärt hat. Heute ist Stalin hier aber verschwunden.

 

Etwas abseits der historisch vielfältigen Altstadt konnte ich endlich die Großstadtluft hinter mir lassen und ein paar Wander- und Frischlufttage in den schroffen Karpaten genießen. Was für ein tolles Gefühl, als Eichhörnchen, Frösche und Kühe auf dem Weg die einzigen Lebewesen waren, die ich getroffen habe und das Plätschern des Baches, die frische Luft und Kühe auf offener Straße mich begleitet haben!

 

Auf den 1.800 Meter hohen Postăvarul-Gipfel bin ich tatsächlich gewandert, das waren etwa 750 Meter Höhenunterschied zum matschigen, nassen Schnee und traumhaft schönen Ausblick über die Wolken, die in den Karpatengipfeln hingen. Aber auch 750 Meter wieder runter, die mit einem Kabinenlift nur 2 Minuten gedauert haben. Also Leute, diesen Berg kann ich euch empfehlen! Und unten im Tal, einem im Winter sehr begehrten Ski-Domizil, gab es dann wieder eine leckere Rindermagen-Suppe (wollte ich erst nicht probieren (hab ich dann aber doch probiert (war okay))).

 

An einem anderen Tag bin ich nach Bran gefahren. Auf einem sandigen Weg, wie er typisch für rumänische Dörfer ist, bin ich einem Pferdekarren hinterhergelaufen, der gemütlich über die Steine geholpert ist, bis ich – mitten im Nirgendwo und doch mit Blick auf die Bransche Skyline und schneebedeckten Gipfel – in meiner Unterkunft angekommen bin. Bei Andreia gab es köstliche Rohkost und Eier von den Nachbarn. Mit ihr und ihrem Begleiter habe ich den ganzen Abend über Zeitreisen philosophiert.

 

Die ganze Wanderung hat sich angefühlt wie eine Zeitreise, dabei war es gar nicht so schwierig, nach Bran zu gelangen (was allein wegen der Bedingungen schon gegen eine Zeitreise spricht). Sicherlich sind euch allen die Sagen über Vampire und die Legende von Graf Dracula nach Bram Stoker ein Begriff. Demzufolge soll Dracula auf Schloss Bran residiert haben. Hat er aber nicht. Ebensowenig war Bram Stoker jemals in Bran. Die Figur geht anscheinend auf den realen Herrscher Vlad III Drăculea zurück, auch Vlad Țepeș (Vlad, der Pfähler) genannt. Sein Vater war Mitglied im Drachenorden von Kaiser Sigimund, und Drache heißt auf lateinisch „draco“, deshalb wurde sein Vater „Vlad Drăcul“ genannt und sein Sohn entsprechend „Vlad Drăculea“ (also lea = Sohn des…). Der war grausam, weil er sehr viele Menschen auf hölzernen Pfählen anusaufwärts aufgespießt hat – aber ein Vampir war er nicht.

Dracula persönlich hab ich im Schloss Bran also nicht angetroffen, dafür einige stinkwütende Amerikaner*innen, die sich laut darüber echauffiert haben, dass in dem ganzen Gemäuer nur auf einer einzigen Tafel überhaupt etwas mit Vampiren stand: nämlich, dass hier keine sind und auch nie welche waren.

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Hristos a înviat!

Was für eine wechselhafte Woche: Ein paar Tage den Sound der Millionenstadt Bukarest genossen, dann über die Ostertage die gemütliche Stille der großen Kleinstadt Craiova. Am Montag Sommer gehabt, heute Winter. Wenn ich jetzt die Tür zum Balkon öffne, werde ich nass.

Dabei liegt doch Bukarest auf der Höhe von Bologna und Bordeaux – spricht das nicht für ewigwährenden Sommer? Hab ich mich wohl verhört. Hier jedenfalls liegt Craiova, im Herzen der Region Oltenia, der sprichwörtlichen (kleinen) Walachei.

Hier in Craiova habe ich orthodox Ostern gefeiert. Das begann schon beim Frühstück. Hristos a înviat, sagt eine Person. Die andere bestätigt: Adevarat ca a înviat! Also: Christus ist auferstanden – und: Ja, ist er tatsächlich!

Dann stoßen beide mit ihrem Ei an und schauen, welches zerbricht. Wie beim normalen Anstoßen, stößt man mit jeder Person am Tisch an und so habe ich dann zur frequentierte Stoßzeiten schon mal vier, fünf Eier verzehrt. Immerhin: Gut fürs Bizepswachstum!

Neben einer Eierkur wurde ich von meinen Gastgeber*innen mit Lamm, Huhn, Schafskäse, Hack in Kohl, selbstgebranntem Brandy und köstlichem Wein verwöhnt. Bis zum Platzen.

Zurück in Bukarest, traue ich mich erst seit Kurzem wieder in den Fahrstuhl zu meiner Wohnung. In der Nähe von Craiova ist: nicht viel los – aus touristischer Sicht. Aber der bedeutendste rumänische Wirtschaftszweig, die Landwirtschaft, ist hier sehr stark vertreten. Es gibt Weinberge, ganz viele Tiere und ein Feld neben dem nächsten.

Sehen in Rumänien richtig toll aus: Parks. Hier in Kombi mit dem Blick über einen Teil von Craiova. Das gelbe Gebäude hinter dem Kirchturm ist Schule und Oper zugleich. Wie ihr seht, war hier das Wetter nach Ostern grässlich wie bei euch in Deutschland.
Sehen in Rumänien richtig toll aus: Parks. Hier in Kombi mit dem Blick über einen Teil von Craiova. Das gelbe Gebäude hinter dem Kirchturm ist Schule und Oper zugleich. Wie ihr seht, war hier das Wetter nach Ostern grässlich wie bei euch in Deutschland.
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Wir haben uns einfach dazu entschieden, bestens miteinander auszukommen.

Hinter all den Wolkenkratzern, Baustellen und Bürokomplexen von Bukarest verstecken sich Deiche, Seen und kleine Ozeane – so wie dieser hier im Osten der Stadt. Gleich neben einer Boulderhalle.
Hinter all den Wolkenkratzern, Baustellen und Bürokomplexen von Bukarest verstecken sich Deiche, Seen und kleine Ozeane – so wie dieser hier im Osten der Stadt. Gleich neben einer Boulderhalle.

Woche Zwei ist vorbei. Es wird immer entspannter: Nicht nur, weil mich die Lehrer*innen am Coșbuc gut aufgenommen haben, sondern auch, weil jetzt Osterferien sind und man das natürlich auch schon in den Tagen vor den Osterferien spürt. Die Geschäfte sind voller Plastikeier in den Schaufenstern, und manche Schüler*innen haben uns schon am Mittwoch Frohe Ostern gewünscht. Schon am Mittwoch?!

So ganz ernst scheinen sie die letzten Tage vor den Ferien an der Schule nicht zu nehmen. Tatsächlich ist am Donnerstag nicht mal mehr die Hälfte da, am Freitag sind wir schüler*innenfrei. Das kenne ich aus meiner Schulzeit anders. Immerhin: beste Chancen für einen ungestörten Kaffee unter Lehrer*innen!

 

Inzwischen haben wir uns wunderbar aneinander gewöhnt. Ich habe hier die besten Kolleg*innen, die ich mir gerade wünschen kann! Anfängliche Distanz? Ha! Wir haben uns einfach dazu entschieden, bestens miteinander auszukommen. Meine Vorstellung beim Bukarester Goethe-Institut war auch sehr positiv – uns ist aufgefallen, dass ich die Ziele des Stipendiums, nämlich zum Beispiel eigenen Unterricht vor- und nachzubereiten, den Lehrer*innen zu assistieren und Projekte wie die Schulzeitung zu übernehmen, schon in der ersten Woche erreicht habe. Aber so schnell reise ich hier nicht ab! Auch Schulwärts-Stipendiatin Melisande ist gut in ihrem Zielland angekommen. Sie bloggt aus der polnischen Stadt Ruda Śląska!

Eier! Überall Eier! Mit den Deutschlehrerinnen Nicoleta und Carmen wähle ich die schulinterne Top 3 der selbstgebastelten Eier aus. Die Fünftklässler*innen waren ganz schön kreativ!
Eier! Überall Eier! Mit den Deutschlehrerinnen Nicoleta und Carmen wähle ich die schulinterne Top 3 der selbstgebastelten Eier aus. Die Fünftklässler*innen waren ganz schön kreativ!
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Bună ziua, Porumbel, Shaorma

Foto: Carmen Dumitrescu
Foto: Carmen Dumitrescu

Das ist der erste Blogeintrag aus Rumänien. „Bună ziua!“ 😀 Schreiben kann ich’s schon, an der Aussprache werde ich die nächsten drei Monate noch hart zu arbeiten haben. Vorneweg: Der Text ist geeignet für das Deutsch-Niveau B1/2. Eignet sich also wunderbar als Leseanlass für meine Schüler*innen am Colegiul Coșbuc. Aufmerksam lesen bitte!

Meine erste Woche in dieser wunderschönen, sommerlichen Stadt ist rum. Das Goethe-Institut hat in dieser Runde etwa 20 Stipendiat*innen in alle Welt geschickt. Einige sind schon in Asien gelandet, andere in Polen. Ich wohne seit einer Woche in Bukarest, der Hauptstadt Rumäniens. Seit Montag arbeite und assistiere ich am Colegiul Național Bilingv George Coșbuc. Die Schüler*innen lernen zweisprachig (englisch und rumänisch) für ihr Bacalaureat, das Abitur. In Rumänien gehen sie erst vier Jahre in die Elementarschule, dann weitere vier Jahre in die Sekundarschule. Sie können dann auf eine Berufsschule wechseln oder besuchen weitere vier Jahre das Gymnasium.

Im Coșbuc sind Sekundarschule und Gymnasium vereint. Deutsch wird hier als Fremdsprache unterrichtet. Carmen und Nicoleta sind hier Deutschlehrerinnen. Sie werde ich in den nächsten Monaten in ihrer Arbeit unterstützen.

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