Letzter Blog

Nun meinen letzten Blogeintrag schreibe ich auf dem Landeanflug auf München.Ich hatte eine tolle ereignisreiche Zeit in Indien, in der ich viele liebenswerte Menschen kennengelernt habe und sehr viel über die indische Kultur erfahren konnte. Der Abschied fiel mir schwer – gleichzeitig freue ich mich natürlich auch sehr meine Lieben in Deutschland wiederzusehen. Indien ist ein Land mit täglich neuen Überraschungen, (fast)überall vielen Menschen, oft schlechter Luft, vielen Staus, viel Armut, soziale Gegensätze,großen Unterschieden je Religion, Familie, Glauben,... und man braucht für alles Zeit (ich bin auf jeden Fall geduldiger geworden) und vielen herzlichen liebenswerten Menschen. Mein letzter Tag an der Schule war ein Tag mit schwerem Abschied und vielen selbst gebastelten Geschenken und Stiften von den Schülern, die alle hoffen, dass ich bald wieder komme.

Nun möchte ich mich noch bei den Organisatoren dieses Praktikums bedanken: Jennifer Waag (Goethe Institut München), Olav Schröer (Goethe Institut New Delhi) und natürlich der Schulleiterin und den Lehrerinnen der K.R. Mangalam World School Vikaspuri, welche mir immer mit Rat und Tat jederzeit zur Seite standen und dieses Praktikum überhaupt möglich machten. Darüber hinaus möchte ich meiner Gastfamilie, die mich 9 Wochen wie ein Familienmitglied aufgenommen hat Danke sagen und natürlich allen lieben Menschen die ich in dieser Zeit kennen lernen durfte (auch wenn ich es nicht geschafft habe allen Einladungen nachzukommen). Darüber hinaus Tobias, der den SCHULWÄRTS!-Blog ins Leben gerufen hat.

Ein besonderer Dank geht allerdings an die Deutschlehrerin Hema und ihre wunderbare Familie – meine indische Familie. Indien ist auf jeden Fall ein Land das man nicht nur bereisen sondern in dem man auch mitleben muss.

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Schule in Indien

Schule in Indien ist in vieler Weise sehr anders als in Deutschland. Auffallend ist dabei die hierarchische Struktur. Vor der Schulleiterin haben alle sehr großen Respekt, ebenso teilweise auch vor den Koordinatoren der Unter-, Mittel- und Oberstufe. Aber auch haben die Schüler mehr Respekt vor den Lehrern als in Deutschland. Daneben gibt es auch mehrere sogenannte “Maids” die aufräumen, putzen und verschiedene Botengänge übernehmen.

 

Größtenteils findet der Unterricht sehr lehrerzentriert statt. Deswegen hat mein  aktiverer Unterricht am Anfang teilweise bei den Lernenden für Überforderung gesorgt. Auch ist jeder Schultag mit irgendeiner Überraschung verbunden (spontane Workshops, Klasse nicht auffindbar, andere wichtige Aufgaben), sodass ich selten meine kompletten Stunden laut Stundenplan halte. Zum Glück wurde jetzt nach 2 Monaten an meiner Schule die Stundenzeiten vereinheitlicht, d.h. dass jeden Tag (bis auf Freitag) die Zeiten gleich sind – wenn auch trotzdem unterschiedlich lang (25min, 30min, 35min). Davor waren die Zeiten jeden Tag anders und wenn in der Woche ein Feiertag war nochmal anders – was ich oft sehr verwirrend fand.

 

Neben dem normalen Unterricht in Mathe, Wirtschaft und Deutsch habe ich die letzten Wochen auch verschiedene Projekte an meiner Schule, Partnerschulen und ausgewählten Schulen vom Goethe Institut durchgeführt. Das waren Koch-Workshops zu Weihnachten wie gebrannte Mandeln, glasierte Früchte und Apfelpunsch oder Kartoffelpuffer mit Apfelmus (es ist gar nicht so einfach ein deutsches Gericht ohne Fleisch oder Ei zu finden und die Lebensmittel müssen hier auch noch erhältlich sein). Darüber hinaus Einheiten zu deutschen Feiertagen wie Sankt Martin (mit Laternen basteln) und Nikolaus oder zur deutschen Landeskunde wie Bundesländer, Deutschlandkarte, deutsches Essen, berühmte Personen...

 

Was indische Schüler (oft) über Deutschland denken:

 

-       Sie kennen Berlin, Frankfurt, München und natürlich das Oktoberfest

-       das Oktoberfest – Bierfest wird oft als erstes (wichtigstes) Fest in Deutschland genannt

-       Deutsche sind große Menschen (warum ich nicht?)

-       Deutschland ist ein angesehenes Land; für viele ein Vorbild-Land

-       Deutsche lieben Fußball

-       Deutsche Autos sind sehr angesehen speziell BMW und VW

-       Deutsche hören Schlager (auch die jüngere Generation)

-       Viele Schüler können sich nicht vorstellen, wie klein Deutschland wohl sein muss, wenn die gesamte Bevölkerung in etwa         5-Mal von New Delhi entspricht

-       Viele Deutschlernende wollen zum studieren nach Deutschland, da es dort keine Studiengebühren gibt (wird von                          Lehrkräften und dem Goethe Institut auch als Art Motivation zum Deutsch lernen den Schülern regelmäßig gesagt)

-       Sie fragen ob wir neben Englisch auch Hindi in der Schule lernen

-       Sie kennen Bayern, die gerne Bier trinken, Fleisch essen und sehr extra sind -> bis hin zu einer Plakatgestaltung, dass sie           seit Jahren versuchen unabhängig zu werden (Quelle war vielleicht die Homepage der Bayernpartei?)

-       Deutschland ist immer noch geteilt; bis zu der Frage, ob ich mir wirklich sicher bin, ob es eine Wiedervereinigung gab, da          das indische Fernsehen erst vor kurzen (mein Tipp am 3. Oktober) etwas zu der Teilung Deutschlands gesendet hat. Der              Grund ist, dass die Schüler etwas über den 2. Weltkrieg in Geschichte lernen und nichts über neuere Geschichte in                        Europa, wie ich inzwischen ausfindig gemacht habe.

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Indische Hochzeit

Die indische Hochzeitsindustrie mit ca. 40 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr, ist ein bedeutsamer Wirtschaftszweig in Indien. Die Brauteltern geben oft Millionen für die Hochzeit ihrer Tochter aus und nicht selten verschulden sie sich dabei auch. Auch werden in der Regel ca. 2000 Personen eingeladen - Verwandte, Freunde, Bekannte und Kollegen. Das Thema Hochzeit ist ganz besonders wichtig im Alltag.

Hier noch ein paar Fakten zu indischen Hochzeiten:

- mindestens die Hälfte der Hochzeiten ist immer noch arrangiert oder zumindest halb-arrangiert (die Eltern schlagen                   mögliche Partner vor und die Tochter / der Sohn können nach einem Kennenlernen entscheiden, ob sie diese Person                    heiraten wollen)

- Vermittlung und Matching auch durch die Tempel – spezielles Formular (siehe Bilder)

- finanzielle Situation, richtige Kaste, passendes Horoskops ist dabei sehr entscheidend

- es kommt immer wieder vor, dass die Hochzeit abgesagt oder auch die Braut umgebracht wird weil die Brauteltern                        nicht genügend finanzielle Mittel aufbringen (z.B. Auto) wie ausgemacht wurde

- Hochzeitstag wird durch Horoskop bestimmt

- Heiratsalter meist Anfang / Mitte 20

- 3-5 Tage Hochzeitsfeier mit vielen Empfängen

- Empfänge vor dem wirklichen Hochzeitstag sind getrennt und das Brautpaar sieht sich erst am Hochzeitstag selber (nach Tradition darf sich das Brautpaar 11 Tage lang davor nicht sehen)

- Jahrestag der Hochzeit wird oft genauso gefeiert wie Geburtstag

- Scheidungsrate steigt, da Frauen immer mehr ein unabhängiges Einkommen haben

- Gastfamilie schiebt die steigende Scheidungsrate allerdings auf die zunehmenden Liebesheiraten (Liebe ist nie                              für ewig, deswegen sind nur arrangierte Hochzeiten das Wahre)

- bis zur Hochzeit lebt die Braut bei ihren Eltern

- nach der Hochzeit zieht sie in der Regel in die Wohnung der Schwiegereltern

- Frage, ob es eine arrangierte Hochzeit oder Liebeshochzeit ist / war, kann ohne weiteres immer gestellt werden (normale Frage!)

 

Noch 2 anschauliche Beispiele für arrangierte Hochzeiten:

 

-           Schulleiterin lädt verschiedene Lehrerinnen darunter auch mehrere Jüngere zur Card    Party (typisch vor dem Diwali Fest) ein und schaut wie diese privat so sind, da ihr Neffe in Europa (mit sehr guter finanzieller Situation) eine indische Frau heiraten möchte. Ihm ist dabei egal welche, für ihn ist jede genauso recht. 2 Lehrerinnen lehnen ab, die Dritte stimmt der Heirat zu. Ich glaube allerdings, dass die sich noch nicht einmal live gesehen   haben...

 

-           25 jähriger Architekt hat studiert und hatte eine gute Schulbildung. Er hatte eine  Freundin und bevor er seine Eltern von ihr überzeugen konnte, wurde sie schon  verheiratet. Er setzte dann seinen Fokus auf seine Karriere und seine Eltern suchten für ihn eine Frau aus und erheiratete, seinen Eltern zur Liebe, diese Frau. Glücklich ist er  damit allerdings nicht und er meinte mit Kindern mag er auf jeden Fall noch warten, bis er sein eigenes Business aufgebaut hat. Er meinte auch er fügt sich dem System seinen   Eltern zur Liebe, aber hätte gerne das europäische System (d.h. erst Karriere und dann Liebesheirat).

 

Ich wurde auch auf eine Hochzeit eingeladen (Liebesheirat) und auch auf den Empfang am Tag davor. An diesem Empfang wurde in einem Zelt im Innenhof der Eltern, getanzt, gegessen und Henna aufgemalt. Eingeladen wurde dabei nur die engste Verwandtschaft und Freunde - trotzdem 50 - 70 Personen. Braut bekam Henna anbeiden Händen (bis zum Ellenbogen) und an beiden Beinen (fast bis zum Knie) – dauerte ewig! Männer der Verwandtschaft haben sich woanders ein bisschen betrunken und waren dann auf der Party sehr tanzfreudig und auch teilweise ein wenig aufdringlich. Mir wurde auch gleich zu Beginn vom Brautvater Bier angeboten, dabei hat keine Frau getrunken – wohl weil ich Deutsche bin.

Am eigentlichen Hochzeitstag an dem auch die Zeremonie stattfand waren ca. 300 Leute (kleine indische Hochzeit) eingeladen. Dieser Tag oder besser gesagt Abend und Nacht laufen komplett anders ab als ich von Hochzeiten gewohnt bin. Es wurde in einem großen sehr prunkvoll geschmücktem angemieteten Lokation mit riesigem Garten gefeiert. Zu Beginn war die die Braut noch separat in einem Gebäude untergebracht und nur engste Verwandte (weiblich) waren bei ihr und mehrere Fotografen. Anschließend wurde sie dann zu ihrem Bräutigam gebracht und es folgte die sogenannte Kanyadan-Zeremonie. Dabei legt der Brautvater die Hände der Braut und des Bräutigams zusammen und umwickelt diese mit einer Blütengirlande und einem roten Tuch und segnet sie mit Gangeswasser.

Nach dieser  "Űbergabe" setzte sich das Brautpaar auf ein Sofa und es wurde im Wechsel mit allen möglichen Hochzeitsgästen Fotos über Stunden gemacht. Űberhaupt standen perfekte Fotos die ganze Zeit im Vordergrund - es gab auch einen "Regisseur", der immer wieder Anweisungen gab. Bevor es zum Buffet-Abendessen überging, wurden den Gästen Snacks gereicht, welche an mehreren "Straßenstand"-ähnlichen Tresen serviert wurden. Zum Abend aßen jedoch nicht alle zusammen (wäre aufgrund der Anzahl von Sitzplätzen auch nicht möglich gewesen). Gegen Mitternacht gingen dann die meisten Hochzeitsgäste heim. Bei der letzten Zeremonie (der Eheschließung) am sehr frühen Morgen (ca. 4 / 5 Uhr) sind vor allem die engsten Verwandten anwesend. Ich wollte allerdings in der Frühe nochmal kommen - allerdings zog da überraschend ein dichter Nebel (kein Smog) auf, dass zu dieser Zeit Auto fahren unmöglich war. Die Hochzeit fand am Rand von Delhi statt, das heißt die letzten 5 bis 10 Kilometer sah man überhaupt nichts und deswegen drehten wir wieder um. Bei dieser Zeremonie dreht das Brautpaar 7 Runden um ein Feuer und verspricht sich jede Runde etwas und es gibt auch eine Art Puja. Das ist vielleicht insgesamt ein bisschen vergleichbar wie bei uns die Trauung in der Kirche - dauert allerdings ca. 3 Stunden. Insgesamt war es eine sehr interessante Erfahrung, an einer indischen Hochzeit teilzunehmen und auch zu sehen, wie die Gäste alle gekleidet sind. Es ist vielleicht noch anzumerken, dass, wie so vieles in Indien, die Hochzeiten regional sehr unterschiedlich sind.

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Kerala - Jaipur - regionale (Deutsch)Lehrerkonferenz - Währungszwangsumtausch

Heute schaffe ich es endlich mal wieder einen neuen Blogeintrag zu verfassen. Ich war die letzten Wochen viel außerhalb von New Delhi unterwegs: Kerala, Jaipur, regionale (Deutsch)Lehrerkonferenz für Südasien, Projekte und Workshops an verschiedenen Schulen.... aber nun der Reihe nach...

 

Kerala

Die Tage in Kerala (Südindien) waren sehr schön und nach mehreren Wochen in New Delhi auch auffallend grün, ruhig und relaxed. Die Region um Munnar mit den ganzen Teeplantagen und vielem grün und die Backwaters sind sehr erholsam und schön aber auch ziemlich touristisch - aber auf jedenfall eine Reise wert. In der nächsten Stadt Kochi, wo auch der Flughafen ist gibt es viele Kirchen (aber kein Vergleich zu Europäischen). In dieser Region leben viele Christen (etwa 20 Prozent der Bevölkerung) und ist durch die Kolonialherrschaften sehr proguiesisch, aber auch britisch und holländisch geprägt. Was einem aber sofort auffällt wenn man in Kerala ist (neben dem vielen grün) ist, dass es offensichtlich sicherer ist. Während im Norden von Indien (speziell in Delhi) die meisten Menschen in sogenannten Kolonien (Zusammenschluss einer Strasse oder Wohngebiet mit hohen Zaun, Toren und Security) leben, haben hier auch Villen oft nur eine niedrige Mauer und keine Security.

 

Jaipur

Die Tage dannach war ich dann in Jaipur (Westindien) hier ist es nochmal sehr anders - mehr arabisch angehaucht und ich habe mir jetzt im Nachhinein sagen lassen umso weiter man nach Westen in dem Bundesstaat Rajasthan fährt umso mehr Dünen und arabischer wird es. Das Hawa Mahal (Windpalast) aus dem 18. Jahrhundert hat viele kleine schön verzierte vergitterte Fenster, mit denen man die Luft zirkulieren kann und es somit drinnen immer kühl ist. Sehr intelligente Bauweise! Diese Region ist auch bekannt für ihre ausgefallenen Stoffe und Schmuck. Deswegen ist dies auch ein beliebtes Ziel bei vielen Leuten in New Delhi (Fahrzeit ca. 4 Stunden). Zwar gibt es in Delhi viele Märkt aber für dies Stoffe in Jaipur eine grössere Auswahl und günstigere Preise.

 

regionale Lehrerkonferenz für Südasien

Das Wochenende dannach fand die jährliche regionale (Deutsch)Lehrerkonferenz in Faridabad in der Nähe von New Delhi statt. Wir Schulwärts!-Stipendaten waren auch eingeladen. Dabei kamen ca. 100 Deutschlehrer aus Pakistan, Iran, Sri Lanka, Bangladesch, Afganistan und ganz Indien. Am Sonntag zusätzlich noch ca. 80 weitere aus Nordindien. Das ganze fand in einem 5 Sterne Hotel "Taj" - der Luxushotelkette in Indien. Es war sehr praktisch, dass ich am Freitag schon früh dort war um den Pool, Sauna und Dampfbad zu nutzen, bevor die nächsten Tage mit vollem Programm wenig Zeit dafür blieb. Die Konferenz (organisiert vom Goethe Institut) bestand aus vielen verschiedenen Vorträgen und Workshops zur deutschen Sprache und es gab wie immer in Indien sehr viel zu Essen. Besonders spannend fand ich allerdings mit den einzelnen Lehrern aus den verschiedenen Ländern ins Gespräch zu kommen. Beispielsweise war es für die Pakistaner bis einen Tag vor der Konferenz nicht sicher, ob sie ein Visum bekommen - aufgrund des angespannten Verhältnisses von Indien und Pakistan. Auch mussten sie zu Fuss (mit stundenlangen Warten) die Grenze überqueren, bevor sie dann nach einer halbstündigen Busfahrt in den Flieger nach New Delhi steigen konnten. Es gibt nämlich nur einmal die Woche einen Direktflug von Pakistan nach Indien und dieser wird auch noch sehr oft von der Regierung gestrichen. Auch müssen sich männliche Pakistaner jeden Tag bei der Polizei melden und Angaben über ihren Aufenhaltort machen (umgekehrt auch Inder in Pakistan). Allerdings dauerte dies am Samstag von 11 bis 19 Uhr - die Pakistaner meinten man mag ihnen zeigen, dass sie in diesem Land nicht willkommen sind. (Das erklärt auch wieso man als Europäer bei dem Visumantrag so viele Angaben zu seinen Reisen, Verwandten und Abstammungen in Pakistan machen muss). Auch lebten mehrere dieser Pakistaner auch schon längere Zeit in Deutschland und haben sich dann bewusst oder auch nicht dafür entschieden wieder zurück in ihre Heimat zu gehen. Beispielsweise ein Pakistaner mit deutschem Pass lebte mit seiner pakistanischen Frau mehrere Jahre in Deutschland und hat sich dann entschieden zurück nach Pakistan zu gehen. Er sieht sein Heimatland in vielen Dingen zwar sehr kritsch und ist sehr froh einen deutschen Pass zu besitzen. Seine Vision ist die Schüler(innen) nach europäischen Stil zu unterrichten, zur Offenheit erziehen und somit etwas dazu beitragen, dass Pakistan in Zukunft ein weltoffeneres Land wird. Ein anderer Pakistaner wiederum studierte in Deutschland und als er fast fertig mit dem Studium war, lief sein Visum aus und er sollte für formale Zwecke kurz nach Pakistan zurückfliegen, aber er bekam kein Visum mehr und die Leistungen von der deutschen Universität werden ihm in Pakistan nicht anerkannt. Jetzt ist er ziemlich unzufrieden mit seinem Leben und unterrichtet Deutsch. Seine ganze Verwandtschaft lebt ausserhalb von Pakistan und seine Eltern haben ihm vorgeschlagen seine Cousine in Dubai (mit VAE-Pass) zu heiraten. Eine andere Pakistanerin mit Kopftuch ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und hat mit ca. 20 Jahren in Pakistan geheiratet. Sie sagt sie war "jung und naiv" aber bereut dies nicht. Allerdings schaut sie sehr, dass sie und ihre Kinder den deutschen Pass behalten - aufgrund der Reisefreiheit. Ich habe viele verschiedene weitere Menschen kennengelernt, die alle ihre eigene interessante Lebensgeschichte haben. Beispielsweise sind die meisten Iranerinnen von ihrer Schule verpflichtet gewesen ein Kopftuch zu tragen - deswegen war es auf Fotos auf jedenfall Pflicht. Die iranischen Mitarbeiterinnen vom Goethe Institut trugen dagegen teilweise einen Minirock.

 

Währungszwangsumtausch

Ein weiteres Thema, dass die letzten Wochen in Indien zentral ist, ist der überraschende Währungszwangsumtausch. Als der indische Premierminister Narendra Modi am Dienstagabend den 8. November überraschend verkündet, dass ab Mitternacht alle 500 und 1000 Rupienscheine keine Gültigkeit besitzen und diese nur noch vorübergehend um in begrenzten Umfang getauscht, in Tankstellen oder Regierungseinrichtungen eingetauscht werden können. Somit haben seitdem nur noch der 100 Rupien Schein (ca. 1,30 Euro) und kleinere Scheine ihre Gültigkeit und der neue 2000 Rupien Schein und in kürze!!! der neue 500 Rupien Schein. Allerdings so gut wie alle Bankautomaten sind nicht auf die neuen Scheine ausgelegt, das heißt es gibt nur 100 Rupien Scheine. Grund für diese Vorgehen ist der hohe Anteil von Schwarzgeld und Korruption in Indien. Ich bekam diesen Zwangsumtausch auch gleich zu spüren, als ich um 5 Uhr in der Früh des 9. November zum Flughafen fuhr, um nach Kerala zu fliegen - beim Wasserkauf am Flughafen wollten sie die alten 500 Rupien Scheine nicht mehr nehmen. Auch blieben die Banken erstmal überall im ganzen Land für ein bis zwei Tage ganz geschlossen. Zum Glück nahmen viele Verkäufer in Touristenshops in den ersten Tagen noch die alten Scheine und Taxifahrer und ich hatte auch noch meine Visakarte. Aufgrund der Situation ist es öfters möglich doch mit Karte zu zahlen, wenn das auch heisst, dass mehrere Geschäftsbesitzer sich gegenseitig aushelfen. Jetzt nach über 2 Wochen hat das Chaos vor den Banken und den Automaten zwar ein klein wenig nachgelassen - aber sind immer noch überall lange Schlangen oder kein Bargeld in den Automaten. Auch durfe man die erste Zeit nur 2000 Rupien (ca. 25-30 Euro) und inzwischen 2500 Rupien täglich abgehoben werden. Ich bin sehr froh, dass ich auf dem Rückflug von Kerala im Securitybereich des Flughafens (nur 20 Leute vor mir) am Automaten Geld abgehoben habe, allgemein unter Woche wenig Ausgaben hier habe und immer versuche irgendwie mit Karte zu zahlen. Allerdings muss ich mich dieses Wochenende mal auf die Suche nach einer nicht zu langen Schlange am Geldautomaten machen (neben dem Warten, ist das Bargeld in den Automaten aufgrund dem höchsten Schein Rs. 100 auch schnell leer ) oder eine Möglichkeit finden Euro zu tauschen. Man muss allerdings sagen, dass man alltägliche Dinge sehr günstig kaufen kann. Beispielsweise eine kleine Kekspackung für Rs. 10 (ca. 15 Cent). Ich wurde auch schon öfters gefragt, was man in Deutschland für umgerechnet Rs. 10 bekommt - mir ist nichts eingefallen....

Demnächst berichte ich näheres von den verschiedenen Workshops und Projekten zu Deutschland, die ich an meiner Praktikumsschule und anderen Schulen durchführe.

Vor Kurzem war auch ein kleiner Artikel über meinem Praktikumsaufenthalt in der Hindustan Times, New Delhi.

Bis demnächst! Hannah

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Luftverschmutzung - Klassenfahrt nach Agra

Nach Diwali wurde der übliche hohe Smog in New Delhi noch mehr… durch das viele Feuerwerk (wobei weniger als 2015) , als auch die weiterhin vielen offenen Feuerstellen und vor allem am Rand von Delhi als auch auch allgemein auf den Dörfern wird auch immer wieder Müll und Blätter im großen Stil verbrannt und nicht zu Letzt begünstigt der Wetterumschwung (der Winter beginnt: nachts hat es nur noch knappe 20 °C) die hohe Luftverschmutzung….

Die ersten Tage (außer an Diwali selber) ist es mir persönlich nicht so aufgefallen (die Luft ist zu keinem Zeitpunkt wie in Deutschland) und ich glaube auch es wurde erst eine halbe Woche später richtig schlimm – zumindest begann dann das Fernsehen darüber zu berichten… das Wochenende fuhr ich dann mit den Schülern aus Klasse 4 und 5 auf Klassenfahrt nach Agra für 2 Tage und da merkte man wirklich die Verschmutzung und Taj Mahal welches eines der 7 Wunder auf Erden sein soll (und das Wahrzeichen von Indien) hatte nicht mehr ganz so seinen „Wow“-Effekt – trotzdem waren es tolle Tage mit den Schülern und den Lehrern (näheres folgt weiter unten). Als wir von der Schulfahrt zurück kamen begannen die internationalen Medien verstärkt von der Luftverschmutzung zu berichten und auch die Regierung in New Delhi wurde durch Demonstrationen und da der hohe Smog so lange anhielt zum Handeln gezwungen. Daraufhin wurde 3 Tage Schulferien für alle Schulen in Delhi verhängt (das gab es noch nie aufgrund des Smogs), Baustellen vorübergehend geschlossen, Elektrizitätswerke heruntergefahren, die Straßen mit Wasser besprenkelt und die Menschen wurden dazu aufgefordert nicht so viel vor die Tür zu gehen. Diese Maßnahmen sind alle sinnvoll – die Frage ist nur wieso hat man eine Woche für diese Maßnahmen gewartet? Wurde der Druck von der Bevölkerung und international zu hoch? Die gebildete Bevölkerung in Indien fordert schon seit Jahren ein Verbot für Feuerwerke. Allerdings hätte der Staat und die oft korrupte Polizei auch Probleme dies zu kontrollieren. Auch ist ein sehr großes Problem, dass viele Leute in Slums, am Stadtrand und auf den Dörfern Plastik verbrennen – vielleicht sollte man auch dort ansetzen…. Nun eine Woche nach Diwali wo die ganzen Maßnahmen verhängt wurden und das international in den Medien war, wurde ich von allen Seiten darauf hingewiesen das Haus möglichst nicht zu verlassen und das Goethe-Institut (Organisator des SCHULWÄRTS!-Stipendium) legten mir auch nahe zumindest für ein paar Tage die Stadt zu verlassen, um gute und frische Luft zu atmen – ich hoffe dies hilft als Ausgleich zu letzter Woche. Gleichwohl wurde ein Tag nach diesen ganzen Maßnahmen auch die Luft wieder eindeutig besser. Nachdem mir alle Seiten dazu raten fliege ich jetzt ein paar Tage in den Süden von Indien. Anmerken mag ich allerdings, dass ich die ganze Zeit nie so dreckig erlebt habe wie auf den Bildern in den deutschen Medien (z.B. Spiegel online) gezeigt wurden, dass in Agra der Smog schlimmer ist als in New Delhi und ich allgemein normalerweise nie viel Zeit draußen verbringe.

Zurück zu der Klassenfahrt am Wochenende nach Agra. Klassenfahrten laufen hier irgendwie schon ziemlich anders ab. Dies fängt schon bei der Organisation an. Während in Deutschland normalerweise die Lehrkräfte alles selbst managen müssen wurde hier ein Reisedienstleister beauftragt, der alles organisiert und auch mitfährt. Auch fuhren aus Sicherheitsgründen und damit die Betreuung optimal gewährleistet werden kann, mit mir 8 Lehrkräfte und 3 Personen des Reisedienstleister mit (vor Ort auch noch 3 Reiseführer) und das für 72 Schüler (in Deutschland wären das insgesamt höchstens 5 Lehrer). Auch fand die ganze Fahrt komplett am Wochenende statt und es war eine bunt gemixte Gruppe von 4. und 5. Klässlern. Es ging los am Samstag um 5 Uhr in der Früh mit dem Bus (Hinfahrt ca. 4 Stunden) und zurück kam man am Sonntag Abend nach einem ewigen Stau in Delhi (Rückfahrt dauerte ca. 6 Stunden). Es ging zum Taj Mahal – wirklich sehenswert, wenn sicherlich noch viel besser bei weniger Smog. Interessant vielleicht: Seit mehreren Jahren sind Fahrzeuge (außer Elektrofahrzeuge) im Umkreis von 2km des Taj Mahals verboten (und wird auch eingehalten) um die Schönheit dieses Gebäudes zu erhalten. Das Taj Mahal (Mausoleum aus weißem Marmor) ließ Mogul Shah Jahan für seine verstorbene Frau erbauen und ist das Wahrzeichen von Indien. Daneben besuchten wir noch das Agra Fort (Unesco Weltkulturerbe), Fatehpur Sikri (ehemalige Hauptstadt des Mogulreichs – Unesco Weltkulturerbe) und das größte Bären-Rescue-Center. Das Bären-Rescue-Center war für mich persönlich nicht so interessant – war wie ein Zoo im Wald mit lauter Bären in den verschiedenen Gehegen. Anschließend wurde in einem „Haus“, das aus Holzstämmen gebaut wurde ein Film über die „Tanzbären“ und wie diese gerettet werden angeschaut und Mittag gegessen. Dabei kamen immer wieder aus der freien Wildbahn Affen in das „Haus“ durch Löcher in der Wand und die Angestellten hatten viel damit zu tun, diese davonzujagen… dennoch klaute ein Affe zwei Bananen. Die Schüler waren dabei sehr ängstlich und ich muss sagen so ein Affe hüpft schon immer sehr überraschend und mit einem großen Tempo herbei…. Während des ganzen Aufenthalts waren die anderen Lehrer hauptsächlich damit beschäftigt Bilder von den Schülern zu machen und per What's App den Eltern zu schicken (Schüler war es verboten ein Handy mitzunehmen) weil diese alle genau immer aktuell auf dem laufenden gehalten werden wollen. Das fand ich echt krass und die Klassenfahrt dauerte nicht mal 2 Tage. Auch riefen viele Eltern immer wieder an, obwohl es eigentlich abends eine feste Stunde gab, an der sie anrufen sollten… Mir schien es fast so als ob die Eltern den ganzen Tag nichts anderes zu tun hatten als den Ausflug des Kindes zu verfolgen. Vorab wurde auch allen Eltern in einem Brief mitgeteilt, dass sie auf keinem Fall an den Sehenswürdigkeiten auftauchen sollten, da das eine Schulfahrt ist. Ich habe damals nicht verstanden wieso man die Eltern darauf hinweisen muss, aber jetzt im Nachhinein betrachtet war dies wohl sehr sinnvoll und es kam anscheinend wirklich schon öfters vor, dass Eltern an dem Hotel oder an den Sehenswürdigkeiten aufgetaucht sind. Insgesamt war es ein toller Trip und man lernte die Schüler und Lehrer noch einmal viel besser kennen.

Liebste Grüße aus Indien! Hannah 

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Diwali & sonstige News

 

DIWALI – das größte Fest in Indien überhaupt. Auch wenn in den Monaten Oktober / November viele Feste hier gefeiert werden ist Diwali DAS Fest auf das alle hingefiebert haben. Seit meiner Ankunft Anfang Oktober bestanden nahezu alle Werbungen im Fernsehen, Radio, Plakaten, Zeitungen im Zusammenhang mit Diwali. Heute (30. Oktober) ist nun dieser Tag des Lichterfestes – es werden aber auch die Tage davor und danach gefeiert. Kurz zur Bedeutung dieses Festes: Diwali wird in ganz Indien, Nepal und Sri Lanka gefeiert. Die Bedeutung bzw. der Grund dieses Festes ist dabei sehr unterschiedlich. Hier in Nordindien geht das Fest auf denn Gott Rama zurück der 14 Jahre  ohne irgendwelchen Luxus im Dschungel gelebt hat, den Dämon Ravana besiegt und nun in die Stadt Ayodhya zurückkehrt. Da es dunkel war zündeten die Menschen Öllampen an – das anzünden von den Lampen soll auch das Böse vertreiben. Aus diesem Grund ist Diwali auch das Lichterfest. Grundsätzlich fällt das Diwali-Fest jedes Jahr und je nach Region anders da es immer an Neumond im Monat Kartik (Oktober / November) stattfindet. 

Ich habe öfters gelesen, dass Diwali wie bei uns Weihnachten und Silvester zusammen entspricht. Diesen Zusammenhang kann man auch sehen. Hier werden auch Wochen und Monate Diwali vermarktet wie bei uns Weihnachten und der Einzelhandel macht seinen Umsatz des Jahres, auch werden die Häuser dekoriert (allerdings mit Blumen, Farbpulverbildern und vielen Lichterketten in verschiedenen Farben) und dabei war es ursprünglich ein spirituelles Fest. Desweiteren werden die Tage um Diwali viel Feuerwerk angezündet – dabei merkt man sichtlich wie die Luft in der Stadt schlechter wird. Am Freitag wurde Diwali schon in der Schule groß gefeiert. Ausnahmsweise trugen die Schüler(innen) keine Schuluniform sondern kamen festlich aufgestylt zur Schule. Die Grundschulklassen führten für ihre Mitschüler und Eltern ein Theaterstück auf, dass die Geschichte des Diwali-Festes wiederspiegelte. Auch wurden mehrere indische Tänze aufgeführt. Anschließend wurde in den geschmückten Klassenzimmern Diwali gefeiert, wobei jeder Schüler etwas zu esssen mitbrachte. Bevor allerdings zusammen gegessen wurde, gab es ein „Puja“. Dies bedeutet eine Götterverehrung. Dabei wird das Göttliche in einer Statue verehrt. Dabei werden viele Gebete und Lieder auf Hindi aufgesagt bzw gesungen und dabei Obst, Geld, Blumen, Süßigkeiten… der Gottheit als Opfer gegeben und Räucherstäbchen und Kerzen angezündet. Anschließend bekommt jeder einen Segenspunkt (Bindi) auf die Stirn („Dieses Zeichen gebe dir Frieden“) und oft auch eine „Gabe von der Gottheit“ (indische Süßigkeit, Obst). 

Die beiden Wochen vor Diwali habe auch ich viele Geschenke gekauft und schon viele bekommen (man gibt hier die Geschenke vor dem Fest). Was ich sehr amüsant finde man schenkt dabei neben Kerzen und Süßigkeiten auch alles mögliche Praktische; sehr beliebt ist dabei Bettwäsche oder Küchengeräte. Auch gibt es traditionell viele sogenannte „Card-Partys“. Dabei zieht man sich schick an, ratscht und isst viel und es wird Karten gespielt. Dieses Kartenspiel funktioniert von den Grundregeln ähnlich wie Poker (wenn auch nicht so ganz) und dann gibt es lauter Zusatzregeln und bei jeder Party sind das andere Zusatzregeln – ich bin noch nicht so ganz durchgestiegen. 

 

Namaste Deutschland 

Das Deutschlandfest für die jungen Deutschlerner letzten Samstag war ein großer Erfolg. Auch einen großen Respekt an die Schüler(innen), die beim Zungenbrecher-Wettbewerb teilnahmen und in der Finalrunde die erste Hälfte des Rhabarberbarbara-Zungenbrechers vortrugen. Bei anderen Wettbewerben und Workshops beispielsweise ein Graffiti zu der deutsch-indischen Freundschaft oder beim Dichten von deutschen Liedern oder beim Tanzen zu deutscher Musik oder dem Modellwettbewerb zu bekannten deutschen Menschen, durften die Kinder und Jugendlichen ihre Kreativität unter Beweis stellen. Für mich als Deutsche war es oft sehr amüsant. Beispielsweise wenn Inder zu deutscher Musik tanzten oder deutsche Lieder sangen. Auffallend war, dass bestimmte Schulen besonders viele Preise abstaubten, da diese wahrscheinlich besonders auf diese Wettbewerbe vorbereitet wurden. Auf diesem Fest waren auch viele Deutsche – aber ich war glaube ich die einzige Deutsche die indische Klamotten trug; viele Schüler(innen) wollten deshalb unbedingt ein Foto mit mir machen. 

 

Schule 

Umso länger ich an der Schule bin, umso mehr Unterschiede stelle ich, im Verhältnis zu dem deutschen Schulsystem, fest. Zum einen ist die Hierarchie viel mehr ausgeprägt. Die   Lehrer(innen) haben großen Respekt vor der Schulleiterin, die auch regelmäßig durch das Schulhaus geht und die Lehrer(innen) zurechtweist, wenn diese zum Beispiel für kurze Zeit im Lehrerzimmer die Augen schließen. Auch ist den Lehrkräften nicht erlaubt ihr Handy während der Schulzeit zu nutzen (auch nicht im Lehrerzimmer) – bei erwischen ist eine Geldstrafe fällig. Desweiteren müssen die Lehrer bis spätestens um 7.50h mit ihrem Fingerabdruck „einchecken“. Wer 3-Mal nur 5 Minuten zu spät ist bekommt einen halben Urlaubstag abgezogen. Auch müssen alle Lehrkräfte jeden Tag von 7.50 – 14.30h (Freitag bis 16.15h) in der Schule bleiben – egal ob sie Unterricht halten oder nichts zu tun haben. Auch ist Anwesenheitspflicht an zwei Vormittagen am Samstag im Monat, um Korrekturen oder sonstige Tätigkeiten zu erledigen. Auch haben die Schüler(innen) sehr großen Respekt gegenüber der Schulleiterin (viel mehr als in Deutschland). Mir gegenüber ist die Schulleiterin dagegen immer sehr wohlgesonnen und zuvorkommend (ich bin allerdings auch Gast). Auch ist sie sehr begeistert von meinem Unterricht und hätte gerne, dass der Unterricht an ihrer Schule aktiver gestaltet werden würde und hofft, dass sich mehrere Lehrkräfte meinen Unterricht anschauen und zumindest etwas übernehmen. Die meisten Lehrer sind dem Austausch sehr angetan, allerdings gibt es auch ein paar die gerne alles so haben wie schon immer und allgemein eher nicht so weltoffen sind. Grundsätzlich werde ich immer wieder gefragt ob in Indien oder Deutschland die Schüler(innen) mehr leisten müssen. Dabei ist das ein komplett anderes Lernen: Die indischen Schüler(innen) können gut auswendig lernen und das wird von ihnen auch hauptsächlich gefordert, allerdings Zusammenhänge verstehen  oder aktive Problemlösung wird größtenteils gar nicht gefordert. Durch den meistens sehr frontalen Unterricht, bei dem die Schüler(innen) nur sehr selten zu Wort kommen auch schwierig. Somit wird in Deutschland mehr eigentliches Wissen vermittelt und in Indien mehr auswendig gelernt. Dadurch würde ich sagen, dass deutsche Schüler auf jedenfall mehr in ihrer Schulzeit lernen, die Schüler in Indien durch das viele auswendig lernen allerdings viel Zeit investieren müssen. Allerdings muss man auch anmerken, dass es in Indien jedes Jahr einen landesweiten Test gibt auf den die Lehrkräfte die Schüler(innen) primär vorbereiten und dadurch haben sie einen straffen Zeitplan. Das ist mein Eindruck nach 3 Wochen – allerdings ist der Deutschunterricht erstaunlich aktiv, abwechslungsreich und europäisch – vielleicht weil das Buch (Klett Verlag, Stuttgart) schon viel anschaulicher ist oder die Lehrkraft regelmäßig Weiterbildungsmaßnahmen beim Goethe Institut besucht und allgemein sehr weltoffen ist? Dennoch hat mich die Schulleiterin unter anderem beauftragt während meines Aufenthalts den Deutschunterricht der einzelnen Klassenstufen ausführlich zu bewerten und Verbesserungsvorschläge zu machen. Insgesamt möchte die Schulleiterin weiter den internationalen Austausch fördern und neben ihrer schon bestehenden Austauschschule in Halle, auch noch mit andern Schulen in Europa und Australien kooperieren. Auch meinte sie zu mir sie freut sich jederzeit auf Besuch von Lehrern aus anderen Ländern und das sie den internationalen Austausch für sehr wichtig hält und wenn ich jemand kenne, der gerne ein paar Wochen / Monate an der Schule verbringen möchte, kann ich sie jederzeit kontaktieren und sie kümmert sich dann um eine Gastfamilie etc.. 

Ich habe auch angefangen ein bisschen Hindi zu lernen und auch zu schreiben. Die Hindilehrerin in der Schule hilft mir regelmäßig, aber dadurch dass die Zeichen für mich schon eher malen als schreiben sind – nicht so einfach. Schüler haben mir auch schon versucht einen Hindi-Song beizubringen (kurze Songs sind dennoch 5 Minuten lang). Dafür haben die 5. und 6. Klassen sehr viel Spaß leichte deutsche Lieder zu lernen, zu singen und zu tanzen. 

 

Indien 

Bei den Indern steht die Gastfreundschaft sehr hoch: Ein Gast ist wie Gott und wenn man diesen sehr gut behandelt, wird man eine gute „Wiedergeburt“ haben. Auch die oft internationale negative Berichterstattung über Indien im Bezug auf Frauen, veranlasst viele Inder selbst in Geschäften Ausländerinnen besonders zuvorkommend zu behandeln. Sei es, dass einem beim Aufladen des Handyguthabens ein (verschlossenes) Getränk angeboten wird oder man in einem Tempel ein „heiliges“ Tuch (rot mit Lametta) geschenkt bekommt. 

Weiterhin probiere ich ständig neue indische Gerichte welche so gut wie immer sehr lecker sind. Was ich allerdings wirklich sehr gerne mag sind Parantha (Chapati mit Kartoffeln und Gewürzen), Samosas gefüllt mit Kartoffeln und so ein spezieller Salat aus Erdnüssen, Mais, Paprika, Sprossen, Tomaten… mit verschiedenen Gewürzen. Auch habe ich erstmal ein Mangostängeleis probiert das hat geschmeckt als ob man eine sehr reife frische Mango essen würde – sehr lecker! Sonst gefällt es mir weiterhin sehr gut und ich erfahre / erlebe jeden Tag viel Neues. Unter anderem haben fast alle Inder ein paar verschiedene Pflanzen auf ihrem Balkon, die zur Gesundheit beitragen. Während man das eine Blatt prophylaktisch mit essen mitkocht, kocht man ein anderes Blatt mit Honig und speziellen orangen Ingwer auf und trinkt dies wenn man sich nicht so gut fühlt. Kurkuma wiederum hilft gegen kleine Wunden und Kokosöl gegen Blasen an den Füßen. 

Langsam beginnt der indische Winter – die Inder freuen sich schon alle sehr – das heißt aber trotzdem noch um die 30 Grad und abends kann es dann schon mal 20 Grad werden. 

Viele liebe Grüße aus New Delhi in das herbstliche Deutschland :) 

1 Kommentare

Namaste India!

Nun bin ich schon über eine Woche in New Delhi, dabei kommt es mir eigentlich schon

viel länger vor – all die vielen verschiedenen Eindrücke und die eigentlich schon ganz

andere Kultur. Nun aber mal der Reihe:

 

Visum

Als großer Hinweis vorab: Ein Indienvisum zu bekommen ist ansich nicht so schwierig,

allerdings heißt es nicht, dass wenn mal alle (angeblich) erforderlichen Unterlagen

einreicht, dies die Unterlagen sind die eingereicht werden sollen. So ging es mir mehrmals

so, dass ich eine E-Mail von der Visaagentur bekam, dass weitere Dokumente fehlen, was

mir immer schleierhaft war (und dabei hatte ich an den Tagen meiner

Staatsexamensprüfungen eigentlich anderes im Kopf). Im Nachhinein erfuhr ich, dass das

mehreren Schulwärts!-Praktikaten/-innen so ging… Vielleicht auch nur ein „Problem“ bei

dem speziellen X-Entry Visum? Auf jedenfall, wenn man das Visum mal hat, der Flug

gebucht und gepackt ist kann es endlich… passend zur Oktoberfestzeit habe ich als

Gastgeschenke mehrere Lebkuchenherzen mitgenommen und Schokolade (hier sehr

teuer! Eine Tafel Lindt-Schokolade kostet umgerechnet ca. 10 Euro!)

 

Flughafen

Bei der Ankunft in Delhi stellt man sofort fest, dieser Flughafen riesig (genauso wie die

Stadt) – bis man bei der Passkontrolle ankommt läuft man ewig immer gerade aus…. Auch

das Warten auf den Koffer dauert ewig, ebenso werden sehr viele Leute gleichzeitig

abgeholt, ebenso ist Stau auf dem Highway beim Flughafen und das um nach 1.00h in der

Nacht…. Wie ich im Nachhinein erfahren habe, kommen alle internationalen Flüge immer

innerhalb kurzer Zeit so um Mitternacht rum an bzw. fliegen da ab und der Flughafen ist

dann total überlastet…. Andererseits sind überfüllte Straßen und sehr viele Staus bzw

Stop-and-go in New Delhi sehr häufig anzutreffen, wie man schnell feststellen kann….

Ich wurde am Flughafen sehr herzlich von Hema (der Deutschlehrerin meiner

Praktikumsschule) und ihrer Schwester abgeholt und mit einem Blumenstrauß

Willkommen geheißen.

 

Gastfamilie

Beim Haus der Gastfamilie, bei der ich nun fast 2 ½ Monate wohnen werde, stellt man

schnell fest – denen geht es finanziell sehr gut. Ein sehr großes Zimmer und ein riesiges

Bad soll nun vorübergehend meins sein. Auch stellte ich sofort fest, dass Haus ist

untypisch indisch – alles in braun/beige/weiß Tönen gehalten. Ebenso stellte ich am

nächsten Tag fest haben sie mehrere Hausangestellte. Für mich ist es immer noch sehr

ungewohnt, dass einem ständig Essen und Trinken angeboten wird und das Zimmer jeden

Tag aufgeräumt (da wird man aus schlechtem Gewissen schon sehr ordentlich) und

geputzt wird…. Der Sohn der Gastfamilie lernt das dritte Jahr Deutsch an meiner

Praktikumsschule und die Eltern hoffen sehr, dass durch mich sein Deutsch besser wird.

Die Gastfamilie ist sehr nett und zuvorkommend und ich habe mich schon sehr eingelebt.

Es wird in der Familie sehr viel fernseh geschaut, was ich eigentlich nicht so gewohnt bin

(da ich von klein auf untypisch deutsch ziemlich ohne Fernseher aufgewachsen bin) –

aber ich muss sagen speziell die indische Werbung ist wirklich ziemlich lustig,

abwechslungsreich und nicht immer nach dem ähnlichen Prinzip.

 

Essen

Wie ich auch schnell feststellen konnte, Inder essen ständig – es gibt so häufig was zu

essen da kann man schon gar nicht mehr Hunger bekommen und das ist ausnahmslos

egal wo ich bisher war. Mal abgesehen davon wird schon immer in der Früh mit einem

sehr deftigen Frühstück angefangen (viel Paniertes, Kartoffeln in allen Variationen,

Sandwichs…) und was ich jetzt immer esse, wenn ich früh aufstehen und zur Schule

muss: Haferflocken mit Art Milch, Gewürzen (warm) und Äpfeln. Neben Lunch und

Abendessen, wo es oft Chapati, Hülsenfrüchte (Dal), Kartoffeln in allen Variationen, eine

spezielle Art von Käse (Panir) und alle Arten von Gemüse, Saucen, indischer Joghurt

(Dahi) und natürlich Reis gibt…. Auch gibt es regional sehr große Unterschied z.B. in

südindischen Restaurants gibt es verbreitet eher Naanbrot statt Chapati. Dazwischen wird

einem regelmäßig Masala Tee (Schwarztee, Gewürze, Milch und viel Zucker), Grüntee

oder Kaffee mit salzigen Snacks oder Cookies angeboten. Das Essen ist auf jedenfall

immer sehr lecker und nicht so sehr scharf wie mich jeder immer gewarnt hat (bzw

teilweise wird auf mich auch Rücksicht genommen). Allein die sehr süßen Nachspeisen

sind mir viel zu süß (eine schaut auf wie eine kleine Bratwurst) und frittierte Puri (Brotart)

sind oft zu fettig; ebenso hat Masala Limonade einen sehr eigenen Geschmack. Was für

mich als Vegetarier natürlich perfekt ist: Die meisten Inder sind Vegetarier (oft essen sie

auch zusätzlich kein Ei).

Noch eine kurze Anmerkung: Ich war vor 5 Jahren 3 Monate in Kenia – mir wurde jetzt der

indische Einfluss, was das Essen, in Kenia angeht bewusst: Chapati und Masala Tee

gehören auch dort zum tägliche Leben.

 

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