Grüße aus dem portugiesischen Herbst!

Hallöchen, ich melde mich mal wieder, um zu erzählen, was in den letzten Wochen so los war in Leiria.

Zunächst haben einige (wenige) Regenschauer dazu geführt, dass sich die Situation nach den Bränden wieder etwas beruhigt hat. Trotzdem qualmten noch einige Zeit lang die Glutnester und bei stärkerem Wind brachen auch immer mal wieder kleinere Feuer aus, die glücklicherweise aber schnell unter Kontrolle gebracht werden konnten.

 

Der Schüleraustausch

Dann stand der Schüleraustausch an, der aufgrund der Städtepartnerschaft zwischen Leiria und Rheine seit 15 Jahren durchgeführt wird. Aus Rheine waren 18 Schüler*innen aus drei verschiedenen Schulen dabei, die nun ihre Partner*innen in Leiria besuchten, die neben meiner noch von einer anderen Schule kamen. Kurz vor meiner Ankunft in Leiria im September waren die portugiesischen Schüler*innen am Ende ihrer Sommerferien in Rheine zu Besuch gewesen.

 

Meine Aufgaben

Da der Austausch nicht direkt eine Schulangelegenheit ist, musste der Unterricht für die portugiesischen Schüler*innen ganz normal weiterlaufen. Auch Lisete (die mich betreuende Lehrerin), die den Austausch von Beginn an mit organisiert und durchgeführt hat, musste die ganze Woche unterrichten. Dafür durfte ich einspringen und begleitete die Gruppe bei dem Programm und den Ausflügen.

 

Schüleraustausch in Leiria – das Programm in Bildern

Die Woche war zwar sehr voll und mit dem ganzen Programm auch etwas anstrengend – dennoch schätze ich mich wahnsinnig glücklich, dass ich die Gruppe begleiten durfte und so die Chance hatte, all diese Sehenswürdigkeiten zu besuchen, oftmals sogar mit Führung (teilweise zum Leid der Schüler*innen).

 

Seitdem hat übrigens auch hier in Portugal der Herbst Einzug gehalten. Seit Anfang November liegen die Temperaturen tagsüber nur noch bei 17-20°C und sinken nachts stark – heute Morgen hatten wir 4°C!

Aber naja, ich möchte mich nicht beschweren, ich weiß, dass ihr es in Deutschland wesentlich grauer und ungemütlicher habt ;-) 

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Aus aktuellem Anlass: Über die Brände in Portugal

Brände in der Nähe von Coimbra

Ich hatte bereits berichtet, dass ich schon öfter Rauchgeruch wahrnehmen konnte, da sich immer wieder Brände aufgrund der langanhaltenden Trockenheit entzünden. Am Wochenende vom 7./8. Oktober kam es zu Bränden zwischen Leiria und Coimbra, die sich durch deutliche Rauchschwaden am Himmel bemerkbar machten. Es rieselte sogar Asche in Coimbra, wo ich an dem Wochenende unterwegs war.

Rauchschwaden am Himmel über Coimbra
Rauchschwaden am Himmel über Coimbra

Die Brände am vergangenen Wochenende

Nun berichtete sogar die Tagesschau gestern Abend von den verheerenden Bränden hier in Portugal. Die ganze letzte Woche war unglaublich heiß, die Temperaturen lagen jeden Tag um die 30°C. Aber es sollte Regen durch den Sturm „Ophelia“ kommen und obwohl ich diesen verlängerten Sommer hier in Portugal sehr zu schätzen weiß, so ist mir doch bewusst, dass diese Hitze schädlich für das Land ist. Also wartete ich auf den Regen. Am Sonntag wurde es zusätzlich sehr windig und ich dachte, dass uns ein Gewitter bevorsteht.

Rauchschwaden am Himmel über Leiria
Rauchschwaden am Himmel über Leiria

Allerdings haben wir am Tag darauf in den Nachrichten gesehen, dass das die Rauchwolken der Brände in Vieira de Leiria waren, eine Gemeinde an der Küste, ca. 20km entfernt. Durch den starken Wind haben sich am Sonntag, den 15.10.2017, die Brände schnell ausgebreitet, wodurch riesige Gebiete, darunter auch Häuser und Fabriken, abgebrannt sind. Abends konnte man am schwarzen Nachthimmel die Flammen rot am Horizont lodern sehen. Man spricht mittlerweile von ca. 39 Toten durch die Feuer.

Foto aus Vieira de Leiria
Foto aus Vieira de Leiria

Leiria versinkt im Rauch

Am Montag fiel allen das Atmen schwer. Die Luft war voller Rauch und man konnte kaum 2km weit gucken.

Der Blick auf Leiria mittags auf dem Weg zur Schule
Der Blick auf Leiria mittags auf dem Weg zur Schule

An Unterricht war dementsprechend kaum zu denken. Viele Schüler*innen waren sehr aufgeregt und waren in ständigem Kontakt mit den Eltern. Am Nachmittag wurde der Unterricht aufgrund der starken Rauchentwicklung sogar abgebrochen. 

Für mich ist diese Erfahrung schwer in Worte zu fassen, daher dieser vielleicht etwas nüchterne Bericht. In Deutschland habe ich Ende Juli das Hochwasser in der Region Hildesheim miterlebt, sah zu, wie das Wasser in den Keller meines Elternhauses lief. Letzte Woche verfolgte ich in den Nachrichten und durch Freunde und Familie den Sturm, der über Norddeutschland hinwegfegte und auch dort Todesopfer forderte. Hier stehe ich dem anderen Extrem gegenüber und erlebe wieder diese Hilf- und Fassungslosigkeit, mit denen man dem unglaublichen Schaden gegenübersteht, den Naturgewalten anrichten können.

Aber immerhin eine gute Nachricht gibt es: Letzte Nacht kam der Regen. Endlich.

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Erste Eindrücke… von Land und Leuten

Leiria, die Stadt in der ich ein Praktikum mache, ist eine Kleinstadt mit ca. 15000 Einwohnern, zentral im Westen von Portugal gelegen. Leiria ist nur ungefähr 20km von der Küste entfernt, sodass es sich auch jetzt im September nachts schon ziemlich abkühlen kann (bis zu 10°C), während tagsüber noch 23°C bis 28°C erreicht werden. Die Sonne scheint momentan täglich – und macht mich damit ziemlich glücklich. Doch auch die Stadt umgibt mich mit ihrem Charme. Da sind die engen Gassen im alten jüdischen Viertel, der große Platz mit vielen Cafés, in denen sich die Portugiesen treffen, viel Kunst an Häuserwänden sowie das Wahrzeichen der Stadt: die Burg (oder wie man hier sagt: castelo), die hoch oben auf einem Hügel über Leiria zu wachen scheint. Die ganze Szenerie ist malerisch. 

Praça Fracisco Rodrigues Lobo (mit Vespatreffen) im Zentrum Leirias und der Burg im Hintergrund.
Praça Fracisco Rodrigues Lobo (mit Vespatreffen) im Zentrum Leirias und der Burg im Hintergrund.

Außen herum ist Leiria umgeben von Straßen und zwei Autobahnen, die teilweise einer Betonwüste gleichen. Schade eigentlich, denn die Hügellandschaft Portugals wäre ohne so viel Verkehr noch viel schöner. Aber wo ist das nicht so...

 

Trockenheit 

Wer die Nachrichten verfolgt hat, weiß, dass in den letzten Monaten immer wieder Brände in Portugals Wäldern loderten. Sehr wenig Regen und die großen Waldflächen mit Eukalyptus und Pinien machen dem Feuer leider ein leichtes Spiel. Manchmal, wenn ich morgens aus der Tür trete, kann ich sogar den leichten Geruch von Rauch in meiner Nase spüren. Die Waldbrände sind also immer noch nicht vorüber, da der Regen ausbleibt. Auch die Quellen, wo normalerweise Trinkwasser abgefüllt werden kann, tröpfeln nur. Dementsprechend kaufe ich momentan Wasser in großen Kanistern, weil das Leitungswasser wegen des hohen Chlorgehalts nicht ganz schmackhaft ist.

 

Die Menschen, die ich bisher kennenlernen durfte 

Ich gebe zu, ich habe bisher hauptsächlich Lehrerinnen und Lehrer an meiner Schule kennengelernt – und dort aufgrund der Sprachbarriere auch nur in einem kleinen Rahmen. Jedoch muss ich sagen, dass mir bisher eine unglaubliche Herzlichkeit entgegengebracht wurde. Meine betreuende Lehrkraft Lisete und ihre Familie haben mich wie eine Tochter aufgenommen. Sie und ihr Mann sind beide in Deutschland aufgewachsen, leben nun aber seit vielen Jahren in Portugal. Ihre beiden Söhne geben sich viel Mühe mit der deutschen Sprache und machen mir so das Portugiesisch Lernen schwer ;-)

Jedoch kümmert sich darum ein Geschichtslehrer der Schule. Mit Händen, Füßen, Brocken auf Portugiesisch, Englisch, Deutsch und Französisch erzählt er mir von der Geschichte Leirias, den Wahlen in Deutschland und dass ich dringend die Landessprache lernen muss. Dafür hat er mir sogar ein Geschenk gemacht: Ein Portugiesisch-Arbeitsbuch für Anfänger. Sprachlos und unglaublich dankbar sitze ich nun also immer fleißig in meinem portugiesischen Zuhause und übe :-).

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Mit SCHULWÄRTS! in Leiria, Portugal – Erste Eindrücke

Eh.. sorry, do you speak English?
So fühlt man sich also, wenn man in ein Land kommt, dessen Sprache man nicht sprechen oder verstehen kann… Here I am, Meike, 26 Jahre alt, angehende Lehrerin für Englisch und Biologie, der portugiesischen Sprache leider so gar nicht mächtig, aber trotzdem für die nächsten 4 Monate Praktikantin an der Escola Secundária de Francisco Rodrigues Lobo in Leiria, Portugal. Ein bisschen hilflos und immer leicht peinlich berührt versuche ich mein Unwissen einfach wegzulächeln. Und dann versuche ich es wieder auf Englisch. Oft habe ich Glück und werde verstanden, trotzdem fühle ich mich etwas aufgeschmissen.

Also schnell Portugiesisch lernen…
Zum Glück kann ich auch in Klassen dabei sein, die gerade erst beginnen Deutsch zu lernen. Die Schule beinhaltet als Escola Secundária die Klassen 10 bis 12 und die Schüler*innen können Deutsch als Fremdsprache neben Spanisch und Französisch wählen. In einer elften Klasse machen wir daraus direkt ein beidseitiges Lernen: Ich spreche die deutschen Wörter vor, die Klasse wiederholt sie chorisch, dann sagen die Schüler*innen mir das Wort auf Portugiesisch vor und ich gebe mein Bestes beim Nachsprechen. So haben alle ihren Spaß dabei. Ich bleibe dran. Mal sehen wie weit ich während meiner Zeit hier komme.

Wie ist eigentlich die Schule in Portugal?
Wo wir schon beim Thema sind, kann ich die Schule ja noch etwas genauer erläutern. Wie gesagt, bin ich an einer Escola Secundária eingesetzt, also in der Sekundarstufe II. Der Schultag beginnt morgens um 8:30 Uhr und kann im schlimmsten Fall abends um 18:15 Uhr enden, das wären dann zehn Stunden. Eine Schulstunde ist fünfzig Minuten lang, dann gibt es zehn Minuten Pause. An einem langen Tag ist aber immer die fünfte oder die sechste Stunde als Mittagspause frei. An zwei Tagen in der Woche haben die Schüler*innen auch den Nachmittag frei. Trotzdem sind die Schultage im Allgemeinen ziemlich lang. Unterricht bis 17 oder 18 Uhr erfordert schon eine Menge Disziplin und Konzentration, die den Schüler*innen verständlicherweise manchmal fehlt.

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