Die ersten Tage in Daejeon

Nun sind bereits anderthalb Monate vergangen, seit ich hier in Daejeon in Südkorea mein SCHULWÄRTS-Praktikum begonnen habe. Es waren anderthalb Monate voller freundlicher und hilfsbereiter Menschen, Sprachverwirrungen, wahnsinnig gutem Essen, vielen Lichtern und lauter Musik in den Straßen, Wochenendausflügen und Wanderungen, und natürlich jeder Menge Trubel in der Schule. Und es waren anderthalb Monate, in denen ich nicht dazu gekommen bin, diesen Blogeintrag zu verfassen – also kommt er jetzt reichlich verspätet. Für die verbleibenden Wochen meines Praktikums habe ich mir natürlich vorgenommen, regelmäßiger von meinen Erlebnissen zu berichten, aber wer weiß, was noch alles dazwischen kommt. ;)

 

Ankunft in Daejeon – von Graubrot, Erdbeermarmelade und abgefülltem Waschmittel
Am 5. Oktober 2017 landete mein Flugzeug am Incheon Flughafen und ich nahm den Bus nach Daejeon, in die Stadt, in der ich mein Praktikum mache. Am Busbahnhof dort wurde ich sehr herzlich empfangen von dem Vizeschulleiter meiner Schule, Herrn Lee, und Schwester Rosa, meiner Betreuungslehrerin. Gemeinsam gingen wir Essen in einem amerikanischen Restaurant.

 

Die nächste Station war mein One-Room-Apartment, das Herr Lee und Schwester Rosa für mich organisiert hatten. Den Moment, in dem ich dort hineinkam, werde ich vermutlich nie vergessen. Schnuckelige 15 (?!) qm mit Bad und kleiner Kochzeile im Eingangsbereich, die mit so viel Liebe eingerichtet waren, dass ich auch jetzt noch einigermaßen sprachlos bin: Das Bett war gemacht, vor dem Bett lag eine Steppdecke für mehr Gemütlichkeit, auf dem Schreibtisch stand ein riesiger Obstteller, zwei Sorten „deutsches“ Brot aus der besten Bäckereri in Daejeon lagen direkt daneben, im Kühlschrank stand ein Glas selbstgemachte Erdbeermarmelade und im Küchenschrank koreanische Instant Noodle-Töpfe mit selbstgeschriebener Anleitung auf Deutsch. Und von allem, wovon man in zwei Monaten keine ganze Packung verbrauchen kann, hatte Schwester Rosa kleine Portionen in Döschen und Gläser abgefüllt: Honig, Salz, Kaffee, Spülmittel, Waschmittel, Toilettenpapier, … Die Liste ließe sich gefühlt ewig fortsetzen. Sogar an Gefrierbeutel, um einen Teil des Brotes einzufrieren, hatte sie gedacht. Ich bin definitiv noch nie irgendwo angekommen, wo sich jemand so viele Gedanken darum gemacht hat, dass ich mich wohlfühle. Dass ich mich gleich wie zu Hause gefühlt habe, muss ich wohl kaum dazusagen.

 

An meinem ersten Tag in Daejeon habe ich die Gegend um mein Apartment herum erkundet. Was ich damals dachte: Wow, hier sind ja überall kleine Restaurants, da bin ich aber in einer guten Gegend gelandet. Was ich jetzt denke: überall in Daejeon sind kleine (und größere) Restaurants – was das angeht gibt es gar keine schlechten Gegenden! Ich war jedenfalls gleich von Anfang an ganz verliebt in Korea (und ja, die Versorgung mit leckerem Essen hat dazu definitiv beigetragen).

 

„안녕하세요, do you speak English?“
Apropos Versorgung mit leckerem Essen: Hier kommt noch eine kleine Anekdote aus der Rubrik „Hilfsbereite Menschen in Daejeon, die einer Deutschen helfen, die weder koreanisch spricht noch Hangeul lesen kann“:

 

Am Abend meines ersten ganzen Tages in Daejeon wollte ich etwas essen gehen. Am besten koreanisch, denn auf das Essen hatte ich mich die ganze Zeit schon gefreut (möglicherweise war das Essen auch einer der Gründe, aus denen ich mein SCHULWÄRTS-Praktikum gerne in Südkorea machen wollte….;)). Also googelte ich fix, was es zu beachten gibt beim Restaurantbesuch in Korea (ich lernte: in vielen Restaurants kann man alleine nicht essen, man muss mindestens zu zweit sein) und zog los, um ein geeignetes Restaurant auszuwählen. Gar nicht so leicht, wenn man nichts von dem lesen kann, was an den Eingangstüren und auf den Speisekarten steht. Also: Reingehen und fragen, ob ich alleine dort essen kann. Gar nicht so leicht, wenn man außer „Hallo“ und „Danke“ kein Wort Koreanisch spricht und die Bedienung kein Wort Englisch.

 

Also: Leute auf der Straße ansprechen. Auch nicht so leicht, wenn man kein Koreanisch spricht und die Leute so gut wie kein Englisch. Einem Mann konnte ich schließlich erklären, was ich suche. Er wollte mich auch unbedingt verstehen, so dass wir irgendwie mit Händen und Füßen oder auch einfach konsequent auf Koreanisch und Englisch miteinander kommunizierten. Der nette Herr nahm mich – zeitweise im wahrsten Sinne des Wortes – an die Hand und führte mich durch die Straßen Daejeons. Zwischendurch sprach ich ein junges Paar auf der Straße an – sie konnten ebenfalls kein Englisch, dafür aber Google Translate anbieten. Das half auch nur bedingt weiter. Nach insgesamt etwa 20 Minuten laufen und aneinander vorbeireden stand ich schließlich vor der Tür des amerikanischen Restaurants, an dem ich bereits am Vortag mit Rosa und dem Schulleiter gegessen hatte. Ich bedankte mich so freundlich ich konnte, der Mann ging seiner Wege… und ich begann erneut die Suche nach einem koreanischen Restaurant. Zum Glück traf ich dabei irgendwann auf zwei nette junge Männer, die mir auf Englisch sagen konnten, dass ich in diesem einen Restaurant alleine essen konnte, und die mir halfen, einen Teil der Speisekarte zu übersetzen. So musste ich mich an diesem Abend doch nicht mit einer Portion Instant Noodles begnügen, sondern bekam den leckersten gebratenen Reis aller Zeiten und jede Menge der typischen koreanischen Beilagen serviert!

 

Dieses Erlebnis war nicht das einzige seiner Art. Vor allem in den ersten Tagen, als ich mich noch nicht auskannte, habe ich wahnsinnig viele nette, hilfsbereite Menschen getroffen. All diese Menschen haben dazu beigetragen, dass ich mich in Daejeon von Anfang an willkommen gefühlt habe!

Die ersten Schultage
Auch meine ersten Schultage waren wunderbar. Ich mache mein Praktikum an der St. Mary’s Girls High School, einer – wie der Name bereits verrät – Oberschule für Mädchen. Die Oberschule in Korea besteht aus drei Jahrgangsstufen, die der zehnten, elften und zwölften Stufe in Deutschland entsprechen (hier: erste, zweite und dritte Klasse). An meiner Schule ist Deutsch nach Englisch die zweite Fremdsprache der Schülerinnen; sie lernen Deutsch in der ersten und zweiten Klasse.

 

Die Schülerinnen hatten zwar zuvor bereits gehört, dass „eine Frau aus Deutschland“ an die Schule kommen würde, aber ihren staunenden Gesichtern nach zu urteilen waren sie dann doch überrascht, als Schwester Rosa und ich tatsächlich zu zweit das Klassenzimmer betraten. Ich wurde sehr herzlich (und teilweise sehr euphorisch;)) empfangen. Witzig war auch das Kennenlernspiel im Stil von „Ich packe meinen Koffer…“. Mein Plan, die 181 Namen zu lernen, scheiterte nahezu hundertprozentig, sehr zur Belustigung der Schülerinnen. Ich war schon froh, wenn ich einzelne Namen nach zwei Sekunden noch wusste und wenn ich ähnlich klingende Namen wie Seoyeon und Seohyun auseinanderhalten konnte. Auch nach über einem Monat sind die Schülerinnen noch unglaublich interessiert und freundlich mir gegenüber – ständig höre ich auf den Gängen jemanden „Guten Morgen, Nina!“ oder „Nina, hallo!“ rufen. Auch die Frage „Nina! My name?“ kriege ich häufiger zu hören – zum Glück sind die Schülerinnen immer noch nachsichtig mit mir, denn ich habe zwar schon Fortschritte gemacht, bin aber vom Beherrschen aller 181 Namen noch meilenweit entfernt.

 

Alles in allem muss ich wirklich sagen, dass die ersten Tage und Wochen in Daejeon kaum besser hätten sein können! Ich hoffe sehr, dass ich es bald schaffe, euch ein bisschen mehr von all dem zu berichten, was ich hier im Alltag die ganze Zeit so erlebe.

 

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