Fir Milenge India

Blick aus dem Flugzeug beim Landeanflug auf Zürich
Blick aus dem Flugzeug beim Landeanflug auf Zürich

Unity in Diversity

Indien, du Land voller Abenteuer, Unterschiede, Religionen, Menschen, Schmutz, Herzlichkeit, Natur und Freundschaft. Vier Monate durfte ich staunend an dir teilhaben, dich atmen, riechen, schmecken, fühlen und mich von dir lenken lassen. Dankbar bin ich für alles, was du mich gelehrt hast. Momente voller Freude und Ekstase und Augenblicke der Einsamkeit und der latenten Verzweiflung hast du mir beschert. Ich durfte deine Hauptstadt, die weite Wüstenlandschaft Rajasthans, das Technologie- und Industriezentrum Pune und deinen Süden mit den wunderschönen Teeplantagen, Stränden und Sonnenuntergängen im Meer erleben.

 

Es war nicht immer leicht...

Immer wieder hast du dabei für Überraschungen gesorgt. Singende Taxifahrer, selfiebegeisterte und phantastisch schauspielernde Schüler, gänzlich überfüllte und dennoch rasend schnelle Busse auf gewundenen Bergstraßen, Kühe, Katzen, Hunde und Elefanten – nahezu überall, über alle Maßen herzliche Kollegen und Mitmenschen, neue Freunde und Leidensgenossen, Feuerwerk und Drachensteigen – das alles hast du mir geboten und noch so viel mehr.

Eine Woche bin ich nun bereits im kalten und verregneten Deutschland zurück und doch noch nicht recht ankommen. Ich erwische mich tagtäglich, wie ich Vergleiche ziehe, wie ich mich immer wieder an dich zurückerinnert fühle. Nur wenige Länder können einem eine nahezu vollkommen fremde Kultur mit einem solch herzlichen Lächeln näherbringen, wie du es vermagst. Sicherlich – du hast es mir auch so manches Mal schwer gemacht.

Mangelhafte Infrastruktur, Smog, unwissende Fahrer, Verkehrsstaus, mangelnde Hygienestandards – insbesondere beim Essen, all‘ das ist nicht immer leicht. Auch wenn mich das immer mal wieder über dich hat schimpfen und nahezu hysterisch lachen lassen, bin ich mir doch sicher, dass du es mir nicht persönlich nimmst.

 

...und doch eine einmalige Erfahrung

Irgendwie hast du deinen eigenen Charme, deine eigene Zeit und deinen eigenen Weg. Ich bin überaus froh, dass ich über das SCHULWÄRTS!-Programm die besondere Chance bekommen habe, über vier Monate hinweg einen Blick hinter deine touristischen Fassaden voll von Joga, Tee, Curry und Ayurveda werfen zu können. Ein besonders großer Dank geht an Olav Schröer, der für dich und die deutsche Kultur als Experte für Unterricht am Max-Mueller-Bhavan / Goethe-Institut New-Delhi tätig ist und mich ganz wundervoll während meiner Zeit betreut hat und ein Freund geworden ist. Gleiches gilt für meine Kollegin und Freundin an der Springdales School, Punita Kapoor, die ihren Schülern voller Leidenschaft die deutsche Sprache näherbringt und sich immer Zeit genommen hat, mir den Alltag in Indien zu erklären. Ferner soll auch allen weiteren Kollegen am Goethe-Institut und an der Springdales School ein großer Dank ausgesprochen werden, die mir unkompliziert Arzttermine organisiert oder bierselige Abende vorm Fernseher nebst Bayernsieg – einziger Wehmutstropfen – beschert haben. Es bliebe noch so viel über dich zu sagen, so viele Bilder zu posten und Erlebnisse zu teilen. Doch manchmal ist es auch gut, alle diese Erinnerungen und besonderen Momente ganz fest ins Herz zu schließen und einfach festzustellen: Das kann mir keiner nehmen. In diesem Sinne – I’ll be back, Sir Toby out.

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Hinter den Fassaden Indiens

Die letzten Tage und Wochen waren so unfassbar ereignisreich, dass ich jetzt erst in der Lage bin, einen kleinen (Teil-)Einblick in die Erlebnisse zu geben, die Indien für mich bereithielt und mich hinter die Fassaden eines Landes blicken ließen, das aus westlicher Sicht leider größtenteils durch Bilder von IT-Spezialisten, unfassbarem Reichtum und unfassbarer Armut, Menschenmassen, günstigen Arbeitskräften, Naan und Thalis geprägt ist.

Einen besonderen Beitrag zu meiner Annäherung an die authentischeren Seiten (Nord-)Indiens lieferten die Treffen mit Jerry, welche immer wieder bereichernd für meinen Alltag waren und mir aus dem Alltagstrott - bestehend aus Arbeit von morgens bis abends - verhalfen. Es war und ist immer wieder inspirierend, sich mit einem Menschen zu treffen, der sich von Herzen für die Kleinigkeiten im Leben begeistern kann - trotz oder gerade aufgrund der lebenswidrigen Umstände, in die er hineingeboren wurde. Diese besondere Art führt mir immer wieder vor Augen, dass die Probleme in meinem Leben mitnichten so bedeutsam sind, wie ich sie zum Teil wahrnehme.

Gemeinsam mit Jerry eroberte ich vor einigen Wochen das Festival für den Elephantengott Ganesh (ganesh jayanti). In dieser für alle religiösen Gefolgsleute des Menschenelephanten überaus wichtigen Zeremonie, werden die jeweiligen Gottesstatuen der Tempel zu dieser Zeit in den Stadtfluss Delhis - den Yamuna - befördert, während parallel dazu laut musiziert und mit farbigem Pulver um sich geworfen wird (so manch einer kennt sicherlich die westlichen Holi-Festivals, die sich in Deutschland großer Beliebtheit erfreuen - obschon dabei jegliche Religiosität verloren gegangen ist). Auf dem Weg zu diesem einmaligen Event sprang abermals mein Kniescheibe heraus - danke an dieser Stelle an Alexander Lindhorst für den sofortigen Arzttermin am 01. November nach meiner Rückkehr - was dazu führte, dass ich minutenlang schmerzverzerrt auf dem Gehsteig saß und versuchte, halbwegs wieder auftreten zu können. Doch Indien wäre nicht Indien, würden nicht überall Menschen sein, die hilfsbereit und fachmännisch in solchen Situationen helfen können. Jerry, der sehr schnell das Ausmaß meiner Verletzung sah, rief unmittelbar einige junge Passanten (circa 20 Jahre alt) herbei. Nachdem ihnen kurz erläutert wurde, was vorgefallen war, holte einer der Jungen eine Salbe aus seiner Tasche und bat mich (wohlgemerkt am Straßenrand einer Hauptverkehrsstraße) meine Hose auszuziehen, um mich anschließend minutenlang im Schweiße seines Angesichts zu massieren. Ich tat wie mir geheißen und nach circa 5 Minuten der intensiven Massage konnte ich wieder einigermaßen stabil auftreten und mich - nach unzähligen herzlichen Umarmungen, Zeichen der Dankbarkeit und Gruppenfotos - Richtung Festival und Fluss Yamuna begeben. Vor Ort trafen wir dann - rein zufällig - auf den dunklen Uferterrassen des Yamunas die neuen deutschen Freiwilligen der Kathputli Colony, mit denen wir den restlichen Abend verbrachten. Man kann Delhi einen gewissen Dorfcharakter - trotz der circa 20 Millionen dort lebenden Menschen - nicht absprechen.

     

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25 Fakten über Indien

1. Man schnallt sich hinten im Auto sitzend nicht an (es gibt auch überhaupt keine Anschnaller). Vorne hingegen MUSS man sich anschnallen.

2. Jugendliche fahren sehr häufig ohne Führerschein Motorroller. Es gilt die Regel: Wer die Verkehrsregeln befolgt (welche eigentlich?!), der kann auch fahren. Insgesamt ist festzuhalten: Auf den Straßen Indiens ist nichts unmöglich.
3. Man bietet Menschen in der Regel 3mal etwas an, bis sie es annehmen.
4. Nur wenige Menschen trinken Alkohol, da es mit der Religion nicht vereinbar ist.
5. Wenn auf einer (Haus-)Party dann allerdings doch Alkohol konsumiert wird, trinkt man so lange bis alle vollkommen besoffen sind und isst erst dann zu Abend. Zuvor gibt es lediglich Snacks.
6. Bringedienste liefern alles. Lebensmittel, Medizin, Autobatterien, Möbel ... Die Menschen transportieren dabei ALLES zumeist auf Fahrrädern - ja, auch Möbel!
7. Älteren Menschen gebührt gehöriger Respekt. Als Ehrerweisung berührt man ihre Füße.
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Spiel, Spaß, Spannung in Jaipur

Bereits an meinen ersten Tagen in Indien lernte ich G.N. Saini (ja, einfach nur G.N.) kennen, der mir eine herzliche Einladung aussprach, ihn an seinem Sprachinstitut (GNS) und an seiner Schule in Jaipur, Rajasthan, besuchen zu kommen. Zum Glück hat G.N. in seinen Anstrengungen während der letzten Monate nicht nachgelassen und somit ist es schließlich nach zahlreichen misslungenen Versuchen endlich geglückt, ihn in seiner Heimat zu besuchen. Dankenswerterweise wurde nicht nur mir die Einladung ausgesprochen, sondern auch Lisa Pelkner (ebenso SCHULWÄRTS!-Praktikantin) und Eleonora Dutton (Praktikantin am Goethe-Institut in Delhi). Matthias - mittlerweile bereits ins Ösiland zurückgekehrt und dort schätzungsweise aufgrund seiner in Indien erworbenen Expertise (in allen Lebenslagen) bei der Präsidentschaftswahl oder auch im Chemielabor bei der Herstellung von funktionierendem Klebstoff benötigt - fehlte uns dreien dennoch schmerzlich. Fare thee well - auch die Kolleginnen am Goethe-Institut vermissen dich schmerzlich - Maharadscha!
Doch zurück zu Jaipur. Entgegen der Annahme, dass die Reise in die Hauptstadt des Landes der Tiger und Elefanten schnell erledigt sein sollte (268 km Wegstrecke sollten schnell zurückgelegt sein), hat die Reise dann nach indischen Zeit- und Zugstandards (die obligatorische dreiviertel Stunde Verspätung eingerechnet - fast wie in Deutschland) insgesamt fünfeinhalb Stunden gedauert und das obwohl wir mit dem Shatabdi Express unterwegs waren (dem ICE Indiens). Nach der dann insgesamt doch sehr ermüdenden Fahrt sind wir unmittelbar am Freitagabend in die Betten unseres wundervollen Guesthouses gefallen (das Sunder Palace in Jaipur ist ein guter und günstiger Touri-Tipp) und konnten die Matratzen genießen...So hatte ich am Samstagmorgen tatsächlich das erste Mal nach dem Aufstehen keine stärkeren Rückenschmerzen als am Tag zuvor - und das nach zweieinhalb Monaten. Sollte jemand über ein Welcome-Back Geschenk nachdenken: Massagen werden sehr gerne genommen.

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Über Jerry, Marsmenschen und Elephanten

"A mighty flame follows a tiny spark." - hopefully

Dante Alighieri

Der Besuch von Jerrys Heimat, der Kathputli-Colony, hat mich in meiner Sicht auf Indien und insbesondere auf Delhi verändert. Zwar erlebe ich die indische Metropole auch weiterhin als die Stadt, in der sich Reichtum und Armut in perverser Art und Weise abwechseln, doch sehe ich den Lebensalltag der auf der Straße lebenden Menschen differenzierter. Während man durch Reiseführer, -berichte und Freunde zumeist ermahnt wird, auf die Bettler, Straßengaukler und Händler abweisend und kühl zu reagieren, begegne ich Ihnen nun mit mehr Warmherzigkeit. Das bedeutet zwar nicht, dass ich die organisierten Bettelstrukturen Delhis durch Geldspenden unterstütze, doch schenke ich den Menschen - soweit möglich - mehr Aufmerksamkeit, spiele kurz mit den Straßenkindern und zeige ihnen somit: "Hey, du bist mir nicht egal."

Von diesen zig Millionen Menschen, ist mir Jerry besonders wichtig geworden. Nachdem ich mich mit Matthias am Montag letzter Woche in das bestellte Uber-Taxi gesetzt hatte, welches uns aus dem Slum in unsere Wohngegend in Greater Kailash zurückbrachte, sprachen wir nahezu kein Wort. Die Erlebnisse des Slumbesuchs hatten ihren bleibenden Eindruck hinterlassen. Uns war beiden klar, dass wir den Bewohnern der Kathputli Colony, und insbesondere Jerry, helfen möchten, sich aus dem systembedingten Elend zu befreien. Doch so sehr man sich auch eine Besserung der Lebensumstände aller wünscht, muss man feststellen, dass das weit außerhalb des Möglichen liegt. Einem Einzelnen hingegen lässt sich durchaus helfen - aber nur wenn die Hilfe nachhaltig und zielgerichtet ist.

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Slumdog Millionaire

The difference between what we do and what we are capable of doing would suffice to solve most of the world's problems.

                                                                                                                                                                                                 Mahatma Gandhi

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Delhi - eine Stadt voller Gegensätze und Überraschungen

Dass Menschen Delhi auf ihren Reisen freiwillig besuchen würden, war mir vor meiner Ankunft vor anderthalb Monaten noch ein Rätsel. Zugegeben, ich habe mich höchstpersönlich auf das Land und die Stadt beworben, doch wollte ich mich vielmehr in ein kulturelles und persönliches Großstadtabenteuer stürzen, als Genuss durch meinen Praktikumsort zu verspüren. Daher hatten mich auch viele Freunde und Bekannte vor meiner Abreise mit fragenden Blicken angeguckt und mir dann mit auf den Weg gegeben: "Indien ist sicherlich ein tolles Land. Aber Delhi - das muss ja nicht unbedingt sein." Mittlerweile hat sich dieser durch die westliche Berichterstattung überaus voreingenommene Eindruck bedeutend gewandelt - was insbesondere dem phantastischen menschlichen Umfeld, der guten Infrastruktur mit einem internationalen Flughafen und einem funktionierenden Metro System und den phantastischen Denkmälern zuzurechnen ist (die Bilder-Galerie zeigt den Besuch des Lotus Tempel der Bahai-Religion). Nichtsdestotrotz ist die Stadt überaus laut (die Honks-per-Minute-Rate liegt kontinuierlich bei 60 bis 80), stickig (die Luftqualität ist mit Abstand die schlechteste der Welt - selbst an sehr guten Tagen ein vielfaches des deutschen Maximalwertes) und überwältigend groß (nach vielfacher Rücksprache mit meinen Kollegen und Schülern kann mir niemand eine genaue Einwohnerzahl nennen - die Größen schwanken zwischen 15 und 22 Millionen Bewohnern).

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Indische Deutschklausuren und Independence Day

Indische Deutschklausuren sind ganz ähnlich wie das gesamte Land. Sehr laut, viel bevölkert und anstrengend, gleichermaßen aber auch spannend, abwechslungsreich und unterhaltsam. Insgesamt 2600 Schüler wurden an zwei Tagen durch circa 50 Lehrer im Rahmen der Deutsch-Fit Prüfungen getestet. Die Vorbereitung auf die Prüfungen lief dabei morgens recht spontan ab. Obwohl eigentlich zertifizierte Prüfer für die Aufsicht vorgesehen waren, wurde Matthias und mir die Ehre zuteil, unmittelbar nach Ankunft mit anzupacken und insgesamt 120 Schüler beim Schreiben ihrer Klausur zu beaufsichtigen. Hilfreich erwies sich dabei insbesondere das Prüfungsbingo, welches ich jedem Prüfer dringend ans Herz legen möchte (am Vorabend der Prüfung gegen 3 Uhr verfasst).

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Elite zum Mitnehmen bitte – Die Scindia School in Gwalior

Auf Einladung der Scindia School aus Gwalior machten Matthias und ich uns am vergangenen Samstagmorgen als Botschafter der deutschen und österreichischen Sprache und Kultur auf eine vierstündige Zugfahrt, mit latenter Schlagseite durch das vorabendliche Feiern in Hauz Khas, der Partymeile Delhis. An dieser Stelle eine kleine Mahnung an mein zukünftiges Ich: Alkohol und indischer Zug - nicht gut.

Unser Ziel, das Jungeninternat Scindia School, gilt als DIE Eliteschule Indiens. Die 350 Kilometer lange Strecke in den Bundesstaat Madhya Pradesh legten wir dann aber zum Glück für unsere müden Seelen liegend im Schlafwagen der Indian Railways zurück – eine luxuriöse Angelegenheit, sobald man den Wagen erreicht hatte. Die vorherige Wartezeit auf einem indischen Bahnhof nebst obligatorischer Zugverspätung konnte einem jedoch die Luft zum Atmen rauben – ausnahmsweise einmal nicht aufgrund des Smogs in der Luft. Der menschliche Geruch am Gleis war nahezu unerträglich. Überall lagen Menschen, jung und alt, auf den Bahnsteigen, als Unterlage Matten oder Pappen und hatten ihr gesamtes Hab und Gut neben sich. Die Blicke, die Matthias und mich, die einzigen Touristen weit und breit, trafen waren ein Mischung aus Neugierde, Argwohn und Neid. Da ein Bahnhof zumeist auch einen relativen Gesellschaftsquerschnitt zeigt, machten die hier anwesenden Menschen ein weiteres Mal auf erschreckende Art und Weise deutlich, wie elendig es noch immer um viele Teile der indischen Gesellschaft bestellt ist. Jugendliche ohne Beine und ohne Rollstuhl, Kinder mit geschwollenen Augen, Frauen mit schweren Säcken auf dem Kopf und ältere Menschen mit notdürftig zusammengesteckten Gehstöcken (zumeist eine Konstruktion aus Besenstiel und Holzlatte) wurden hier zur Normalität. Zwar waren wir den Menschen auf dem Bahnsteig in diesem Moment sehr nah, doch gleichzeitig auch so fern. Zum Glück, dachte ich in mich hinein.

 

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Einmal Taj Mahal und zurück - Ein kleines Videotagebuch

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Basteln, Monsun, indische Hausparty - einmal bunte Tüte

Die letzten Tage waren eine pralle Mischung aus Kreativität, Naturgewalt und alternativen Entspannungsmethoden. Erstere war insbesondere in der Schule vonnöten - hier hat man sich herausgeputzt, um das Jubiläum, nämlich das 60-jährige Bestehen, das sogenannte Diamond Jubilee, festlich zu begehen. Während sich Schulen in Deutschland für solche Anlässe zumeist ein eher klassisches Programm überlegen, wie ein Auftritt der Schulband oder des Orchesters und dazu die über die Jahre perfektionierten Reden aus der Politik und von der Schulleitung, sind indische Schulen in der Vorbereitung auf den großen Tag nahezu eine Woche in den Ausnahmezustand versetzt. Bis es am Freitag letzter Woche dann zur großen festlichen Zusammenkunft kam, mussten zunächst umfassende Vorkehrungen dafür getroffen werden. Sämtliche Schüler waren eingespannt und haben ihren Beitrag dazu geleistet - für das deutsche Seminar unter tatkräftiger Mithilfe von Sir Toby. Während sich bei mir die Frage aufdrängte "Öh, wie sieht das denn eigentlich mit Unterricht aus?", waren die kleinen und großen Deutschlerner bereits emsig damit beschäftigt die zwei zum deutschen Seminar gehörigen Stellwände zu dekorieren. Dazu wurden Styroporwürfel ausgesägt, darauf die ausgedruckten und fein ausgeschnittenen Denkmäler Berlins festgeklebt, Papierstreifen in schwarz, rot und gelb organisiert und die Werke, die über die Sommerferien angefertigt wurden - unter anderem ein großer Familienstammbaum mit darauf befindlichen, grün kolorierten Maccheroni - auf den Stellwänden befestigt. Das klingt jetzt alles relativ befremdlich und man fragt sich "Wozu das Alles?", doch ergab sich am Ende eine wundervolle Ausstellung, die Schüler haben jahrgangsübergreifend toll zusammengearbeitet und selbst Sir Toby - immer wieder bezüglich des Kunstwerks mit Fragen gelöchert - konnte sich der Ästhetik des Ergebnisses nicht entziehen.

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Sir Toby goes Bollywood

Preise und Wettbewerbe gehören zur indischen Kultur wie hinduistische Tempel, Autohupen und Naanbrot. Auf Schulebene sind vor allem Wettstreite "á la mode", bei denen zum Schluss ein strahlender Sieger auf der Bühne steht, einen Pokal in die Höhe halten darf und ABBA singt dazu im Hintergrund "The winner takes it all, the loser's standing small". Zufällig wurde am letzten Freitag in der Nähe der Springdales School ein deutscher Theaterwettbewerb veranstaltet, an welchem die Deutschlehrerin der Springdales School, Punita Kapoor, leidenschaftlich gerne teilnehmen wollte. Die Rahmenbedingungen waren, ein circa fünf- bis sechsminütiges Theaterstück auf der Basis einer Tierfabel zu schreiben, das Schauspiel sollte auf deutsch sein und von zwei Erzählern auf englisch und deutsch gerahmt werden.

Als ich mich daraufhin zum "Branstorming" mit Punita zusammensetzte, fiel uns zunächst jedoch keine passende Geschichte ein. Zwar erinnerten wir uns an die Bremer Stadtmusikanten, doch erschien die Geschichte einfach zu komplex für eine kurze Bühnenfassung auf dem Niveau der Schüler. Zum Glück aber bietet das Deutschzimmer der Schule eine unglaubliche Menge an Materialien, die Punita auf beeindruckende Weise, wie eine Buchhändlerin bei Flourish and Blotts (die Buchhandlung aus Harry Potter), überblickt. Fast wie von Zauberhand fand sie so die Geschichte Eine Höhle für die Elefanten, welche wir augenblicklich zu unserem Favoriten für den Wettbewerb kürten. Begeistert erklärte ich mich bereit, aus der Geschichte eine kleine Bühnenfassung zu schreiben. Die Geschichte des Stückes ist schnell erklärt. Ein Elefant, David, baut zunächst freudig mit seinen Elefantenfreunden kleine Türme aus Holz. Plötzlich wird er bockig und tritt die gebauten Türme kaputt. Daraufhin wird er von seinen Freunden vom Spielen ausgeschlossen. Auf einmal zieht ein Unwetter auf, aus dem David seine Freunde rettet und zu sich in die Höhle, in die er sich verkrochen hat, holt. Hier verspricht er zukünftig artig zu sein, alle umarmen sich und haben sich wieder lieb.

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Old Delhi - Eine einmalige Erfahrung

Der alte Teil der Metropole Delhi besitzt seinen ganz besonderen Charme. Die Metro-Station, die einen in das Treiben der Menschen führt, ist Chandni Chowk. Bereits bei der Ankunft merkt man: Hier wird es voll! Die zuvor bis zum Zerbersten gefüllte U-Bahn - zum Glück arbeitet die Klimaanlage trotz der Menschenmassen zuverlässig - entleert sich nahezu vollkommen an der Station zum ältesten Markt Delhis. Nach allerlei Gedrängel und Geschubse auf den Treppen kommt man schließlich in dem bevölkerungsdichtesten Teil der Welt an und wird sogleich vom Lärm, der Wärme und allerlei Düften und Gerüchen (positiv formuliert) begrüßt. Allerlei wird an den zahlreichen Ständen angepriesen. Frischgepresste Säfte (zumeist Mango), Stoffwaren wie Tücher und Saris (das indische traditionelle Kleidungsstück der Frau) und Plastikwaren nebst "originaler" Markenkleidung von Adidas und Puma. Es ist ein wildes Treiben von Menschen. Die einen versuchen zu feilschen, die anderen ihre Produkte anzupreisen. Eines haben alle Plätze gemeinsam. Der große hellhäutige deutsche Junge fällt auf. Immer wieder kommen bettelnde Menschen - sehr häufig Kinder - auf mich zu. Es ist ein zumeist erbarmungswürdiger Zustand, in dem sich die jungen Erdenbürger befinden und lässt einen lange Zeit danach nicht los. Mir wurde empfohlen, in diesen Situationen hart zu bleiben und nicht zu geben. Ich gehe damit auf meine eigene Art um und habe zumeist eine Mango o.Ä. in meinem Rucksack und gebe diese an die bettelnden Kinder. Geld - so scheint es mir - hilft den häufig organisierten Bettelnden am Wenigsten.

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Food for thoughts

Die kulinarische Finesse Indiens war mir bereits in Deutschland durch Restaurantbesuche und heimische Kochevents wohl bekannt - dachte ich. Feine, wohlschmeckende Köstlichkeiten versprachen es zu werden, die ich hier jeden Tag gut und günstig bekommen würde. Nach etwas mehr als einer Woche indischer Cuisine muss ich dieses Bild korrigieren. Das hiesige Essen ist, sagen wir, anders als in Deutschland. 

An meinem ersten Tag im Goethe-Institut lieferte mittags ein nordindisches Restaurant, in der Schule werde ich morgens und mittags gratis bekocht und auch mein Landlord versorgt mich des öfteren mit dem landestypischen Essen. Das Essen sieht stets überaus lecker aus und ist absolut gesund. Allerdings ist es auch unsagbar scharf. Selbst das Naan (indisches Brot) oder der Reis können das Brennen im Mund kaum stillen, welches beim Verspeisen der zumeist stark chilihaltigen Speisen entsteht und auch der dargereichte Joghurt, der ebenso zur Beruhigung beitragen soll, erfüllt eigenartigerweise nur unzureichend seinen Dienst. Die Nachfragen meiner indischen Mitmenschen - "ob es denn schmecke" - bejahe ich zwar weiterhin möglichst überzeugend mit "oh ja", "hervorragend" und "ausgezeichnet".  In meinem Kopf geistert zugleich allerdings stets der Werbeslogan von Fisherman's Friend umher: "Sind sie zu stark, bist du zu schwach." Nun ja, bis jetzt muss ich mich wohl zu letzteren Zählen. Meine letzten Restaurantbesuche waren somit (leider) Domino's (Pizza), McDonald's, Subway, Nando's (Hähnchenrestaurant) und zu guter Letzt Dunkin' Donuts. Shame on me and (a lot of) food for thoughts.


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Schule in Indien - Sir Toby!

Mein erster Schultag in Indien - als Lehrer. Deutschunterricht ist auf der Tagesordnung. Insgesamt 500 wissbegierige Deutschlernerinnen und -lerner sind an meiner Praktikumsschule. Eine beeindruckende Zahl dafür, dass man Luftlinie fast 7000 Kilometer von Deutschland entfernt ist - offensichtlich leistet das Goethe-Institut hier in Delhi über die PASCH-Schulen Initiative eine phantastische Arbeit. Und da stehe ich nun vor 50 interessierten Sechstklässlern. Ich werde von der Deutschlehrerin als Sir Toby vorgestellt und muss unmittelbar an Dinner for One denken, an Silvester und an nun ja... cheerio.

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V2O Makes the World Go Round

Lehrertagungen in Indien haben ein wenig etwas von Klassenfahrt. Während der Veranstaltungen und Seminare tagsüber sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in feine Kleider und Hemden gezwängt. Sie wollen gefallen, unterhalten sich über die neuesten Lehrmethoden, nehmen energisch an Quizrunden teil und geben sich weltmännisch. Doch sobald der Vorhang fällt, sobald die Veranstaltung am Abend beendet ist, trifft man sich zum gemeinsamen Bier und dem einen oder anderen Schnäpschen in den Hotelzimmern oder auf den Straßen Delhis. Diesmal durfte ich Teil dieser besonderen Stimmung werden. Nach Ende der Veranstaltung am Sonntag ging es sogleich mit einem der Lehrer als Fahrer und Matthias, dem österreichischen Praktikanten am Max-Mueller-Bhavan, durch den Straßendschungel der indischen Metropole - mit sehr guter musikalischer Untermalung. 

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Work Work Work - Lehrertagung

Nachdem ich am Freitagabend bereits eine Präsentation für die Lehrertagung im Max-Mueller-Bhavan zum Thema Erfinderland Deutschland vorbereitet hatte, ging es heute darum, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Goethe-Instituts im Lalit-Hotel bei der Anmeldung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und in den Workshops unterstützend zur Seite zu stehen.

Den Weg zum Lalit Hotel bestritt ich per Taxi, welches ich über die Uber-App bestellt hatte. Dabei ist festzuhalten, dass Uber eine der besten Applikationen ist, die man sich im 21. Jahrhundert zur Fortbewegung von Menschen hat einfallen lassen (abgesehen vielleicht von Pokémon GO). Schnell, günstig und zuverlässig kann man darüber Taxen in New Delhi ordern. Der circa 7 Kilometer lange Weg bis zum Lalit-Hotel hat mich folglich nur 80 Rupien gekostet (etwas mehr als 1€). Weiterhin sind alle Taxen vollklimatisiert, sodass man nicht die Abgase der Stadt mit der schlechtesten Luftqualität der Welt (tatsächlich auch noch deutlich vor Peking) einatmen muss.

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Der erste Tag - aufregende neue Welt

Am ersten Tag in New Delhi habe ich mich zunächst häuslich eingerichtet, meinen Backpack ausgepackt und die Girlande (danke für diese wundervolle Idee) in meinem Zimmer aufgehängt. Anschließend habe ich die Gegend rund um meine Wohnung erkundet. Nachdem mir mein Vermieter nach einem gemeinsamen Frühstück einige Hinweise und Tipps zum (Über-)Leben in Indien gegeben hatte, machte ich mich auf, zu Fuß die Umgebung zu erkundigen. Zugegebenermaßen ist das bei 33 Grad und hoher Luftfeuchte ein nicht unbedingt erholsames Unterfangen.

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Ankunft in New Delhi

Meine Reise nach New Delhi verlief wunderbar. Die Lufthansa/Fanhansa flog mich zunächst von Hannover nach Frankfurt und von dort direkt nach New Delhi. Dankenswerterweise erhielt ich in Frankfurt sogar noch ein kostenloses Upgrade auf Premium Economy. Allerdings konnte auch der erhöhte Komfort nicht die Niederlage der deutschen Mannschaft gegen Frankreich beschönigen (welche ich immerhin Live an Bord verfolgen durfte).

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